Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„Wegratzen“
Bedeutung:
Einschlafen

Herkunft: Das Präfix "ratz-" bezieht sich auf die Ratte - so wurde die Ratte über Jahrhunderte auch als "Ratz(e)" bezeichnet. "Ratze" konnte aber auch auf andere Tiere wie Iltis, Haselmaus oder Murmeltiere bezogen werden, die Winterschlaf halten, wodurch sich für ratzen = schlafen eine sinnvolle Herleitung ergibt. Die Vorsilbe "weg-" bezieht sich auf die fehlende Aufmerksamkeit (geistige Abwesenheit) des Schlafenden.
 
„Fix und fertig“
Bedeutung:
Erschöpft, zerrütet, ruiniert, schwach, verbraucht sein. Fertig, abgeschlossen, bereit, parat, erledigt, einsatzbereit, vollendet.

Herkunft: "Fix" kommt wahrscheinlich von lat. "fixus" mit der Bedeutung "fest". Im übertragenen Sinn ist jemand, der fest entschlossen ist, auch bereit, zu handeln. Das deutsche Adjektiv "fix" hat davon die Bedeutung "schnell", "hurtig". Die Wendung ist erstmals in der Literatur des Sturm und Drangs (Goethe, Lenz) nachgewiesen, wahrscheinlich aber im mündlichen Gebrauch wesentlich älter.
 
„Fix und Foxi sein“
Bedeutung:
Erschöpft sein.

Herkunft: Diese Redewendung ist eine Verballhornung der Redensart "fix und fertig". "Fix und Foxi" war ein beliebtes deutsches Comic-Magazin (1953-2010)

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„Fertig sein“
Bedeutung:
Erschöpft sein, total überrascht sein.

Herkunft: "Fertig" bedeutet eigentlich "zur Fahrt bereit". Daraus hat sich über das Bild der letzten Fahrt des Sterbenden der Bedeutungsgehalt "Erschöpfung" abgeleitet. Bereits das Mittelhochdeutsche hatte die Grundbedeutung "reisefertig" zu vielerlei Bedeutungen entfaltet, die alle irgendwie die Bereitschaft (dienstfertig, bußfertig) und das Vollendetsein berühren.
 
„Gift und Galle speien / spucken / versprühen“
Bedeutung:
heftig schimpfen, gehässig, schlecht über jemanden reden. Wütend / cholerisch sein.

Herkunft: Die Redewendung ist bereits im 16. Jahrhundert weit verbreitet und daher wohl wesentlich älter. Möglicherweise basiert sie auf einem Bibelwort: "Ihr Wein ist Drachengift und wütiger Ottern Galle".

In der Viersäftelehre wurde den Cholerikern ein Zuviel an gelber Galle zugeschrieben.

siehe auch: "Saft- und kraftlos; ohne Saft und Kraft":
 
"Jemandem kommt die Galle hoch"
Bedeutung:
Jemand lässt die aufgestaute Wut heraus. Jemand wird zornig / wütend.

Herkunft: Die Galle ist eine gelbliche Absonderung der Leber und unterstützt die Verdauung, wird aber auch bei Erregungszuständen gebildet. Bei häufiger Empörung wird daraus ein chronisches Krankheitsbild, das in der mittelalterlichen "Säftelehre" als Störung des Säftehaushalts interpretiert wurde. Mehrere Varianten der Redensart beziehen die Galle auf charakterliche Merkmale oder vorübergehende Misslaune. "Gift und Galle spucken" bedeutet demnach "in äußerste Wut geraten" und "gallig sein" oder "voller Galle sein" will heißen, "missgelaunt sein". Auf den Geschmack der Galle beziehen sich dagegen Bildungen wie "gallenbitter" und "bitter wie Galle". Wer seine "Feder in Galle taucht", schreibt bitter-aggressive Artikel.
 
„Zu hoch für jemanden sein“, „Jemandem zu hoch sein“
Bedeutung:
Etwas nicht verstehen. Zu schwierig / zu kompliziert für jemanden sein.

