150 Jahre Adventisten in Deutschland: Eine Geschichte des Engagements
Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten blickt in Deutschland auf eine 150-jährige Geschichte zurück, die von gesellschaftlichem Engagement, Herausforderungen in Kriegszeiten und beständigem Wachstum geprägt ist.

27. Januar 2026, 09:01 Uhr · Quelle: LifePR
150 Jahre Adventisten in Deutschland: Eine Geschichte des Engagements
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Die Gebäude zweier adventistischer Einrichtungen in Hamburg (1905): Deutscher Verein für Gesundheitspflege (Träger der damals dort ansässigen Nahrungsmittelfabrik) und Internationale Traktatgesellschaft (damaliger Verlag).
Die Adventisten in Deutschland begehen 150 Jahre mit vielfältigem Engagement in Bildung, Gesundheit und Sozialem.

Darmstadt, 27.01.2026 (lifePR) - Von den ersten Gemeindegründungen im Jahr 1876 bis zur heutigen Präsenz mit 34.000 Mitgliedern haben sich die Adventisten in Deutschland als Freikirche etabliert, die positive Beiträge für die Menschen leistet.

Amerikanische Wurzeln und europäische Gründung

Die Wurzeln der Adventisten liegen im Nordamerika des 19. Jahrhunderts. Der baptistische Laienprediger William Miller hatte aufgrund intensiven Bibelstudiums die nahe Wiederkunft Christi für den 22. Oktober 1844 erwartet. Die „Millerbewegung“ erfasste schätzungsweise 100.000 Menschen. Als Jesus nicht wie erwartet wiederkam, entstanden aus den verschiedenen Gruppen neue christliche Gemeinschaften. Eine kleine Gruppierung um James White, seiner Frau Ellen White, Joseph Bates und anderen gründete und entwickelte ab 1848 adventistische Kirchengemeinden, deren auffälligstes Merkmal die Feier des Sabbats am Samstag ist. 1863 erfolgte die offizielle Gründung der adventistischen Kirchenkörperschaft in Battle Creek, Michigan (USA), mit 3.500 Mitgliedern.

1874 wurde John Nevins Andrews als erster Missionar nach Übersee gesandt und gründete in Basel mit Pastor Jakob Erzberger die erste adventistische Mission außerhalb Nordamerikas. Zwei Jahre später, 1876, entstanden in Solingen und Vohwinkel (heute ein Stadtteil von Wuppertal) die ersten beiden adventistischen Kirchengemeinden (Adventgemeinden) auf deutschem Boden. Eine bedeutende Figur in der frühen Geschichte der Adventisten in Deutschland war Ludwig Richard Conradi, der ab 1889 von Hamburg aus die deutsche Advent-Mission leitete und maßgeblich zu ihrer Ausbreitung in Europa beitrug. Bis zum Ersten Weltkrieg zählten die Adventisten in Deutschland bereits etwa 15.000 mündig getaufte Mitglieder.

Engagement in der Bildung und im Sozialen

Von Anfang an verstanden sich die Adventisten als geistliche, aber auch als sozial verantwortliche Organisation. 1895 wurde ein Verlagshaus in Hamburg gegründet, heute als Advent-Verlag in Lüneburg ansässig. 1897 folgte das Advent-Wohlfahrtswerk e. V. (AWW), das heute Kindertagesstätten, Seniorenheime, Suchtberatungsstellen und Hospize betreibt und seit 1928 Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV) ist.

1899 wurde in dem kleinen Ort Friedensau bei Magdeburg der Deutsche Verein für Gesundheitspflege als Trägerverein für Heilanstalten, Nahrungsmittelfabriken und Ausbildungsorte ins Leben gerufen, der sich bis heute als eingetragener Verein der Gesundheitsprävention widmet. Im gleichen Jahr wurde in Friedensau auch eine Missions- und Industrieschule eröffnet, die sich im Laufe der Zeit zu einem Theologischen Seminar entwickelte und 1990 die staatliche Anerkennung als Hochschule (Fachbereiche: Theologie und Christliches Sozialwesen) erhielt. 1903 wurde die Adventjugend als eigenständiger Jugendverband gegründet, der gegenwärtig rund 13.000 Kinder, Pfadfinder/innen, Teenager, Jugendliche, junge Erwachsene und Studierende in regionalen Gruppen und durch überregionale Veranstaltungen betreut. Ein Meilenstein im Gesundheitswesen war 1920 die Gründung des Krankenhauses Waldfriede in Berlin-Zehlendorf. Heute ist Waldfriede akademisches Lehrkrankenhaus der Charité und behandelt jährlich etwa 135.000 Patienten. 1925 folgte die Gründung der Missionsschule Marienhöhe in Darmstadt, heute ein Schulzentrum (Grundschule, Realschule, Gymnasium) mit rund 800 Schülerinnen und Schülern.

Herausforderungen während der NS-Zeit

Die Jahre zwischen 1933 und 1945 stellten die Adventisten vor existenzielle Herausforderungen. 1933 musste die Adventjugend ihre Tätigkeit einstellen, die Gestapo verhängte zeitweise Verbote. 1934 wurde das damalige Missionsseminar Neandertal geschlossen, ab 1936 wurden Ausnahmegenehmigungen für die Sabbatfeier widerrufen. Während des Krieges waren die Adventisten in mehreren Regionen verboten, die Schulen in Darmstadt und Friedensau mussten schließen, Schulgebäude wurden beschlagnahmt. Gleichzeitig gab es aber auch viel Wegsehen und Anpassung.

