5 Tipps zur entzündungshemmenden Ernährung bei Multipler Sklerose
Bei einer entzündlichen Erkrankung wie Multipler Sklerose kann die Ernährung einen wichtigen Beitrag zur Therapie leisten. Hier finden Sie praktische Empfehlungen für eine entzündungshemmende Ernährung bei MS.
Bad Wildungen, 24.04.2026 (lifePR) - Die Erkrankung im Überblick
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Bei MS greift das Immunsystem fälschlicherweise die schützende Myelinschicht der Nervenfasern an und schädigt diese. Infolgedessen können Nervensignale nicht mehr reibungslos weitergeleitet werden, was zu einer Vielzahl von Beschwerden führen kann. Betroffene leiden häufig unter motorischen Einschränkungen wie Muskelschwäche oder Koordinationsproblemen, aber auch kognitive Symptome wie Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten sind möglich.
Die Behandlung zielt in erster Linie darauf ab, Entzündungsschübe zu reduzieren, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. Dazu kommen je nach Verlauf und Schweregrad verschiedene medikamentöse und rehabilitative Therapien zum Einsatz. Ergänzend dazu kann auch die Ernährung bei MS einen wertvollen, unterstützenden Beitrag leisten.
Antientzündliche Ernährung bei MS
Welche Ernährungsweise bei MS die richtige ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Allerdings liefern zunehmend Studien und Erfahrungsberichte wertvolle Hinweise darauf, worauf es bei der MS-Ernährung ankommen kann. Grundsätzlich gilt: Der Körper benötigt alle wesentlichen Nährstoffe wie gesunde Fette, Eiweiße, Kohlenhydrate, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in ausreichender Menge. Darüber hinaus zeigt sich, dass bestimmte Lebensmittel Entzündungen im Körper fördern können und als mögliche Trigger für Schübe oder eine Verstärkung der Symptome gelten. Andere Lebensmittel hingegen wirken entzündungshemmend und können den Körper gezielt unterstützen.
Im Zusammenhang mit MS werden stellenweise Ernährungskonzepte wie die Evers-Diät (Rohkost), die Swank-Diät (fettarm) oder die Fratzer-Diät (vollwertige Pflanzenkost) genannt. Eine wissenschaftlich gesicherte Grundlage gibt es dazu nicht. Von einseitigen Ernährungsformen wie einer sehr fleischreichen, extrem kohlenhydrat- oder fettarmen Kost wird eher abgeraten. Statt einem starren Ernährungskonzept zu folgen, lohnt es sich, einzelne bewährte Bausteine in den Alltag zu integrieren und eine individuell passende Ernährung umzusetzen.
5 Ernährungs-Tipps für den Alltag
1. Täglich frisches Gemüse
Eine pflanzenreiche Ernährung gilt als eine der wichtigsten Grundlagen der antientzündlichen Ernährung bei MS. Pflanzliche Lebensmittel liefern eine Fülle an Antioxidantien, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen, die entzündungshemmend wirken und das Immunsystem unterstützen können. Pflanzenreich zu essen, kann eine Vielfalt von Gemüse und auch Hülsenfrüchten umfassen. Achten Sie dabei möglichst auf frische, unverarbeitete Zutaten und bereiten Sie Ihre Mahlzeiten selbst zu. Eine gute Orientierung im Alltag ist die sogenannte Tellerhälfte-Regel: Versuchen Sie, bei jeder Mahlzeit mindestens die Hälfte des Tellers mit Gemüse oder Hülsenfrüchten zu füllen.
Geeignete Lebensmittel: Brokkoli, Spinat, Paprika, Zucchini, Süßkartoffeln
Vermeiden: Stark verarbeitete Fertiggerichte ohne nennenswerten Gemüseanteil
Beispielgericht: Buntes Kokosmilch-Gemüsecurry mit Kichererbsen und braunem Reis
2. Fleischkonsum einschränken
Fleisch muss bei der MS-Ernährung nicht vollständig vom Speiseplan gestrichen werden, eine bewusste Reduzierung ist jedoch empfehlenswert, insbesondere bei rotem und stark verarbeitetem Fleisch. Der Grund dafür liegt unter anderem in der sogenannten Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure), die vor allem in fettem Fleisch, Wurst und Innereien vorkommt. Im Körper kann Arachidonsäure in entzündungsfördernde Botenstoffe umgewandelt werden, was bei einer entzündlichen Erkrankung wie MS ungünstig sein kann. Helles Fleisch wie Huhn oder Pute enthält deutlich weniger Arachidonsäure und ist daher die bessere Wahl, wenn Fleisch auf dem Speiseplan stehen soll. Auch fettreicher Fisch ist eine gute Alternative, da dieser als eine der besten natürlichen Quellen für Omega-3-Fettsäuren gilt. Diese können dem Körper dabei helfen, Entzündungsprozesse zu hemmen und so das Gegengewicht zur entzündungsfördernden Arachidonsäure zu bilden.