Herkunft: "Hoch" steht redensartlich im Gegensatz zu "niedrig" und vermittelt die positiven Werte Verstand und Verstehen, aber auch Gesundheit, Hochgefühl, Leben, Kontrolle, Erfolg, Macht, Tugend, Wissen und Können. Was zu hoch ist, kann nicht verstanden werden, man kann es (bildlich gesprochen) nicht greifen, nicht erreichen.

Bereits Luther schreibt in seiner Bibelübersetzung: "Solchs erkentnis ist mir zu wünderlich vnd zu hoch / Jch kans nicht begreiffen." Und in den "Sprüchen" finden wir den Satz: "Weisheit ist dem Narren zu hoch"
 
„Die Trauben hängen (jemandem) zu hoch“
Bedeutung:
Die Wünsche sind unerfüllbar.

Herkunft: Diese Redewendung geht auf eine Fabel des Äsop aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. zurück. In ihr wird geschildert, wie der Fuchs vergeblich versucht, an Weintrauben heranzukommen, die auf einem hohen Gerüst wachsen. Die übertragene redensartliche Verwendung ist seit dem16. Jahrhundert belegt.

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Für die Fabel folgenden Beitrag lesen:
"Schöne und unterhaltsame Fabeln":
"Der Fuchs und die Trauben"
(Das Blaue „Schöne und unterhaltsame Fabeln“ anklicken – und der Link führt zum richtigen Beitrag)

 
„Zu hoch gepokert haben“

Bedeutung:
Sich verspekuliert haben. Ein hohes Risiko eingegangen und dabei gescheitert sein.

Herkunft: Selbstverständlich stammt diese Redewendung aus dem Pokerspiel, bei dem man viel einsetzen und dementsprechend auch viel verlieren kann.
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„Dead Mans Hand“
(„das Blatt des toten Mannes“)
Beim Poker eine Kombination, die nach „Wild Bill Hickok“ benannt ist. (Pik und Kreuz As. Pik
und Kreuz Acht) Hickok, der Revolverheld, Soldat und Gesetzeshüter, hatte in Wirklichkeit
ein Blatt auf der Hand, das aus zwei schwarze Assen und Achten mit einer Dame als „Kicker“
hielt. Andere Quellen geben jedoch an, dass er zwei Buben und zwei Achten und gar keine
fünfte Karte hielt, da er während des Tauschens der Karte in Deadwood von hinten erschossen
wurde.
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„Etwas hoch und heilig versprechen / beteuern / schwören“
Bedeutung:
Etwas nachdrücklich versprechen. Etwas demonstrativ beteuern / schwören.

Herkunft: Ein „hoch“ und „heilig“ geleisteter Schwur ist an die weltliche („hoch“) und geistlich/göttliche Adresse („heilig“) gerichtet und stellt somit eine Verstärkung der Ernsthaftigkeit und Unverbrüchlichkeit des Versprechens / des Schwures dar.
Eine ähnliche Verstärkung, wie der „Schwur auf die Bibel“ – oder auf „das Leben seiner Mutter“ oder seines Kindes (welche man am meisten Liebt.

 
„Stein und Bein schwören“
Bedeutung:
Etwas mit dem Gestus der Aufrichtigkeit beschwören. Etwas mit großem Nachdruck schwören / geloben / versichern.

Herkunft: Die erst seit dem frühen 16. Jahrhundert bei Hans Sachs überlieferte Redensart ist vielfach auf alte Rechtsbräuche zurückgeführt worden. So soll der Stein, den man beim Schwur berührt, einem heidnischen heiligen Stein und später dem Altarstein entsprechen, Bein (Gebein) den Reliquien eines Heiligen. Letzteres ist seit dem 6. Jahrhundert im "Lex Alemannorum" und auch im "Parzival" (um 1200) belegt. Die Kombination von Stein und Bein beim Schwur hätte dann durch die Berücksichtigung heidnischer und christlicher Schwurbräuche eine verdoppelnde Intensivierung bedeutet.
Diese Deutung ist aber wegen des späten Erscheinens der Redensart und durch das Fehlen einer Präposition ("bei" oder "auf" Stein und Bein schwören, ähnlich wie in der Formel "beim Barte des Propheten") umstritten. Stein und Bein tauchen nämlich schon weit früher formelhaft verbunden auf, etwa in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bei dem schwäbischen Dichter Freidank: "Die Zunge hat kein Bein / und bricht doch Bein und Stein." Diese Wendung tadelt die böse und verräterische Zunge und geht auf ein lateinisches Vorbild zurück (osse caret lingua, secat os tarnen ipsa maligna). Stein und Bein stammen also wahrscheinlich nicht aus dem Bereich des Rechtswesens, sondern sind als Sinnbilder der Härte und Bruchfestigkeit allgemein zur Verstärkung einer Aussage oder eines sprachlichen Bildes genutzt worden.
 
