News CSU fordert Kopftuch-Verbot für Lehrerinnen

Kelle schrieb:
Ich zitier mal aus wiki...

"Homosexuelle LehrerInnen und JugendleiterInnen werden wegen unterstellter Beeinflussung der Kinder in einigen Fällen mit erheblichem Druck abgelehnt."
Hmm, traurig, aber nicht meine Meinung.

Kelle schrieb:
Wir leben angeblich in einem freien demokratischen Land.
Warum darf man dann als Person nicht offen zu seinen Einstellungen stehen?
Weil wir keine absolute Meinungsfreiheit haben. Auch keine absolute Religionsfreiheit. So ist das nunmal. Vielleicht kommst Du in 300 Jahren nochmal wieder, dann gibt es sowas vielleicht.

Kelle schrieb:
Faktisch kommen solche Ablehnungen immer von oben, nie von unten, sprich in dem Falle nicht von den Schülern die sich konkret beeinflusst/benachteiligt fühlen, sondern von irgendwelchen Sesselfurzen, die meinen, das könnte ja evtl. Einfluss nehmen, was aber nicht zu beweisen ist.
So, dann frag' mal einen 10-jährigen, ob er ein Stück Schokolade haben will und ob er dafür mit Dir hinter den Busch geht. Danach fragst Du einen 20-jährigen nochmal und dann nochmal einen 30-jährigen. Du wirst erstaunt sein, wie sich das Urteils- und Meinungsbildungsvermögen in den Jahren verändern kann...

Kelle schrieb:
Religionsfreiheit bedeutet für mich nicht nur, dass man seine Religion frei wählen darf, sondern auch, dass man frei und offen dazu stehen darf.
Das darf ja auch jeder. Nur eben nicht während der Arbeitszeit. Und wem das nicht passt, der kann gerne kündigen und fortan den ganzen Tag sich kleiden und machen und tun, was er will. Ein Hotelmitarbeiter an der Rezeption steht dort auch eher selten in Jogginghosen oder Bermudashorts, obwohl es ihn an heißen Tagen sicher lieber wäre. Aber laut Deiner Defintion könnte er sich ja dann zum Priester der Bermudashorts weihen lassen und fortan auf seine Religionsfreiheit pochen? Hmmm...

Gruß,
Photon
 
Photon schrieb:
Meiner Ansicht nach trennen (oder sollten) wir Religion vom Staat, damit überhaupt erst eine Religionsfreiheit möglich ist.
Ähm, Religionsfreiheit bedeutet weniger, daß man seine Religion frei wählen kann, sondern das man sie frei ausleben kann. Ansonsten dürfte es doch egal sein, ob Eltern ihren Kindern ihre Religion aufzwingen oder ein Lehrer - frei Wahl ist da nicht unbedingt gegeben.
 
