Abgang eines Eisenbahnroutiniers: Richard Lutz verlässt Deutsche Bahn
Das Ringen um die Zukunft der Bahn sorgt einmal mehr für erhebliche Personalturbulenzen: Bahnchef Richard Lutz wird den Konzern vorzeitig verlassen. Der erfahrene Manager, der ursprünglich bis 2027 an der Unternehmensspitze bleiben sollte, wird seine Rolle noch so lange beibehalten, bis ein Nachfolger bestimmt ist. Dies verkündete Verkehrsminister Patrick Schnieder. Die prekäre wirtschaftliche und betriebliche Lage des staatseigenen Konzerns gab wohl den Ausschlag für diesen Schritt. Schnieder sprach Lutz in einer offiziellen Stellungnahme Dank für sein Engagement in herausfordernden Zeiten aus, während eine Bahn-Sprecherin verkündete, dass Lutz weiterhin die Geschäfte führen wird, bis die Nachfolge geklärt ist.
Der Pünktlichkeitsgrad der Deutschen Bahn verabschiedete sich während Lutz’ Amtszeit deutlich von alten Höhen. Von 78,5 Prozent im Jahr 2017 fiel er auf zuletzt 62,5 Prozent. Die Unternehmenszahlen bleiben tiefrot, und die Regierung plant signifikante Umstrukturierungen auf Führungsebene. Seit 1994 in den Diensten der Bahn stehend, hatte Lutz seit 2017 die Geschicke als CEO gelenkt. Unter seiner Leitung wurde ein Sanierungskonzept entwickelt, um die marode Infrastruktur und wirtschaftliche Probleme zu beheben.
Doch dieser Plan wird erst 2027 Früchte tragen, was Lutz jetzt nicht mehr als Vorstandsboss erleben wird. Besondere Beachtung findet das ambitionierte Vorhaben, durch umfassende Generalsanierungen neuralgische Strecken wie Hamburg-Berlin zu modernisieren und für die Zukunft zu wappnen. Auch politisch geriet Lutz in ein wechselhaftes Fahrwasser: Mit Ex-Verkehrsminister Volker Wissing schien er harmonisch zusammengearbeitet zu haben, während die Spannungen mit Nachfolger Minister Schnieder unverkennbar zutage traten. Trotz milliardenschwerer Investitionszusagen äußerte Lutz Zweifel an der langfristigen Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Nun obliegt es Schnieder, den richtigen Kandidaten für die Unternehmensführung zu finden und die Weichen neu zu stellen. Die Frage, wer letztlich die Verantwortung für die dringend benötigten Verbesserungen übernehmen wird, bleibt weiterhin offen. Ob ein politischer oder interner Kandidat die Nachfolge antritt, steht noch in den Sternen. Lauter werdende Spekulationen um mögliche Nachfolger wie Jörg Kukies und Evelyn Palla lassen bereits die mediale Runde machen. Währenddessen sollten sich Fahrgäste keine kurzfristigen Wunder erwarten: Die institutionellen Herausforderungen der Bahn sind genereller Natur, und selbst kritische Stimmen machen sich für den langfristigen Sanierungskurs stark. Der Blick der Öffentlichkeit richtet sich jetzt auf den kommenden Spätsommer, wenn Schnieder ein Konzept zur künftigen strategischen Ausrichtung der Bahn vorstellen will.

