Abhöraffäre kommt in den Bundestag

28. Oktober 2013, 17:02 Uhr · Quelle: dpa

Berlin/Washington (dpa) - Die Affäre um den US-Geheimdienst NSA und dessen Abhöraktivitäten gegen Kanzlerin Angela Merkel kommt in den Bundestag. Die Fraktionschefs Volker Kauder (Union) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) verständigten sich auf den 18. November als Termin.

Grüne und Linke hatten zuvor eine Sondersitzung gefordert. Auch ein Untersuchungsausschuss des Parlaments rückt näher, nachdem nun auch die SPD ein solches Gremium verlangt. Die Linke forderte den Rücktritt von Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) und Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU).

Merkel soll bis vor wenigen Monaten vom US-Geheimdienst NSA abgehört worden sein - allerdings ohne Wissen von Präsident Barack Obama. Das berichtet das «Wall Street Journal» (Sonntag, Ortszeit) unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Die Abhöraktion sei nach einer von der Regierung in Washington im Sommer in Auftrag gegebenen internen Untersuchung gestoppt worden, heißt es in dem Bericht. Diese Prüfung habe ergeben, dass die NSA rund 35 internationale Spitzenpolitiker überwache.

Die Untersuchung lege nahe, dass Obama fast fünf Jahre lang nichts von den Bespitzelungen der Politiker wusste. Die Regierungsvertreter sagten der Zeitung, bei der NSA liefen so viele Lauschangriffe parallel, dass es kaum praktikabel wäre, Obama über alle zu informieren. Solange die Überprüfung läuft, will sich das Weiße Haus aber nicht zu Einzelheiten äußern. Die Zeitung konnte nicht in Erfahrung bringen, ob die NSA Merkels Gespräche abhörte oder nur begleitende Informationen wie etwa gewählte Rufnummern abgriff.

Medienberichten aus Deutschland zufolge soll Merkel seit etwa 2002 ein NSA-Aufklärungsziel sein. Der US-Geheimdienst wies aber einen Bericht der «Bild am Sonntag» zurück, wonach NSA-Chef Keith Alexander 2010 Obama über das Vorgehen gegen Merkel informiert habe. In Berichten hatte es geheißen, Obama habe Merkel bei einem Telefonat versichert, nichts über Spionagepraktiken gegen sie gewusst zu haben.

Die Bundesregierung sieht trotz der Vorwürfe gegen den US-Geheimdienst keine Veranlassung, das Gespräch mit dem Informanten Edward Snowden zu suchen, der die Affäre mit seinen Veröffentlichungen ins Rollen gebracht hatte. «Die Frage stellt sich jetzt nicht», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Mit Blick auf Berichte, wonach die Amerikaner die Bundesregierung auch von der US-Botschaft in Berlin aus belauschen, sagte Seibert lediglich: «Wir gehen allen Hinweisen nach.»

Wie angekündigt werde «in Kürze» eine hochrangige Delegation zu Gesprächen in die USA reisen, sagte Seibert weiter. Mit dabei seien Vertreter des Kanzleramts und die Präsidenten von Verfassungsschutz sowie Bundesnachrichtendienst, Hans-Georg Maaßen und Gerhard Schindler. Innenminister Friedrich kündigte im Sender N24 eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen im Regierungsviertel an.

Die Linke fordert personelle Konsequenzen aus der Handy-Affäre. Innenminister Friedrich und Kanzleramtschef Pofalla müssten «schnellstmöglich von ihren Aufgaben entbunden werden», sagte Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn am Montag in Berlin. Die Linken-Fraktionsvize Sahra Wagenknecht sagte: «Das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den USA muss beerdigt werden.» In der «Welt» forderte sie zudem Asyl für den Informanten Snowden. Auch Grünen-Chefin Simone Peter sagte, ein Untersuchungsausschuss müsse Snowden anhören.