bennsenson schrieb:
Wer im friedlichen Dialog über sein eigenes Kopftuch diskutiert, und dabei merkt, dass einem niemand den Glauben streitig machen will, aber trotzdem darauf aufmerksam gemacht wird, dass in unserem Land das Tragen dieses Kopftuches auch anders interpretiert wird und es keine gesellschaftliche Pflicht sein darf, es zu tragen: DANN kommt vielleicht auch bei unterdrückten Frauen ein Denkprozess in Gang, der in dieser friedlichen Atmosphäre den Weg aus dieser Unterdrückung heraus ermöglicht. Eine ablehnende Stigmatisierung und eine Verbannung/Tabuisierung fördert nur Unverständnis, Ablehnung und das führt zu Isolation, und die führt zu jarnüscht!
Ich kann die Argumentation zwar verstehen, aber zunächst einmal ist sie doch sehr hypothetisch... Ich persönlich vertrete eher die Ansicht, dass es umso schwerer ist sich von einem religiösen Symbol zu "befreien" umso mehr es von der Gesellschaft akzeptiert wird... Demzufolge denke ich, dass es gerade gebildeteren moslemischen Frauen durch ein Kopftuchverbot leichter fällt, sich gegenüber patriachalen Strukturen zur Wehr zu setzen, wenn sie das Gesetz auf ihrer Seite wissen... Dies wäre ein möglicher erster Schritt der Familie verständlich zu machen, dass sie das Kopftuch dann auch privat ablegen wollen...
bennsenson schrieb:
Durch ein Kopftuchverbot würde dem Kopftuch jegliche Chance geraubt, durch liberale und an westlich-freiheitlichen Werten orientierte Musliminnen (andere werden wohl nur schwerlich Studium und Refrendariat durchlaufen) ein differenziertes Image zu bekommen, was eigentlich allen helfen kann.
Dies sehe ich nicht so... Erstens wird man primär von den Eltern geprägt und insofern hat die Bildung nur sekundären Einfluss auf die Glaubensvorstellungen eines Menschens... Die staatlichen Institutionen sollten aber durch die Gesetzgebung jedwege mögliche Unterdrückung versuchen zu vermeiden und auch so die Gesetze anpassen... Das ist aber kein Stigma einer bestimmten Religion... Die Zwölf Stamme, die sich selber als urkirchliches Modell verstehen, pochen beispielsweise auf die Heimerziehung und stehen daher stets mit dem Gesetz im Konflikt... Auch hier greift die staatliche gesetzliche Fürsorge, die Kinder vor eventuellen Benachteiligungen schützt...
Außerdem muss man erwähnen, dass auch sehr Gebildete nicht zwangsläufig liberal oder westlich orientiert sein müssen... Insofern ist der Umkehrschluss "Studium ist gleich positiveres Bild einer Einzelperson, die das Erscheinungsbild einer Religionsgemeinschaft verbessert" nicht richtig!
bennsenson schrieb:
Eine Schule ganz ohne religiöse Symbole ist für mich eine gleichwertige vielleicht sogar bessere Lösung.
Ich könnte mir vorstellen, dass jede Schule selbst wählt, wie etwas gehandhabt werden soll... Ich kann von meiner Schule berichten: Die Schüler wurden von den Lehrern gefragt, ob vor Stundenbeginn ein Gebet gesprochen werden soll oder nicht (Ergebnis: Fast jeder wollte es)... Genauso könnte man es mit Glaubenssymbolen machen (davon ausgenommen das Kruzefix, das meiner Meinung nach obligatorisch in Klassenzimmern bleiben soll (in Bayern ist das so))...
Kelle schrieb:
Ist etwas nicht normal, wird es mit dem Pseudoargument der möglichen (negativen) Beeinflussung abgelehnt.
Faktisch kommen solche Ablehnungen immer von oben, nie von unten, sprich in dem Falle nicht von den Schülern die sich konkret beeinflusst/benachteiligt fühlen, sondern von irgendwelchen Sesselfurzen, die meinen, das könnte ja evtl. Einfluss nehmen, was aber nicht zu beweisen ist.
Aber gegenteiliges ist auch nicht zu beweisen... Insofern ist es wohl nicht angebracht gegenteilige Meinungen als "Pseudoargument" zu diffamieren... Ich würde so etwas eher Weltanschauung betiteln... Wenn "Nicht-Normale" unterrichten wollen, sollen sie sich wenigstens im Unterricht "normal" verhalten (Ich verstehe darunter, dass ich von keinem Lehrer mitbekommen will, ob er schwul oder was auch immer ist... Das geht niemanden etwas an... Nur sobald jemand im Lederoutfit und CSD-Look unterrichten wollte, wäre bei mir das Verständnis gleich null) ...
[Hier in diesem Thread geht es eher um die Thematik "Schwul... Ist das normal?"]
Kelle schrieb:
Religionsfreiheit bedeutet für mich nicht nur, dass man seine Religion frei wählen darf, sondern auch, dass man frei und offen dazu stehen darf.
gruss kelle!
Dafür bin ich auch... Nur sollten manche Lokalitäten davon ausgenommen werden...
Photon schrieb:
Vielleicht eine Ausnahme sollte es geben: Ein Religionslehrer. Dessen Aufgabe ist es ja, seine Religion den Schülern näher zu bringen.
Im Religionsunterricht wird viel mehr unterrichtet als nur die eigene Religion... Kant, Marx, Feuerbach, Nietzsche, Deontologie,... Meiner Meinung nach ist Religion eines der wichtigsten Fächer überhaupt um im moderen Leben diskutieren zu können und darüberhinaus verschiedenste Weltsichten zu erfahren... Demzufolge ist eine solche Aussage, die Religionslehrer als Progapandavertreter ihrer Religion darstellt, vollkommen falsch...
Photon schrieb:
Und achja - das "tolle" Argument, eine Schuluniform würde jemanden in seiner Freiheit beschneiden: Vielleicht sollten die betreffenden Personen erstmal arbeiten gehen. Dann werden sie ganz schnell feststellen, dass in den allermeisten Berufen irgendeine Form von Kleiderordnung existiert. Wenn die sich erfolgreich mit ihrem Chef angelegt und ihr "Recht auf freie Wahl der Kleidung" durchgedrückt haben, können sie gerne weiterdiskutieren. Bis dahin - naja, erstmal groß werden...
Erstmal: Glückwunsch zu deiner hervorragenden Diskussionskultur... :roll:
Schon der Vergleich zwischen Chef/Mitarbeiter und dem Staat/Individuum ist abstrus... Der mündige Bürger hat sich nicht einem autoritären Staat zu verpflichten, der einem bei Widerspruch die Staatsbürgerschaft kündigt... Man ist eher dazu verpflichtet für seine Meinung einzutreten und sich an der Demokratie zu beteiligen... Reine "Befehle befolgen macht Spaß"-Ideolgie führt in den Abgrund! Es ist nunmal so: Uniformen stellen die Funktion eines Menschen in den Vordergrund. Das individuelle Streben eines Menschen nach eigenständiger Ausführung des Lebens wird dadurch unterdrückt.
Außerdem sollte die Schule ein Spiegel der Gesellschaft sein: Im "echten" Leben sind der Arbeitslose und der Millionär auch nicht gleich gekleidet... Insofern zögert eine solche Schuluniform die Realitäten nur bis zu einem gewissen Grad hinaus und fördert somit eine wirklichkeitsferne Schule, die die Abschlussschüler noch unreifer und unvorbereiter auf das Leben entlässt als es jetzt schon der Fall ist...
 
