Investmentweek

310 Millionen Euro teurer – und keiner hält sie auf

28. Juni 2025, 18:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Ein Rüstungsdeal mit Airbus lässt die Kosten für neue Abwehrsysteme der Bundeswehr explodieren. Der Fall zeigt, wie gefährlich abhängig Deutschland in der Zeitenwende von einzelnen Anbietern ist – und wie schwach der Staat in Preisverhandlungen dasteht.

Ein Rüstungsauftrag, 310 Millionen Euro teurer – binnen zwölf Monaten

Keine Ausschreibung, kein Wettbewerb, keine echte Kontrolle: Die Aufrüstung der Bundeswehr-Transportflugzeuge vom Typ A400M mit Raketenabwehrsystemen wird für den Staat massiv teurer – ganz ohne dass mehr geliefert wird.

Statt wie geplant 450 Millionen Euro kosten die 23 DIRCM-Abwehrsysteme, die Airbus liefern soll, inzwischen 759 Millionen Euro. Ein Preissprung von fast 70 Prozent – innerhalb eines Jahres.

Das geht aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltsausschuss hervor. Die Zustimmung der Abgeordneten kam trotzdem: Mangels Alternativen.

Einzelfälle? Von wegen. Der Fall zeigt, was passiert, wenn militärische Beschaffung in einem Markt ohne Wettbewerb stattfindet – und wie schwer es ist, in der sicherheitspolitischen „Zeitenwende“ Preiskontrolle mit Verteidigungsnotwendigkeit zu vereinen.

Lasergestützte Abwehr, gesalzene Preise

Das DIRCM-System, das Airbus Defence & Space liefern soll, nutzt Laser, um anfliegende Raketen zu blenden und so von der Flugbahn abzulenken. Die Technologie ist hochkomplex, neu – und kaum verfügbar. Für Airbus ein Glücksfall. Für den deutschen Staat offenbar ein teurer Zwangskauf.

Dass sich der Preis innerhalb eines Jahres um mehr als 300 Millionen Euro erhöhte, begründet das Verteidigungsministerium mit „inflationsbedingten Mehrkosten“.

Doch Experten und Haushälter zweifeln. Sebastian Schäfer, Haushaltspolitiker der Grünen, spricht offen aus, was viele denken: „Das Argument überzeugt nicht.“ In einem Markt, in dem Airbus faktisch der einzige Anbieter ist, entfällt der Preisdruck – ein Einfallstor für überzogene Forderungen.

Airbus ist zugleich Hersteller und Systemlieferant – ein Monopol, das die Verhandlungsmacht des Staates spürbar schwächt.

Das eigentliche Problem: Abhängigkeit

Dass ein einzelnes Unternehmen gleichzeitig Flugzeugbauer und Systemlieferant ist, wäre in zivilen Märkten ein Fall für das Bundeskartellamt. Im militärischen Bereich aber ist es die Norm. Der Airbus-Konzern liefert Flugzeug und Schutztechnik – ein Monopol mit eingebauter Preisgestaltung.

Im konkreten Fall wurde der Haushaltsausschuss des Bundestags erst Ende Mai informiert – mit dem Verweis auf vertragliche Fristen, die keinen Spielraum ließen. Die Zustimmung folgte am 4. Juni – alternativlos. Die Opposition spricht von einem „Erpressungsszenario mit freundlichem Ton“.

Verteidigungshaushalt: Dreifach erhöht, dreifach ausgeliefert?

Die Bundesregierung plant, den Verteidigungshaushalt bis 2029 auf rund 152 Milliarden Euro jährlich zu steigern – eine Verdreifachung gegenüber dem aktuellen Etat.

Das Ziel: 3,5 Prozent des BIP für die Nato-Vorgaben aufbringen. Gleichzeitig sollen diese Ausgaben nicht unter die Schuldenbremse fallen – sie dürfen also über Neuverschuldung finanziert werden.

Doch genau dieser Hebel ruft auch die Rüstungskonzerne auf den Plan. Kritiker befürchten: Wer weiß, dass Geld fließt, stellt höhere Rechnungen. Und wer keine Konkurrenz hat, muss sich nicht rechtfertigen. Die A400M-Preisexplosion ist dabei kein Ausreißer, sondern ein Vorbote.

Ein Projekt mit Geschichte – und Problemen

Der Militärtransporter A400M selbst ist ein Symbol für deutsche Rüstungsbeschaffung: verspätet, überteuert, unzuverlässig. Er sollte bereits in den 2000er Jahren die Luftwaffe stärken – kam aber erst 2013 zum Einsatz. Inzwischen kostet das Projekt den Steuerzahler Milliarden – und ist immer noch nicht voll einsatzbereit.

Dass nun auch die Schutzsysteme zum Preis-Desaster werden, passt ins Bild. Nur: Mit der „Zeitenwende“ im Rücken können sich Unternehmen wie Airbus sicher sein, dass ihre Forderungen nicht nur gehört, sondern letztlich auch bezahlt werden – weil niemand anderes liefern kann.

Kein Wettbewerb, keine Kontrolle – aber Milliarden

Was Airbus hier gelingt, ist das Ergebnis einer strukturellen Schwäche: Deutschlands Beschaffungssystem ist schwerfällig, überreguliert und innovationsscheu – während die Industrie auf globale Nachfrage trifft.

„Es geht um unsere Sicherheit, nicht um die Profite der Rüstungskonzerne“, sagt Grünen-Politiker Schäfer. Doch die Realität ist eine andere: Wer liefern kann, bestimmt den Preis.

