Wissen, das man im Leben bestimmt nie braucht.

„Saft- und kraftlos“ / „Ohne Saft und Kraft“
Bedeutung:
Jemand ist ohne rechten „Schwung“ - ohne Kraft / Energie.

Herkunft: Die Redensarten mit "Saft" beziehen sich häufig auf die uralte "Säftelehre", welche die Entstehung von Krankheiten vorrangig auf eine fehlende Mischung der Körpersäfte zurückführt. Begründer und Hauptvertreter dieser "Humoralpathologie" (von lat. (h)umor = Saft, Flüssigkeit) waren Empedokles, Hippokrates und Galen. Dabei wurden vier Körpersäfte in Parallele zu den vier Elementen gesetzt, denen sie in den Elementareigenschaften entsprachen: Das Blut (warm und feucht) entsprach der Luft, die gelbe Galle (warm und trocken) dem Feuer, die schwarze Galle (kalt und trocken) der Erde und der Schleim (kalt und feucht) dem Wasser.
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Den vier Kardinalsäften entsprachen die vier Temperamente (lat. temperare - mischen, mäßigen): Je nach der Dominanz eines der Säfte ist der Mensch demnach ein Sanguiniker (lateinisch sanguis = Blut), ein Phlegmatiker (griech. phlegma = Schleim), ein Melancholiker (griech. melancholos = schwarze Galle) oder ein Choleriker (chole = gelbe Galle). Neben der falschen Mischung der Körpersäfte konnten auch deren "Brand" (Fieber) oder Zersetzung zu pathologischen Zuständen führen. Geheilt wurden sie durch Gegenmaßnahmen wie Aderlass, Blutreinigung und Diät. Patienten, die an einer warmen und trockenen Krankheit litten, bekamen kühlende Nahrung (Lattich, Kresse u.ä.) usw.
Diese Anwendung des Analogieprinzips (Saft = Kraft) entspricht der charakterlichen Typenlehre auf der Grundlage der Physiognomik (siehe auch "jemandes Nase gefällt / passt einem nicht"). Physiognomik und Säftelehre stellten auch ein reichhaltiges Repertoire an Charakterisierungsmöglichkeiten für literarische Gestalten bereit (Beispiel:"ein Ritter von der traurigen Gestalt").

Von redensartlicher Relevanz sind beide stets dann, wenn aus äußerlichen Eigenschaften auf charakterliche Werte geschlossen wird oder seelische Qualitäten und Gefühle mit Farben (siehe auch "grün / gelb / grün und gelb vor Neid werden") assoziiert werden
 
„Im eigenen Saft schmoren“
Bedeutung:
In einer (selbst verschuldeten) Situation bleiben; keinen Kontakt zu anderen Menschen haben.

Herkunft: umgangssprachlich; Die Redensart verwendet ein Bild aus dem Bereich des Kochens und Bratens, um die missliche Lage des isolierten und eigenbrötlerischen Menschen zu charakterisieren
 
„Voll im Saft stehen“
Bedeutung:
fit, schwungvoll und voller Lebenskraft sein.

Herkunft: Wahrscheinlich stammt diese Wortschöpfung aus der Welt der Pflanzen. Denn sie stehen in der Wachstumsperiode "im Saft" – ganz im Gegensatz zur Frostperiode im Winter, wenn der Wassergehalt in den Überwinterungsorganen herabgesetzt ist, um eine Eisbildung in den Zellen zu verhindern.
 
„Der springende Punkt“
Bedeutung:
Die Sache, auf die es ankommt. Das wichtigste Kriterium, der Kern der Sache, der entscheidende Faktor.

