4 Millionen Nutzer weg? Analystin warnt vor Massenabwanderung bei Netflix - Aktie sackt ab
• Werbebasierte günstigere Version notwendig
• 4 Millionen US-Kunden könnten Netflix den Rücken kehren
Bislang hat sich der Streamingkonzern Netflix stets gegen eine werbefinanzierte Version seines Streaming-Angebots ausgesprochen. Schon vor einigen Monaten hatten Experten Zweifel an dieser Strategie angemeldet und prognostiziert, dass das Unternehmen über kurz oder lang Werbeanzeigen schalten müsse, um seinen Wachstumsambitionen gerecht zu werden. Eine Analystin geht noch einen Schritt weiter: Sie betont, dass es Netflix in Zukunft nicht nur in Sachen Neukundengewinnung schwer haben wird, auch die bestehende Kundenbasis sei in Gefahr, wenn Netflix nicht umdenkt.
Strategieänderung dringend nötig
Laura Martin, Analystin bei Needham, zeigte sich überzeugt, dass die zunehmende Konkurrenz auf dem Streamingmarkt den Druck auf Netflix, eine werbefinanzierte Version auf den Markt zu bringen, verstärkt. Die Tatsache, dass Streaming-Kunden immer mehr günstige Streaming-Dienste zur Auswahl hätten, könnte Netflix im Jahr 2020 schon vier Millionen Abonnenten kosten - alleine in den USA. Netflix sei vor diesem Hintergrund gezwungen, eine günstigere Abovariante auf den Markt zu bringen, um seine Marktposition zu verteidigen und die Aktie zu stützen, so die Analystin weiter.
Gänzlich ersetzen solle die neue Variante die aktuell bestehende Aboversionen allerdings nicht, denn der Verzicht auf Werbung ist ihrer Ansicht nach für viele Netflix-Kunden, die sich daran gewöhnt haben, ohne Unterbrechungen Binge-Watchen zu können, ein Grund, dem Streaming-Riesen treu zu bleiben. Martin plädiert aber dafür, dass Netflix seinen Kunden zusätzlich die Option auf eine werbebasierte Version anbieten solle. "Netflix' Premium-Preisstufe von 9 bis 16 US-Dollar pro Monat ist nicht nachhaltig", so die Expertin. Sie rechnet vor, dass durch sechs bis acht Werbespots pro Stunde der Abopreis auf 5 bis 7 US-Dollar gedrückt werden könnte - somit würde Netflix konkurrenzfähig zu den günstigen Streaming-Services von Disney, Apple, Hulu oder Viacom.
Damit könnte sich der Marktführer neue Kundengruppen erschließen - Nutzer mit niedrigerem Einkommen zum Beispiel, oder User, die derzeit ihr Passwort mit anderen teilen und somit kein eigenes Netflix-Abo abgeschlossen haben.
Schwund bei US-Abonnenten könnte Aktie belasten - Bewertung gesenkt
Den US-amerikanischen Netflix-Kunden kommt laut Martin bei Netflix eine besondere Bedeutung zu - ein deutlicher Kundenschwund auf dem Heimatmarkt würde die Aktie empfindlich treffen, glaubt sie. Als das Unternehmen für das zweite Quartal 2019 einen Rückgang der heimischen Abonnentenzahl verkünden musste, hatten Anleger die Aktie zweistellig ins Minus geschickt. Die Bewertung des Unternehmens sei eng mit dem Wachstum des US-Kundenstamms verbunden, glaubt Martin. Auch die starken internationalen Wachstumsambitionen könnten dies nicht ändern, da US-Kunden drei Mal so profitabel seien, so die Expertin.
Angesichts der drohenden Kundenverluste auf dem Heimatmarkt hat die Analystin ihre Empfehlung für die Netflix-Aktie von "Halten" auf "Underperform" angepasst. Ein Kursziel hat Martin nicht vergeben.
Bei den Anlegern kam die Abstufung nicht gut an: Die Netflix-Aktie verlor im Nasdaq-Handel am Montag bis zum Handelsschluss 3,1 Prozent auf 293,12 US-Dollar.