„Beim Barte des Propheten!“
Bedeutung: Eine feierliche Beteuerung.

Herkunft: Der Bart gilt als Symbol der Männlichkeit und der männlichen Ehre. Im Mittelalter war deshalb die Schwurformel "bei meinem Barte" üblich. Alte heidnische Schwüre wurden durch die Berührung des Schwertes, des Stabs des Richters, von Erde, Bäumen oder Gras, von heiligen Quellen, Felsen oder eben von Haar und Bart bekräftigt. Die verstärkte Schwurformel "beim Barte des Propheten", die in christlichen Ländern als scherzhafte Bekräftigung Verwendung findet, ist mindestens seit dem 18. Jahrhundert geläufig. Wir finden sie schon in den Volksmärchen bei Musäus, bei Christoph Martin Wieland, Heinrich Heine und in vielen orientalischen Erzählungen. Nach Küpper bezieht sich der "Prophet" auf Moses. Der "Duden" dagegen meint, es handele sich "fraglos" um Mohammed. Es soll islamischer Brauch gewesen sein, beim Schwören den Bart zu berühren
 
„Bei allem, was mir heilig ist!“
Bedeutung:
Ich schwöre es.

Herkunft: Eigentlich: "Heilig" ist eine Eigenschaft göttlicher Personen, die durch ihre Herkunft oder ein besonderes heiliges Verhalten von gewöhnlichen Sterblichen unterschieden sind. Die Berufung auf die Heiligen ist seit der Christianisierung Teil vieler Schwurformeln geworden, die sich auch im alltäglichen Bereich als Beteuerungs- und Verstärkungsfloskeln wiederfinden.

Bei dieser Redewendung bedeutet es in der "Neuzeit" ebenfalls, daß man bei allem schwört, was einem wichtig ist. (Wie z.B. schwören beim Leben der Mutter oder des eigenen Kindes)
 
„Alles / bei allem, was Recht ist“
Bedeutung:
Rechtsfragen / juristische Fragen betreffend; das Recht betreffend.

Herkunft: Eine juristische Anspielung auf die Redewendung „Alles / bei allem, was recht ist“.
 
„Alles / bei allem, was recht ist“
Bedeutung:
Bei allem Verständnis.

Herkunft: Der Satz bedeutet im wörtlichen Sinn "alles / bei allem, was richtig / erwünscht / angemessen ist". In seiner Nebenbedeutung ist es ein Satz der Relativierung: Man sagt ihn, um die darauffolgende Kritik oder Ablehnung abzumildern. Sie wird auch floskelhaft zur Bekräftigung benutzt. In diesen Anwendungen findet sich die Variante "alles, was recht ist" seit dem 18. Jahrhundert.
 
„Recht haben, recht haben“
Bedeutung:
Das Richtige sagen, etwas sagen, was der Wahrheit entspricht. Einen Sachverhalt richtig einschätzen. Das Richtige tun.

Herkunft: Mit "recht" werden seit alter Zeit alle richtigen Sachverhalte und Personen bezeichnet. "Richtig" kann dabei viele Aspekte zum Inhalt haben: juristische Rechtmäßigkeit, Ehrenhaftigkeit und Brauchbarkeit (ein rechter Kerl), Geschicklichkeit ("jemandes rechte Hand sein") sowie den damit zusammenhängenden Unterschied von rechts und links (zur Rechts-links-Metaphorik siehe auch "jemanden / etwas links liegen lassen").