Herkunft: Aristoteles war nicht nur ein Philosoph, sondern auch ein Naturforscher. In seiner "Historia animalium" beschreibt er anlässlich der Entstehung des Lebens im Ei einen Blutfleck im Eiweiß, der die Keimzelle des Herzens des werdenden Vogels sei. Dieser Punkt springe schon im Eistadium "wie ein Lebewesen" hin und her. In lateinischen Übersetzungen wurde aus dieser Stelle "quod punctum salit iam et movetur ut animal" (der Punkt, der schon springt und sich bewegt wie ein Lebewesen), so daß der Ausdruck "punctum saliens" in der Gelehrtensprache des Humanismus dafür üblich wurde, das wesentliche Merkmal einer Sache zu bezeichnen. Analog dazu haben sich viele Wendungen ausgebildet, die mit dem näher charakterisierten Punkt das Wesen oder einen bestimmten Abschnitt einer Entwicklung, eines Charakters, eines Sachverhalts bezeichnen
 
„Ein neuralgischer Punkt“
Bedeutung:
Ein Bereich, in dem Schwierigkeiten auftreten können. Eine empfindliche / schwierige Stelle; ein Schwachpunkt.

Herkunft: Die Wortschöpfung kommt aus der Medizin und meint ursprünglich die Stelle des menschlichen Körpers, an dem sich Nervenschmerzen bemerkbar machen. Neuralgie (= Nervenschmerzen, 19. Jahrhundert) setzt sich zusammen aus den griechischen Begriffen "neuron" (Nerv) und "algos" (Schmerz). Der Begriff wird seit dem 20. Jahrhundert in redensartlicher Bedeutung gebraucht.
 
„Am toten Punkt (angelangt / angekommen) sein“
Bedeutung:
Nicht weiter vorankommen, nicht mehr vorwärtskommen, keine Fortschritte machen.

Herkunft: Allgemein bezeichnet der "tote Punkt" eine Situation, in der Stagnation herrscht und kein Vorankommen mehr möglich ist.
Der Begriff stammt aus der Maschinentechnik, wenn geradlinige Hin- und Herbewegungen in kreisförmige umgewandelt werden (oder umgekehrt). Wenn die Schubstange am äußersten Punkt einer Kurbel angelangt ist, dann ist keine Bewegung mehr möglich. Man vermeidet dieses in der Regel durch ein Schwungrad, das den toten Punkt überwindet, oder durch einen zweiten Antrieb, der so angeordnet ist, dass wenn der eine gerade im toten Punkt liegt, der zweite auf der Mitte des Hubes steht.
Der Ausdruck wird seit Ende des 19. Jahrhunderts im übertragenen Sinn verwendet
 
„Ohne Punkt und Komma sprechen“
Bedeutung:
Ohne Pause zwischen den Wörtern sprechen, schnell reden.

Herkunft: Diese Wendung bezieht sich auf die interpunktierenden (gliedernden) Satzzeichen Punkt und Komma, die in gesprochener Sprache naturgemäß fehlen, hier aber scherzhaft eingeklagt werden, weil derr geschwätzigen Rede sowohl Gliederung als auch ein Ende fehlen.

Das Selbe kennt man auch aus den Foren, wenn der User seinen Text ohne Satzzeichen schreibt. Wenn der User den gesamten Text ohne Großschreibung runter tippt. Genau, wie man beim Schnellsprechen oft Schwierigkeiten hat, dem Gegenüber zu folgen ist es auch im Internet. Ohne Satzzeichen, ohne Großschreibung ist es ziemlich schwer, den Sinn des Beitrags zu folgen. Es ist ermüdend und anstrengend, solche Texte lesen zu müssen.
 
„Etwas auf den Punkt bringen“
Bedeutung:
Etwas zusammenfassen, treffend formulieren.

Herkunft: Der „PunkT“ besitzt hier die Bedeutung "das eigentliche Thema, der wesentliche Kern", der z. B. auch in der Redewendung "Der Punkt ist doch ..." ("das Problem / Wichtigste / Wesentliche ist doch ...") Verwendung findet.
 
„Das Pünktchen / der Punkt auf dem i“
Bedeutung:
Eine Ergänzung, die eine Sache erst perfekt macht.