Die SPD will einen gemeinsamen Antrag aller im Bundestag vertretenen Parteien für einen solchen Ausschuss erreichen. Das sagte Generalsekretärin Andrea Nahles am Montag in Berlin. «Wir unterstützten ausdrücklich die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses.» Der «Bild»-Zeitung sagte sie weiter, Snowden könne ein «wertvoller Zeuge» sein. Der frühere NSA-Mitarbeiter hat in Russland Asyl erhalten.

Nahles sagte zur Spähaffäre: «Diese Vorgänge sind unerträglich. Sie haben die Kraft, alle freundschaftlichen Bande zu zerstören, die uns immer mit den Vereinigten Staaten verbunden haben.» Ähnliche Kritik kommt aus allen Parteien. Als «eklatant gestört» bezeichnete etwa CSU-Chef Horst Seehofer im «Donaukurier» (Montag) das «Vertrauen zu unseren amerikanischen Freunden». Die Linke-Vorsitzende Katja Kipping sagte der «Mitteldeutschen Zeitung» (Online): Obama «täte gut daran, schnell nach Deutschland zu kommen und sich ... zu entschuldigen».

Wirbel um die NSA-Aktivitäten gibt es auch in anderen Ländern: Die spanische Regierung bestellte den amerikanischen Botschafter in Madrid ins Außenministerium ein. Die römische Polizei verstärkte die Kontrollen bei diplomatischen Vertretungen und vor allem nahe der Botschaft der USA. Spürhunde und Anti-Sabotage-Einheiten seien im Einsatz, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Bundesregierung / Geheimdienste / USA
28.10.2013 · 17:02 Uhr
[1 Kommentar]
US-Präsident Trump empfängt Bundeskanzler Merz
Washington/Brüssel (dpa) - Mit einer neuen nationalen Sicherheitsstrategie brandmarkt US-Präsident Donald Trump die aktuelle politische Landschaft in der EU als Bedrohung für amerikanische Interessen. Konkret werden in dem 33-seitigen Dokument angebliche Demokratiedefizite und Einschränkungen der Meinungsfreiheit kritisiert. Über Migration heißt es, der wirtschaftliche Niedergang Europas werde von […] (10)
vor 4 Minuten
Afrikas werden zu Kohlenstoffschleudern: Wie ein ganzer Kontinent seine CO₂-Bilanz verändert
Afrikas Wälder befinden sich an einem kritischen Wendepunkt. Jahrzehntelang galten sie als zuverlässige Kohlenstoffsenken: dichte Regenwälder, weitläufige Feuchtgebiete und ausgedehnte Baumflächen entzogen der Atmosphäre CO₂ und banden den Kohlenstoff in Holz, Laub und Böden. Aktuelle Untersuchungen zeigen jedoch, dass sich dieses Bild verändert. Satellitendaten, verstärkte Feldbeobachtungen und […] (00)
vor 1 Stunde
Elon Musks Online-Plattform X
Brüssel (dpa) - Die EU verhängt gegen Elon Musks Online-Plattform X wegen Transparenzmängeln eine Millionenstrafe. Die US-Firma müsse 120 Millionen Euro zahlen, unter anderem wegen einer irreführenden Authentifizierung von Nutzerkonten durch den weißen Verifizierungshaken auf blauem Grund, wie die zuständige EU-Kommission mitteilte. Sie wirft dem Twitter-Nachfolger auch vor, Forschern Daten […] (00)
vor 13 Minuten
Großes Ghost of Yōtei-Update überrascht PS5-Spieler – Patch 1.101 behebt nervige Fehler
Ghost of Yōtei hat erst vor kurzer Zeit sein bislang größtes Update erhalten, inklusive New Game Plus, neuen Belohnungen und frischen Gründen, erneut auf die verschneiten Berghänge zurückzukehren. Doch der Patch brachte auch einige neue Probleme mit sich, die Spieler schnell bemerkten. Jetzt hat Sucker Punch reagiert und ein weiteres Update veröffentlicht, das gezielt die Fehler beseitigt, die […] (00)
vor 2 Stunden
Kirsten Dunst
(BANG) - Kirsten Dunst ist seit der Geburt ihrer Kinder eine "furchtlosere" Künstlerin geworden. Die 43-jährige Schauspielerin hat die Söhne Ennis (7) und James (4) mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Jesse Plemons. Seit sie Mutter ist, gibt sie ihren Rollen laut eigener Aussage "so viel mehr". Während einer 'In Conversation'-Veranstaltung beim Red Sea International Film Festival in Saudi-Arabien […] (00)
vor 2 Stunden
Paris Saint-Germain - Bayern München
München (dpa) - Der Einspruch des FC Bayern gegen die Drei-Spiele-Sperre für Luis Díaz in der Champions League war erfolgreich. Die UEFA reduzierte die Sperre um ein Spiel auf zwei Partien. Somit fehlt der 28-Jährige nur noch im Heimspiel am kommenden Dienstag gegen Sporting Lissabon. Im neuen Jahr kehrt der Kolumbianer dann gegen Royale Union Saint-Gilloise (21. Januar) wieder in den Champions- […] (00)
vor 29 Minuten
Aurubis überrascht alle: Das Signal, das die Metallbranche aufrüttelt
Aurubis verzeichnet für das Geschäftsjahr 2024/25 einen deutlichen Gewinnrückgang, wählt aber einen bemerkenswert offensiven Kurs: Die Dividende steigt um zehn Cent auf 1,60 Euro je Aktie. Dass der Konzern seine Ausschüttung trotz rückläufiger Ergebnisse anhebt, zeigt zweierlei – die robuste Grundprofitabilität des Metallgeschäfts und das Bestreben, Anlegern in einem volatilen Umfeld […] (00)
vor 18 Minuten
Wenn Superman durchs Fenster winkt
Karlsruhe, 05.12.2025 (lifePR) - Vorweihnachtliche Überraschung für die jungen Patientinnen und Patienten im Klinikum Karlsruhe: Die Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr Karlsruhe und der Werkfeuerwehr des KIT haben sich kurz vor dem Nikolaustag wieder in bunten Kostümen vom Dach des Zentrums für Kinder und Frauen abgeseilt. Mittlerweile ist es eine feste Tradition: Bereits zum vierten Mal hat die gemeinsame Höhenrettungsgruppe der […] (00)
vor 1 Stunde
 