Besonders kritisch wird es, wenn wie in diesem Fall unter Zeitdruck entschieden wird. Intransparente Preisbildung, fehlende Ausschreibungen und politische Sachzwänge lassen Haushaltsdisziplin zur Nebensache werden. Verteidigung ja – aber um welchen Preis?

Finanzen / Unternehmen
[InvestmentWeek] · 28.06.2025 · 18:00 Uhr
[2 Kommentare]
Rheinmetall-Wende: Citigroup schlägt Alarm – Kursziel 1.408 Euro trotz Kursabsturz
Monatelang kannte die Rheinmetall-Aktie nur eine Richtung: abwärts. Ein Minus von gut 26 Prozent seit Jahresbeginn drückte das Papier in der Vorwoche auf ein neues 52-Wochen-Tief bei 1.118 Euro. Nun sorgt die Citigroup für einen Stimmungswechsel: Die US-Bank stufte den DAX-Konzern am Montag von „Neutral" auf „Buy" hoch und sieht die Marktsorgen als […] (00)
vor 21 Minuten
Patient mit Infusionsständer (Archiv)
Berlin - Die Finanzprobleme in der Pflege sind offenbar größer als bislang erwartet. Laut GKV-Spitzenverband hat die soziale Pflegesicherung im ersten Quartal 2026 ein Minus von 667 Millionen Euro eingefahren. Und das trotz eines Darlehens von 800 Millionen Euro. Für das Jahr erwartet GKV-Chef Oliver Blatt ein Minus von rund einer Milliarde Euro. Rechne […] (00)
vor 25 Minuten
Nicholas Galitzine hat zugegeben, dass er sich wie ein 'kompletter Betrüger' fühlte, als er zum ersten Mal sein He-Man-Kostüm anzog.
(BANG) - Nicholas Galitzine fühlte sich wie ein "kompletter Betrüger", als er zum ersten Mal sein He-Man-Kostüm anzog. Der 31-jährige Schauspieler verkörpert Prinz Adam und dessen Superhelden-Alter-Ego im neuen Film 'Masters of the Universe', und vor seiner dramatischen körperlichen Transformation für die Rolle gab er zu, dass er sich "unwürdig" fühlte, […] (00)
vor 15 Stunden
Teile aus dem 3D-Drucker für die Ukraine
Berlin/Kiew (dpa) - Die Ukraine hat eine Armee, die auch in Deutschland aktiv ist: Drukarmija (Druckarmee) heißt eine Freiwilligenorganisation, deren Aktivisten mit 3D-Druckern massenhaft kleine Plastikteile herstellen. Sie drucken fast alles, was Soldaten und Rettungskräfte der Ukraine bei der Abwehr der russischen Invasion brauchen: Drohnenzubehör, […] (00)
vor 4 Stunden
MSI gewinnt mehrere COMPUTEX 2026 Awards
MSI, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Gaming und High-Performance Computing, hat auf der COMPUTEX 2026 vier Best Choice Awards gewonnen. Den Höhepunkt bildet der Gold Award für die Flaggschiff-Grafikkarte GeForce RTX 5090 32G LIGHTNING Z. Die Auszeichnungen in den Bereichen Kernkomponenten, smarte Peripheriegeräte und ein Jubiläums- […] (00)
vor 13 Stunden
«Rosen und Reis» fällt im Ersten gnadenlos durch
Die Hochzeitskomödie mit Anneke Kim Sarnau und Oliver Wnuk interessierte kaum jemanden. Selbst beim jungen Publikum blieb das Erste am Freitagabend nahezu unsichtbar. Mit der romantischen Komödie Rosen und Reis wollte Das Erste am Freitagabend eigentlich leichte Unterhaltung zur Primetime servieren. Doch das Publikum hatte offensichtlich andere Pläne: Lediglich 1,73 Millionen Menschen […] (00)
vor 1 Stunde
Nationalmannschaft - Bekanntgabe WM-Kader Deutschland
Berlin (dpa) - Bundestrainer Julian Nagelsmann sieht im verletzungsbedingten Fehlen von Manuel Neuer beim DFB-Pokalfinale mit Blick auf die Fußball-WM «gar kein Problem». Der Kapitän des FC Bayern München setzt im Endspiel gegen den VfB Stuttgart heute (20.00 Uhr/ARD und Sky) wegen muskulärer Probleme in der linken Wade aus. Nagelsmann lobte die […] (00)
vor 10 Minuten
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
vor 1 Stunde
 
Ein atemberaubendes Vergütungspaket Elon Musk, der Visionär hinter SpaceX, steht […] (00)
Strategische Finanzmanöver In einem mutigen Ausdruck finanzieller Klugheit hat […] (00)
Umweltbedenken gegen Knaufs Gips-Bergwerk Der Bund Naturschutz (BN) hat bei der […] (00)
Mitmach-Aktion mit Bundespräsident Steinmeier
Berlin (dpa) - Zum Grundgesetztag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Menschen in […] (03)
Heidi Klum
(BANG) - Heidi Klum spricht offen darüber, in den Wechseljahren zu sein. Die […] (00)
ntv setzt auf Industrieanalyse
Mit einer neuen Dokumentation über den deutschen Maschinenbau macht der Nachrichtensender auf […] (00)
Umsatzwachstum durch Schmuckgeschäft Der Luxusgüterkonzern Richemont hat im […] (00)
Rot-Weiss Essen - SpVgg Greuther Fürth
Essen (dpa) - Rot-Weiss Essen hat sich in einem packenden Relegations-Hinspiel gegen […] (04)
 
 
Suchbegriff