Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„Hau rein – is` Tango“
(Eigentlich müßte es „Hau rein – es ist Tango“ heißen)

Bedeutung: Beeil Dich, sieh zu, daß Du fertig wirst!

Herkunft: So richtig bekannt wird die Formulierung durch Udo Lindenberg: In den glücklosen Stürmer „Bodo Ballermann“ (1976) heißt es: "Hau rein is Tango, tu ihn rein is Cha Cha Cha"

Aber der Spruch kommt eigentlich vom „Barras“, von „Y-Tours“ – von der Bundeswehr. Wohl jeder, der im „Kalten Krieg“ gedient hat kennt den hinter der Formulierung stehenden Vorgang:

Wenn „Nato-Alarm“ (die „Mobilmachung“) ausgerufen wurde war das Code-Wort „Tango“ (im Buchstaben-Alphabet der Buchstabe „T“). Dieser „NATO-Alarm war natürlich bei den Soldaten der Bundeswehr nicht gerade beliebt.

Als Soldat wurde man mitten in der Nacht geweckt. Keiner wußte zur Zeit des „Kalten Krieges“, ob der NATO-Alarm nun der Kriegsfall – oder ob es „nur“ eine Übung war. Die Soldaten wurden aus dem Schlaf gerissen. Der Soldat hatte sich schnellstens im Dunkeln - ohne das Licht anzumachen - anzuziehen und den Inhalt vom Spind zu verpacken. Gefordert – für den zunächst angenommenen „Ernstfall“ - war natürlich der komplette Feldanzug – bereit für das Gefecht. Danach auf zur Waffenkammer, seine Waffe abholen und dann Antreten zum Befehlsempfang.
 
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„Y-Tours“
Bedeutung:
„Bundeswehr“

Herkunft: Zur Zeit der Wehrpflicht wurde man „eingezogen“. Bekannt der Spruch: „Wir (die Bundeswehr) „buchen“ – Sie fluchen!“ Da auf jedem Fahrzeug der Bundeswehr vor der Nummer auf dem Nummernschild ein „Y“ steht wurde von den eingezogenen Soldaten im „Militär-Jargon“ die Bundeswehr mit einem „Reiseunternehmen“ verglichen – eben „Y-Tours“

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Wissenswert:

1): Dieses „Y“ kam zustande, da zur Zeit der Gründung der Bundeswehr (12.11.1955) alle in Frage kommenden Buchstaben-Kombinationen (wie z.B. „BW“) bereits vergeben waren. So griff man auf den Buchstaben „Y“ auf.

2): Zur Debatte stand auch der Buchstabe „X“. Jedoch der Brigadegeneral Kurt Vogel entschied sich gegen dieses „X“. Mittlerweile wird von NATO-Fahrzeugen normalerweise ein „X“ verwendet.

3): Erwähnenswert ist auch, daß auf den Nummernschildern links von dem „Y“ die deutsche Flagge zu sehen ist. Im Gegensatz zu den zivilen Fahrzeugen, auf denen bekannter Weise die Europa-Flagge zu sehen ist.
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4): Im Gegensatz zu zivilen Fahrzeugen sind die Nummernschilder nicht reflektierend – um den feindlichen Streitkräften das Endecken zu erschweren.

5): Bundeswehr-Kennzeichen werden willkürlich vergeben. Das heißt, es steckt kein System dahinter, das erkennen lässt welcher Fahrzeugtyp oder welcher Truppenteil hinter dem Kennzeichen steht. Dadurch lässt sich für feindliche Aufklärungseinheiten und für Spione auch nicht durch das Nummernschild sofort erkennen, zu welchem Stützpunkt das Fahrzeug gehört.
 