Lars Klingbeil am 05.12.2025
Berlin - Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will ein Altersvorsorgedepot einführen, das […] (01)
«Wort des Jahres» 2025
Wiesbaden (dpa) - Der Einfluss Künstlicher Intelligenz in unserer Gesellschaft wächst - mit […] (00)
210 Milliarden für Kiew – Von der Leyen greift nach Russlands eingefrorenem Geld
Ein Vorschlag, der die Finanzwelt nervös macht Was Ursula von der Leyen am Mittwoch in Brüssel […] (04)
Lars Castellucci (Archiv)
Berlin - Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci (SPD), hat Kritik […] (02)
Zukunftstrends: Was wird unseren Alltag prägen?
Schon jetzt transformiert der schnelle technologische Fortschritt fundamental die Art, wie […] (01)
NDR zeigt finale Staffel von «HIP»
Die neuen Folgen mit Audrey Fleurot und Mehdi Nebbou starten vorab in der ARD Mediathek. Der NDR bringt […] (00)
1100 Lehrer schlagen Alarm: Grundschüler kommen ohne Basisfähigkeiten in die Schule
Alarmstufe Rot an Hessens Grundschulen In Hessen haben fast 1100 Grundschullehrkräfte einen […] (00)
Janina Hettich-Walz
Östersund (dpa) - Eines war für Biathletin Janina Hettich-Walz schon immer klar. Sie will nicht […] (03)
 
 
Suchbegriff