Photon schrieb:
Weil wir keine absolute Meinungsfreiheit haben. Auch keine absolute Religionsfreiheit. So ist das nunmal.

Klar, die meine Freiheit hat da Ihre Grenzen, wo Sie Dich bzw. Deine Freiheit verletzen würde.
Mit der Aussage "Ich bin Christ.", ob direkt durch die Aussage, tragen eines Kreuzes, tragen von T_Shirts von katholischen Verbänden... werde ich sicherlich keinen normalen Menschen persönlich oder in seiner Freihet verletzen. Das finge erst an, wenn ich meinen Gegenüber aktiv meinen Glauben aufdrängen wollte, oder Ihn aufgrund seiner Religion anders behandeln würde.

Und in meinen Augen macht eine Muslimin mit Kopftuch nichts anderes.
Sie zeigt damit, dass sie an Allah glaubt.

Photon schrieb:
Du wirst erstaunt sein, wie sich das Urteils- und Meinungsbildungsvermögen in den Jahren verändern kann...

Erstaunen tut mich das nicht, weil weiß ich *g*
Nur finde ich diese Suggestivbehauptung der Beeinflussung daneben.
Selbst wenn sie beweisbar wäre, müsste noch bewiesen werden, dass sie negativ ist.
Kommt ein Schüler durch so eine lehrerin in Kontakt mit dem Islam, tritt dem Islam später bei, ist das zweifelsohne eine Beeinflussung. Aber ist das negativ?

Photon schrieb:
Das darf ja auch jeder. Nur eben nicht während der Arbeitszeit.

Finde ich persönlich daneben.
Solange das Glaubensbekenntnis keinen Einfluss auf das Arbeitsergebnis, spricht nichts dagegen. Weil nur weil ich mit nem Kolping-Shirt auf Arbeit komme, arbeite ich ja nicht anders...

Photon schrieb:
Ein Hotelmitarbeiter an der Rezeption steht dort auch eher selten in Jogginghosen oder Bermudashorts, obwohl es ihn an heißen Tagen sicher lieber wäre.

Für gewisse Berufsgruppen gelten halt Kleiderordnungen, die auf nachvollziehbaren Gründen, mitunter aus Sicherheitsgründen, Hygienegründe beruhen.

In dem Fall sollten die Hotelmitarbeiter ordentlich gekleidet rumlaufen, weil sie mit ordentlich gekleideten Kunden zu tun haben, und um als Hotelmitarbeiter erkennbar zu sein, deshalb die Uniformierung.

Photon schrieb:
Aber laut Deiner Defintion könnte er sich ja dann zum Priester der Bermudashorts weihen lassen und fortan auf seine Religionsfreiheit pochen?

Wenn es nachvollziehbare Gründe für oder gegen Kleidungsstücke (Dienstkleidung) gibt, brauch ich da nicht zu diskutieren.
Im Kopftuch-Fall gibt es aber keine nachvollziehbaren, praktischen Gründe, die dagegen sprechen.
Eher gibt es welche dafür, nämlich offener Umgang mit Religionen, reeleres Bild der Gesellschaft und des Lebens...

gruss kelle!
 