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„NATO-Adler“
Bedeutung
: Brat-Hähnchen

Herkunft: Diese Verballhornung wird (bzw. wurde zumindest zu meiner Zeit bei der Bundeswehr) im Soldaten-Jargon verwendet, wenn in der Kantine auf dem Menü-Plan Brathähnchen steht.
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„Panzerplatten“
Bedeutung:
Hartkekse

Herkunft: Im Jargon wird der Hart-Keks, der lange halten soll – und so ziemlich hart ist – von den Soldaten mit „Panzer-Platten“ verglichen. (Heute steht der Begriff sogar auf der Verpackung drauf.)
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Die „Hartkekse“ sind Bestandteil der „EPa“ ("Einpersonenpackung" / „Combat Ration“ / früher bis 2021 "Einmannpackung") – das Verpflegungspaket der Bundeswehr für einen Tag. Gedacht als Verpflegung für den Kampfeinsatz, wenn die Verpflegung durch die Kantine bzw. durch die Feldküche nicht möglich ist.
 
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„NATO-Fasching“
(Auch “Maskenball“ genannt)
Bedeutung: Hier wird die Kompanie zum Antreten gerufen, sofort wieder auf die Stuben geschickt und noch als man zur Tür hereinkommt, wird das Antreten in einer anderen Uniform (z.B. Sportanzug, Kampfanzug, Dienstanzug) befohlen. Das ganze Spielchen wird wiederholt, bis sämtliche Uniformen durch sind. Meist als Schikane an die Rekruten gedacht durch das stressige Umziehen, im Prinzip ja aber total sinnlos.
 
„Schwer von Kapee sein“
Bedeutung:
Begriffsstutzig sein, nur langsam verstehen.

Herkunft: „Kapee“ führt zum lateinischen capere (begreifen), das auch dem Verb kapieren zugrunde liegt. Die Endung -ee ist „französisierend“. Die Wendung ist seit Ende des 19. Jahrhunderts nachweisbar. Der erste schriftliche Beleg stammt aus dem Roman "Misere" von Helene Keßler (1897 unter dem Pseudonym Hans von Kahlenberg erschienen): "Ich muß gestehen, ich war auch zuerst etwas verblüfft und schwer von Kapee"
 
„Nicht von gestern sein“
Bedeutung:
Aufgeweckt / modern / aufgeschlossen / flexibel / klug sein.

Herkunft: Die Redewendung geht auf die Bibel zurück.
In Hiob 8:9 heißt es: "Denn wir sind von gestern her und wissen nichts …"

 
„Mit von der Partie sein“
Bedeutung:
Dabei sein, anwesend sein, mitmachen, sich beteiligen.

Herkunft: Das Wort "Partie" wurde im 17. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt und ist mit "Partei", "Party" und "Part" verwandt. Zugrunde liegen diesen Begriffen die Bedeutungen "Teil, Abteilung, Abschnitt, Gruppe". Auch "Partie" kennt mehrere Bedeutungen, die sich aus der Grundbedeutung "Teil, Abschnitt" ergeben haben: eine Partie Schach, eine Gesichtspartie. Im Sport bedeutet es auch ein ganzes Spiel, wohl weil es ursprünglich als Teil eines Turniers gesehen wurde.

Die "Partie" in dieser Redensart leitet sich als Übertragung aus einer "Abteilung von Personen" (ähnlich wie in "Partei") ab, die eine Gruppe odedr Gesellschaft bildet, und ist auch in "Landpartie" oder "Jagdpartie" zu finden. Wer also „mit von der Partie" ist, tritt dieser Personengruppe bei.

Adelung drückte das so aus: "Auch ist Partie zuweilen noch ein Haufe mehrerer sich gemeinschaftlich erlustigender Personen". Hier klingt bereits der Ursprung von "Party" an, das allerdings erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts aus dem Amerikanisch-Englischen entlehnt wurde.

Die hier behandelte Redewendung ist seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nachweisbar.

 
„Die Radieschen von unten betrachten / ansehen / zählen / begucken / anschauen / angucken“
Bedeutung:
Tot / begraben sein.

Herkunft: Das vom lateinischen „radix“ (Wurzel) abgeleitete Wort "Radieschen" ist mitder Pflanze nach dem 16. Jahrhundert aus Nordfrankreich nach Deutschland gekommen, wo es noch lange als Fremdwort empfunden wurde. Die Redensart ist erst jüngeren Datums.