Herkunft: Beim handschriftlichen Schreiben werden oft ganze Buchstaben unleserlich bzw. stark verkürzt. Oft fehlen auch bestimmte Teile, wie etwa der Punkt auf dem „i“. Es spricht also für hohe Sorgfalt und Perfektion, wenn er realisiert ist
 
„Etwas auf die lange Bank schieben“
Bedeutung:
Eine (unangenehme) Aufgabe unnötig aufschieben. Eine Sache verzögern, etwas Wichtiges hinausschieben

Herkunft: Die Redensart wurzelt im alten Rechtswesen und verweist in die Zeit nach der Einführung des römischen Rechts. Die alte deutsche Gerichtsbarkeit kannte kein Aktenwesen, das sich redensartlich niedergeschlagen hätte. Seit dem 15. Jahrhundert jedoch begegnen wir der Wendung "etwas auf die lange Truhe legen", die auf eine schwerfällige Gerichtspraxis mit differenzierter Aktenbehandlung verweist. Die Truhe war der Vorläufer der heutigen Aktenschränke und konnte natürlich im gleichen Maß wie diese zum Aktenfriedhof werden. Insbesondere Prozesse vor dem Reichskammergericht hatten eine geradezu sprichwörtliche Länge, die mehrere Jahrzehnte umfassen konnte. Im Jahr 1499 mahnte Bischof Johann III. an diesem Gericht an, dass er befürchte, dass seine Sache "alsdann gantz uff die lange Bahn gesetzet würde". Offenbar trat im Sprachgebrauch später eine Vermischung von Bahn (Weg durch die Instanzen) und Bank ein, weil man sich die Richter- und Schöffenbänke besser bildlich vorstellen konnte. Seit dem 17. Jahrhundert schließlich hat die Redensart sich in ihrer heutigen Form endgültig gegenüber den älteren Varianten durchgesetzt
 
„Durch die Bank“
Bedeutung:
Ohne Ausnahme, durchweg

Herkunft: Diese Redewendung bezieht sich auf eine alte Tischsitte aus dem Mittelalter: Bei den Mahlzeiten wurden alle nacheinander bedient, d. h. alle bekamen ihr Essen in der Reihenfolge, in der sie auf der Bank saßen - ohne irgendeine Bevorzugung. Rang oder Namen spielten dabei keine Rolle - alle waren gleich.
 
„Eine lange Leitung haben“
Bedeutung:
Viel Zeit brauchen, um etwas zu verstehen. Begriffsstutzig, langsam, „schwer von Begriff“ sein.

Herkunft: Diese etwa 1900 entstandene Redensart ist wohl von der elektrischen Leitung hergenommen.
Eine andere Deutung bezieht sich auf das Telefonieren und der Vorstellung, daß Informationen bei längerer Leitung langsamer den Empfänger erreichen.
 
„Bankrott“
Bedeutung:
Unter Bankrott versteht man die Insolvenz und insbesondere die Zahlungsunfähigkeit eines Schuldners (umgangssprachliche auch Konkurs oder Pleite).

Herkunft: Nun, zunächst: Das Wort Bank kommt aus dem Mittelalter. Unsere heutigen Geldinstitute sind in Häusern mit Safes, Kundenschaltern, Büros … Das war früher anders. Die Geldwechsler und Geldverleiher hatten wortwörtlich ihr „Geschäft“ in einer Räumlichkeit lediglich auf einer Holzbank.
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Das Wort „Bankrott“ (ital. banca rotta, „zerschlagener Tisch“) kommt daher, daß dem zahlungsunfähigen „Bankbetreiber“ im wahrsten Sinne des Wortes seine Bank öffentlich zerschlagen wurde.
 