"Recht" wird geradezu zum Synonym für wahr, richtig und gut; dies drückt sich auch in Ableitungen wie berechtigt, gerecht, rechtfertigen usw. aus.

Das Substantiv "Recht" ist der Oberbegriff für die feste (natürliche, gottgegebene oder menschliche) Ordnung aller Dinge. Es bezeichnet im Sinne von Anrecht den begründeten Anspruch in juristischem oder sittlichem Sinn, aber auch die Verfügungsgewalt, Norm und Vorschrift. Dabei steht das Recht in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis zur Pflicht
 
„Nach dem Rechten sehen“
Bedeutung:
Schauen, ob alles in Ordnung ist. Sich nach der Befindlichkeit erkundigen. Etwas nachprüfen.

Herkunft: Das Wort "recht" im Sinne von "richtig, der Ordnung, dem Zweck und der Benennung entsprechend" ist aus germanisch "*rehta-" hervorgegangen und mit Begriffen wie Recht, rechts, gerecht, recken und rechnen verwandt.
 
„Zu allem Ja und Amen sagen; zu allem ja und amen sagen“
Bedeutung:
Allem kritiklos zustimmen. Alles zulassen, sich mit allem abfinden.

Herkunft: Als Ursprung der Redewendung kann ein Satz aus der Bibel, 2. Korinther, angesehen werden: "Denn alle Gottesverheißungen sind Ja in ihm und sind Amen in ihm, Gott zu Lobe durch uns". So schreibt Cundusius mit Bezug auf diese Bibelstelle: "Alle Gottes Verheissungen sind Ja und Amen in Christo Jesu / Gotte zu Lobe / durch uns". Die Redensart kann aber auch auf andere Bibelstellen bezogen werden (Mt 5,37, Offb 22,20, Offb 1,7, 5. Mose 27, 15-26).
"Amen", als Schlusswort von Gebet und Predigt gebraucht, stammt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie "wahrlich, so sei es, gewiss" - die Formel "ja und amen" kann somit als Verstärkung aufgefasst werden. Sie taucht in schriftlicher Form Anfang des 17. Jahrhunderts auf. 1612 schreibt Schellbach: "Der Glaube ist nicht nur ein blosser wahn / oder vermuttung: Sondern eine warhaffte wissenschafft / welcher wir auch in vnserm Gewissen beyfall geben / ja vnnd Amen dazu sagen". In einer Zeit, in der die Kirche viel mächtiger war als heute und der Glaube noch viel mit Gehorsam und Unterwerfung zu tun hatte, wurde die Formel also nicht im heutigen Sinne verstanden, sondern ausschließlich positiv: "Ja und Amen sein" bedeutete so viel wie "eine untrügliche Wahrheit sein". 1789 z. B. schreibt Ulrich Bräker: "... und da mein Vater und der Hans nicht daran zweifelten, schien mir alles vollends Ja und Amen zu seyn".
Im Sinne "zustimmen" taucht die Redensart in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf, so bei Goethe 1787: "Schreiben Sie mir doch auch bald Ihre Gedancken über den vierten Ackt daß ich dazu Ja und Amen sage".

Heute hat sie meist einen negativen Unterton: Der "Jasager", der zu allem "Ja und Amen sagt", verzichtet aus Bequemlichkeit oder Abhängigkeit auf Kritik und Widerspruch.

 
„So sicher wie das Amen in der Kirche“
Bedeutung:
Absolut sicher.

Herkunft: Das hebräische Wort "amen" bedeutet "wahrlich", "gewiss", "so geschehe es" und drückt die Zustimmung der versammelten Gemeinde zu Gebet und Segen aus
 
„Sein Amen zu etwas geben“
Bedeutung:
Seine Erlaubnis geben, zustimmen.

Herkunft: Genau, wie bei „So sicher, wie das Amen in der Kirche“ bedeutet das hebräische Wort „amen“ Zustimmung.