 
„Von der Muse geküsst sein / werden“
Bedeutung:
Kreativ sein, künstlerisch inspiriert sein / werden

Herkunft: In der griechischen Mythologie waren die Musen die Töchter des Zeus und der Mnemosyne. Nach Hesiod gab es neun Musen: Kalliope (die Muse der epischen Dichtung, teils auch der Poesie und der Rhetorik), Klio (Muse der Geschichtsschreibung), Euterpe (Muse der Tonkunst und des Gesangs), Melpomene (Muse der Tragödie), Terpsichore (Muse des Tanzes), Erato (Muse der Liebesdichtung), Polyhymnia (Muse des Kultgesangs), Urania (Muse der Astronomie) und Thalia (Muse der Komödie und der Schauspielkunst, Beschützerin des Theaters).

Die Musen sangen beim Göttermahl auf dem Olymp und gaben dem Dichter die Dichterweihe durch einen Wangenkuss. Die entsprechende Redensart, die seit dem 19. Jahrhundert geläufig ist, wird heute meist scherzhaft gebraucht, ebenso die Begriffe "Musensohn" (begnadeter Künstler) und "Musentempel" (Schauspielhaus / Opernhaus usw.)
 
„Von etwas / jemandem kuriert sein“
Bedeutung:
Durch Schaden vernünftiger geworden sein. Sich aufgrund schlechter Erfahrungen von einer Sache / jemanden abwenden.

Herkunft: Das Verb "kurieren" kommt eigentlich aus der Medizin und bedeutet "heilen, durch ärztliche Behandlung gesund werden". Im Sinne der hier behandelten bildlichen Bedeutung (seit dem 19. Jahrhundert) wird die Krankheit mit der Sache oder Person verglichen, von der man aufgrund schlechter Erfahrungen Abstand nimmt.

Ein Aphorismus von Wilhelm Schlichting greift die Doppelbedeutung von "kurieren" auf: "Es ist ein Unterschied, ob man von seinem Arzt kuriert wird, oder ob man von ihm kuriert ist".
 
„(Total / Völlig) Von der Rolle sein“
Bedeutung:
Fertig / erschöpft / kaputt / verwirrt sein.

Herkunft: Die Redensart leitet sich von einer speziellen Art des Radsports ab, dem sogenannten Steherrennen. Dabei fährt ein Motorrad vor dem Radrennfahrer und gibt ihm Windschatten. Der Abstand zwischen Motorrad und Rad wird durch eine Abstandsrolle gewahrt, wobei der Rennfahrer versucht, diesen möglichst gering zu halten. Wird der Abstand zu groß, so ist er "von der Rolle". So schreibt z. B. der "Spiegel" 1947: "Dem 'alten Hasen' fehlte die Puste, er geriet von der Rolle".

Eine andere Deutung ergibt sich aus der Rolle des Theaterschauspielers. Kann er die ihm zugedachte Rolle nicht spielen, so ist er "von der Rolle".
Die Redensart dürfte in den 1970er Jahren entstanden sein. Der erste Beleg in übertragener Verwendung findet sich 1981.
 
„Von der Stange sein“
Bedeutung:
Bei Kleidung: nicht maßgeschneidert sein; Konfektionsware; im erweiterten Sinne: serienmäßig hergestellte Massenware.

Herkunft: Diese Redensart leitet sich ab von den Stangen, an denen in großen Geschäften die Massenware hängt. Sie steht in Gegensatz zu Produkten, die nach Maß angefertigt und sehr teuer sind. Ähnlich wie die Redensart "Null-acht-fünfzehn" bezeichnet die Wendung "von der Stange" abwertend alles Vorgefertigte und Durchschnittliche, das keine individuellen Züge trägt, und sie kann in diesem Sinne auf alles Mögliche übertragen werden, auf Reisen, Bildung, Auto, Eheglück usw.