Geeignete Alternativen: Geflügel, Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh, Lachs
Vermeiden: Wurst, Salami, Speck, panierte Fleischprodukte und Innereien
Beispielgericht: Gebackener Lachs mit gedünstetem Brokkoli und Süßkartoffeln
3. Ungesättigte Fette bevorzugen
Nicht alle Fette sind gleich. Während gesättigte Fettsäuren aus tierischen Produkten und Transfette aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln Entzündungen begünstigen können, wirken ungesättigte Fettsäuren, insbesondere Omega-3-Fettsäuren, entzündungshemmend. Da der Körper bei multipler Sklerose ohnehin mit chronischen Entzündungsprozessen belastet ist, kann die Wahl des richtigen Fettes einen echten Unterschied machen. Im Alltag lässt sich das ganz einfach umsetzen, indem Sie beim Kochen auf hochwertige pflanzliche Öle setzen und regelmäßig Nüsse oder Samen als Snack einplanen.
Fette mit hohem ungesättigten Anteil: Olivenöl, Leinöl, Walnüsse, Avocado, Chiasamen
Vermeiden: Margarine, Frittierfette, Kokosfett in großen Mengen, stark verarbeitete Snacks
Beispielgericht: Salat mit Avocado, Walnüssen und einem Dressing aus Olivenöl und Zitrone
4. Vollkornprodukte statt Weißmehl
Weizen und Weißmehlprodukte sind in der alltäglichen Ernährung oft allgegenwärtig. Bei MS lohnt es sich jedoch, den Konsum bewusst zu hinterfragen. Ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Mainz konnte in einer klinischen Pilotstudie nämlich zeigen, dass bestimmte Eiweiße im Weizen, Entzündungsprozesse im Körper und auch im zentralen Nervensystem fördern können. MS-Betroffene, die sich drei Monate lang weizenreduziert ernährten, berichteten dabei von signifikant weniger Schmerzen und hatten zudem weniger entzündliche Immunzellen im Blut.
Diese Proteine stecken zwar auch in Vollkornprodukten, sind dort jedoch in der Regel weniger konzentriert als in stark verarbeiteten Weißmehlprodukten. Die Studie legt daher nahe, den Weizenkonsum insgesamt zu reduzieren und nicht nur auf Vollkorn umzusteigen. Wer jedoch nicht vollständig auf Weizen verzichten möchte, ist mit Vollkornprodukten deutlich besser beraten als mit Weißmehl, da diese mehr Ballaststoffe liefern, den Blutzucker stabilisieren und die Darmgesundheit unterstützen. Noch ärmere Alternativen sind Getreide wie Buchweizen oder Quinoa, die sich ebenfalls gut in den Alltag integrieren lassen.
Alternativen: Vollkornbrot, Haferflocken, Quinoa, Buchweizen, Naturreis
Vermeiden: Weißbrot, Toastbrot, helle Nudeln, Gebäck und stark verarbeitete Weißmehlprodukte
Beispielgericht: Warmer Quinoasalat mit geröstetem Gemüse und einem Tahini-Dressing
5. Fermentierte Lebensmittel
Der Darm spielt eine zentrale Rolle für das Immunsystem. Eine darmfreundliche Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen und fermentierten Lebensmitteln kann dazu beitragen, das Mikrobiom im Darm zu stärken und das Immunsystem positiv zu beeinflussen. Gerade bei der Ernährung bei Multipler Sklerose ist eine gesunde Darmflora ein wichtiger Baustein, da Entzündungsprozesse im Darm und im zentralen Nervensystem eng miteinander in Verbindung stehen. Fermentierte Lebensmittel müssen dabei nicht als eigene Mahlzeit eingeplant werden, oft reicht es, sie als kleine Ergänzung in den Alltag zu integrieren.
Fermentierte Lebensmittel: Naturjoghurt, Kefir, Sauerkraut, Kimchi, Miso
Vermeiden: Stark gesüßte Joghurts, Produkte mit künstlichen Zusatzstoffen und Emulgatoren
Beispielgericht: Vollkornbrot mit Hüttenkäse und Sauerkraut als Beilage
Das sollte bei MS eher vermieden werden
So wichtig es ist, die richtigen Lebensmittel in den Alltag zu integrieren, so sehr lohnt es sich auch, bestimmte Dinge bewusst zu reduzieren. Folgende Lebensmittel und Gewohnheiten gelten als entzündungsfördernd und sollten bei der Ernährung bei Multiple Sklerose möglichst eingeschränkt werden:
- Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel: Süßigkeiten, Limonaden und Fruchtsäfte
- Stark verarbeitete Lebensmittel: Fertiggerichte, Fast Food, Wurstwaren und industriell hergestellte Snacks
- Backwaren: Croissants, Kekse, Kuchen und Weißbrot
- Alkohol: alle alkoholischen Getränke
In unserem zertifizierten Rehabilitationszentrum für Multiple Sklerose bieten wir ein breites Therapiespektrum speziell für MS-Betroffene. Ein wichtiger Baustein ist dabei die individuelle Ernährungsberatung, bei der Sie mit fachkundiger Unterstützung lernen können, eine entzündungshemmende Ernährung bei Multipler Sklerose gezielt umzusetzen. Unsere Fachärzte und Diätassistenten unterstützen Sie dabei, Ihre Ernährung individuell anzupassen und gesundheitsfördernde Essgewohnheiten nachhaltig in den Alltag zu integrieren. In unserer Lehrküche können Sie zudem praktisch erleben, wie sich die Empfehlungen ganz konkret und alltagsnah umsetzen lassen. Wir begleiten Sie dabei, Schritt für Schritt eine Ernährungsweise zu entwickeln, die zu Ihrem Alltag und Ihrer Erkrankung passt.