„Jemandem eine (lange) Nase drehen / Jemandem eine (lange) Nase machen“
Bedeutung:
Schadenfroh sein, jemanden auslachen, verspotten, jemandem eins auswischen

Herkunft: Die lange (aus Wachs gedrehte) Nase ist nach Sebastian Brants "Narrenschiff" ein Attribut des Narren. Die damit verbundene Spottgebärde ist seit dem Fastnachtsbild Pieter Breughels (1560) belegbar, also relativ jungen Datums. Erst seit dem 18. Jahrhundert ist die Gebärde als Verspottung des militärischen Grußes häufiger nachweisbar. Heute wird sie nur noch von Kindern gebraucht: Zum Zeichen des Spottes wird die Nase mit gespreizten Fingern verlängert.
 
„Was lange währt, wird (endlich) gut“
Bedeutung:
Alles braucht seine Zeit; Geduld wird belohnt. Wenn etwas lange dauert, führt es zu einem positiven Ergebnis. Irgendwann tritt ein lang erwartetes Ereignis doch noch ein.

Herkunft: Das mit "während" und "währenddessen" verwandte Verb "währen" (dauern) war früher häufiger in Gebrauch als heute.
Das Sprichwort war zunächst ohne das Wort "endlich" üblich. Es ist bereits im Jahr 1708 schriftlich belegt, so äußert sich Christian Scriver im Vorwort vom "Seelen-Schatz" über das Erscheinen seines Werkes: "Es hat etwas lange gewähret, wegen mancherley Hindernissen, welche entweder der Herr selbst, nach seinem heiligen Rath und Willen, oder mein schweres und mühseliges Amt, oder auff des höchsten Verhängnis, Teufel und Welt gemacht haben; Gott aber gebe, daß hie auch wahr werde das Sprüch-Wort: Was lange währet, wird gut"
 
„Was lange gärt, wird endlich Wut!“
Bedeutung:
Lange angestaute Frustration entlädt sich irgendwann in Wutausbrüchen.

Herkunft: Diese Redewendung ist die Verballhornung des bekannten Sprichwortes "Was lange währt, wird endlich gut". Die Redewendung stammt von Hanns-Hermann Kersten.
 
„Es nicht mehr lange machen“
Bedeutung:
Bald sterben, bald kaputtgehen, bald kündigen / gekündigt werden.

Herkunft: Unangenehme Themen wie Tod und Sterben werden oft tabuisiert. Es liegt hier eine typische Verhüllung vor, in der der eigentliche Sachverhalt nicht genannt wird. Die Verallgemeinerung zu "es machen" für "leben, dabei sein, funktionieren" kann allerdings auch der rationalen Verkürzung geschuldet sein.
Wir finden den Ausdruck in der Bedeutung "nicht mehr lange leben" bereits im Jahr 1572 in einer historischen Beschreibung der letzten Worte von König Rudolf von Rheinfelden (1080): "Aber nu fahre ich aus dieser Welt dahin (...) ich werde es hie nicht lange machen"
 
„Lange Rede, kurzer Sinn / Der langen Rede kurzer Sinn“
Bedeutung:
Um es kurz zu machen, um es zusammenzufassen, Kurzum.

Herkunft: Die Wendung kündigt nach einer längeren Ausführung die Zusammenfassung oder Schlussfolgerung des bisher Gesagten an. Sie stammt aus Schillers "Wallenstein" aus dem Jahr 1799. Auf Buttlers lange Rede hin fragt Questenberg: "Was ist der langen Rede kurzer Sinn?" Als rhetorisches Mittel wird hier der Kontrast lang-kurz genutzt.
 
„Die Pfanne heiß haben“
Bedeutung:
Nicht recht bei Verstand, leicht verrückt sein. Etwas Unverständliches tun, spinnen.

Herkunft: Die abwertende Redewendung kommt aus der Jugendsprache - möglicherweise in West-Berlin. Entstanden ist die Wortschöpfung Anfang der 1980er Jahre.

Die Herkunft ist wahrscheinlich der Spruch „Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt“.


Der Beitrag:
„Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt“:
(Das „Blaue“ im Link anklicken – und man kann den richtigen Beitrag nachlesen)