Siehe auch:
„08/15“:
(Das „Blaue“ im Link anklicken – und man kann den richtigen Beitrag nachlesen)
 
„Nicht von Pappe sein“
Bedeutung:
Schwierig / beachtlich / solide / kräftig sein. Nicht zu unterschätzen sein.

Herkunft: Das vom kindlichen Lallwort "papp" abgeleitete Papp / Pampe (Brei) hat zu einer Reihe von Benennungen für breiartige Stoffe und dem, was man damit verfertigt, geführt. Da die Pappe früher im Handbetrieb durch das Zusammenkleistern von Papier verfertigt wurde, erhielt sie einen von "Pap" abgeleiteten Namen (Pappendeckel). Daher heißt es auch: pappen bleiben (kleben bleiben). Die Redensart "nicht von Pappe sein" wird volksetymologisch meist gedeutet als: nicht so baufällig sein, als sei es aus Pappe gebaut.

Ursprünglich bezog es sich jedoch auf Kinder, die nicht nur von Pappe (Kinderbrei) ernährt wurden und daher kräftiger als andere waren.

 
„Ratzfatz“
Bedeutung:
Sehr schnell.

Herkunft: Umgangssprachliche Begriffe mit "ratz" sind relativ häufig, die nach Honnen zwei Ursprünge haben, die wohl nicht miteinander in Verbindung stehen: Einmal die mundartliche Form "Ratz(e)" für Ratte ("ratzen", "ratzekahl") und zum anderen "ratzen" als rheinische Variante der Bedeutung "kratzen, ritzen" ("Ratzefummel").

In Bezug auf "ratzfatz" ist hier allerdings eine Zuordnung schwierig - nur bei "ratzekahl" läßt sich eine gedankliche Verknüpfung mit hoher Geschwindigkeit herstellen. Der Wortteil "fatz" könnte mit "fetzen" in Verbindung stehen. Vermutlich handelt es sich um eine Spontanbildung, die auch dem Doppelreim geschuldet ist.
Das Wort ist relativ neu und lässt sich erst seit 1990 nachweisen.
 
„Ratzekahl“
Bedeutung:
Vollkommen, völlig (kahl). Gänzlich / restlos leer.

Herkunft: Das Präfix "ratze-" kann auf die Ratte (Ratz) bezogen werden und wird hier als Steigerung gebraucht. "Ratzekahl" ist eine volkstümliche Umdeutung mit dem lautähnlichen "radikal" und meint "so, dass nichts mehr übrig bleibt". Das Wort kann auch mit der Vorstellung "kahl wie ein Rattenschwanz" verknüpft werden.



Der Ausdruck ist seit dem 18. Jahrhundert belegt - es gab auch Varianten wie "rattenkahl, rattekahl, ratzenkahl". Den ersten Beleg finden wir bei Speelmann: "Wie nun aber binnen Monats-Frist das Nerxische Gebiethe recht Rattenkahl ausgeplündert worden.
 
„Ratzen“
Bedeutung:
Schlafen.

Herkunft: Dieser Ausdruck ist um 1870 entstanden und aus der Redensart "schlafen wie ein Ratz" (heute nicht mehr gebräuchlich) hervorgegangen. Diese ist schon sehr alt und bereits in Fischarts grobianischem Werk "Geschichtklitterung" (1570) zu finden: "O wie erkaltet Meuler sind Westfeling Meuler, welche die Bonen essen, und sie mit Peper unnd Magsamen bestreien, darumb haben sie allzeit das hinderthürlin offen, und ein erfrorenen Eyerstock, und schlaffen wie die Ratzen".

"Ratz" steht nicht nur mundartlich für "Ratte", sondern auch für andere Tiere - hier bezieht es sich auf den Siebenschläfer. Das Tier hält einen langen Winterschlaf.

Andere Bedeutungen von "ratzen" in Umgangssprache und Mundart (kratzen, rasseln, necken, eilen u. a.) spielen heute keine Rolle mehr.