Erst 2005 veröffentlichte die Freikirchenleitung eine Erklärung, in der sie bekennt, gegenüber dem jüdischen Volk, allen Verfolgten und vom Krieg Betroffenen durch Versagen schuldig geworden zu sein. Die Erklärung würdigt ausdrücklich jene Mitglieder, die mutig Widerstand geleistet hatten.

Wiederaufbau und rechtliche Anerkennung

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren mehr als 60 Gemeindehäuser zerstört. Adventisten aus Nordamerika und Skandinavien schickten Lebensmittel und Hilfssendungen als Zeichen der Verbundenheit. 1947 wurde das Missionsseminar Friedensau wiedereröffnet, 1948 nahm die Marienhöhe in Darmstadt den Schulbetrieb wieder auf. Im selben Jahr gründete Max Busch die Rundfunkmission STIMME DER HOFFNUNG, aus der 2006 das moderne Medienzentrum Hope Media in Alsbach-Hähnlein hervorging. Es betreibt den christlichen Sender Hope TV, ein Institut mit Fernkursen über biblische Themen, und eine Hörbücherei für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung.

1952 erhielt die Freikirche (die sich damals noch „Gemeinschaft“ nannte) die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts in Berlin-West, später in allen Bundesländern. 1993 wurde sie Gastmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert.

Friedensethik und gesellschaftliches Engagement

Die Haltung zur Wehrpflicht wurde zu einem prägenden Merkmal adventistischer Identität. Als 1956 in der Bundesrepublik die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, leisteten fast alle wehrpflichtigen Adventisten aus Gewissensgründen Zivildienst. In der DDR entschieden sich ab 1962 die meisten für den Dienst als waffenlose Bausoldaten, obgleich damit meist der Ausschluss vom Hochschulstudium verbunden war.

Nach Aussetzung der Wehrpflicht 2011 veröffentlichte die Freikirchenleitung 2018 die Erklärung „Mut zum Frieden“, in der sie Mitgliedern empfiehlt, sich weder direkt noch indirekt an Kriegsvorbereitungen zu beteiligen (siehe auch die APD-Meldung vom 24. November).

1987 wurde die Hilfsorganisation ADRA Deutschland gegründet, das Teil eines weltweiten Netzwerks mit über 130 nationalen Büros ist. Es ist in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und leistet internationale und auch nationale Katastrophenhilfe, etwa bei der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 oder der Betreuung ukrainischer Flüchtlinge 2022/23.

Bereits 1946 gründete der Adventist Jean Nussbaum, ein französischer Arzt Schweizer Herkunft, in Paris die Association internationale pour la défense de la liberté religieuse. Sie wurde 1978 von den Vereinten Nationen als Nichtregierungsorganisation mit beratendem Status anerkannt, ebenso 1985 vom Europarat und 1986 durch die UNESCO. Die Deutsche Vereinigung für Religionsfreiheit e.V. ist ein Zweig dieser internationalen Organisation. Sie wird von der Freikirche gefördert und unterhält ein Institut für Religionsfreiheit an der Theologischen Hochschule Friedensau.

Neuere Entwicklungen

Im Laufe der Jahrzehnte wurden in Deutschland weitere adventistische Bekenntnisschulen gegründet. 2015 folgte die Gründung des Verbundes adventistischer Schulen in Deutschland (VaSiD) mit derzeit zwölf Grundschulen und acht weiterführenden Schulen an zwölf Standorten.

2010 gründete die Freikirche den unabhängigen Fachbeirat „Sexueller Gewalt begegnen“, der Schutzkonzepte zur Prävention sexueller Gewalt in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entwickelt und entsprechende Fortbildungen anbietet. Alle ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden in der Kinder- und Jugendarbeit müssen einen Verhaltenskodex unterschreiben.

Die Freikirche heute

Derzeit zählt die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland über 34.000 mündig getaufte Mitglieder in 560 Adventgemeinden. Die Freikirche ist in zwei Verbänden organisiert: dem Norddeutschen Verband mit Sitz in Hannover und dem Süddeutschen Verband mit Sitz in Ostfildern. Beide Verbände sowie die Freikirche in Deutschland insgesamt besitzen den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Eine gemeinsame Verwaltungsstelle der beiden Verbände entsteht gerade auf dem Gelände des adventistischen Schulzentrums Marienhöhe in Darmstadt.

Weltweit hat die Freikirche über 22 Millionen getaufte Gemeindeglieder in mehr als 93.000 örtlichen Gemeinden und ist in 212 Ländern und Gebieten tätig. Die weltweite adventistische Kirche unterhält 118 Universitäten und Hochschulen, 9.489 Schulen mit über zwei Millionen Schülern, 900 Krankenhäuser, Sanatorien, Kliniken und Sanitätsstationen sowie 60 Verlage und zahlreiche Medienzentren, die TV- und Radiosender betreiben.

Obwohl Adventisten mit Vorfreude auf die Wiederkunft Christi warten, treten sie für Werte ein, die für das Leben im Hier und Heute bedeutsam sind: Freiheit und Menschenwürde, Gemeinschaft und Solidarität, Liebe und Gerechtigkeit. Sie vertreten eine ganzheitliche Lebensweise, die Gesundheit, Bildung und soziale Verantwortung umfasst.

Im Laufe des Jubiläumsjahres wird der APD monatlich eine Institution oder Aktivität der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland näher vorstellen.

Weitere Informationen über die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland finden sich unter www.adventisten.de. Informationen über das 150-jährige Freikirchenjubiläum gibt es unter www.adventisten.de/mut.

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[lifepr.de] · 27.01.2026 · 09:01 Uhr
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