phip schrieb:
[...] Im Religionsunterricht wird viel mehr unterrichtet als nur die eigene Religion... Kant, Marx, Feuerbach, Nietzsche, Deontologie,... Meiner Meinung nach ist Religion eines der wichtigsten Fächer überhaupt um im moderen Leben diskutieren zu können und darüberhinaus verschiedenste Weltsichten zu erfahren... Demzufolge ist eine solche Aussage, die Religionslehrer als Progapandavertreter ihrer Religion darstellt, vollkommen falsch...
Das kann gut sein. Ich habe ja auch nie behauptet, dass ein Deutschlehrer nur deutsch kann und ein Biologielehrer keine Ahnung von Geschichte hat. Trotzdem hat jeder sein Fachgebiet, der Religionslehrer nunmal Religion. Das nehme ich jedenfalls an, ich hatte nie in der Schule Religion. Aber wenn ich mir einen Religionslehrer vorstelle, der den Kindern/Jugendlichen das Christentum näherbringen soll, erwarte ich da keinen buddhistischen Mönch. Und diesem Lehrer würde ich natürlich auch das Kreuz erlauben, schließlich ist das ein religöses Symbol für einen religösen Unterricht.

phip schrieb:
[...] Schon der Vergleich zwischen Chef/Mitarbeiter und dem Staat/Individuum ist abstrus... Der mündige Bürger hat sich nicht einem autoritären Staat zu verpflichten, der einem bei Widerspruch die Staatsbürgerschaft kündigt...
"Mündige Bürger", "autoritärer Staat", "Befehle-befolgen-macht-Spaß-Ideologie" - nun bleib' aber mal auf dem Teppich. Der Staat ist nunmal nicht nur Staat, sondern für einige auch ein Arbeitgeber. Und um diese Leute geht es. Nicht um freiheitliche Grundprinzipien, gegen totalitäre Unterdrückung oder sonstein Zeug.

Und niemand redet davon, dass man Kopftücher, Kreuze, Möchsgewänder ,.... verbieten will. Wir reden über eine Kleiderordnung am Arbeitsplatz. Nicht mehr nicht, weniger!

phip schrieb:
[...] Es ist nunmal so: Uniformen stellen die Funktion eines Menschen in den Vordergrund. Das individuelle Streben eines Menschen nach eigenständiger Ausführung des Lebens wird dadurch unterdrückt.
Ehrlich, klingt wie aus dem Mund eines kommunistischen Freiheitskämpfers. Der Mensch verliert trotz Uniform nur augenscheinlich an Individualität - und genau das ist ja auch erwünscht! Aber da wird nix und niemand unterdrückt, weil es nur für die Dauer der Schulzeit ist (sprich also maximal 6 bis 7 Stunden pro Tag) ist.

phip schrieb:
Außerdem sollte die Schule ein Spiegel der Gesellschaft sein: Im "echten" Leben sind der Arbeitslose und der Millionär auch nicht gleich gekleidet... Insofern zögert eine solche Schuluniform die Realitäten nur bis zu einem gewissen Grad hinaus und fördert somit eine wirklichkeitsferne Schule, die die Abschlussschüler noch unreifer und unvorbereiter auf das Leben entlässt als es jetzt schon der Fall ist...
eine Schule hat überhaupt gar nicht die Aufgabe, alle Kinder in vollem Umfang auf das Leben vorzubereiten. Es geht in erster Linie um das Vermitteln von Wissen, um einen guten beruflichen Start gewährleisten zu können. In zweiter Linie um die Vermittlung moralischer Werte (sofern es die Eltern versäumt haben). In dritter Linie will man auch Toleranz anerziehen. Um sich mit Gemeinsamkeiten /Unterschieden/Hintergründen von Religionen zu befassen, dafür ist der Religionsunterricht da. Aber das hat mit religösen Symbolen an Schulen nichts tun.

Gruß,
Photon
 
phip schrieb:
Ich kann die Argumentation zwar verstehen, aber zunächst einmal ist sie doch sehr hypothetisch... Ich persönlich vertrete eher die Ansicht, dass es umso schwerer ist sich von einem religiösen Symbol zu "befreien" umso mehr es von der Gesellschaft akzeptiert wird

Ja das klingt natürlich plausibel, doch noch einmal: Das Kopftuch ist eben nicht auf eine bestimmte religiös-gesellschaftliche Funktion bzw Aussage zu reduzieren bzw befindet sich in verschiedenen Kulturen, wie auch derzeit hier bei uns, im steten Wandel. Deshalb warne ich, Türen vorschnell zuzuschlagen, ohne zu schauen, was dahinter steckt.

phip schrieb:
Insofern ist der Umkehrschluss "Studium ist gleich positiveres Bild einer Einzelperson, die das Erscheinungsbild einer Religionsgemeinschaft verbessert" nicht richtig!

Habe ich so auch gar nicht verallgemeinert. Ich habe gesagt, Dialog fördert grundsätzlich Verständnis und erweitert den Horizont. Dass es auch Gebildete gibt, die sich absichtlich dem Horizonz verweigern, ist ja klar. Außerdem siehst Du die Sache glaube ich wieder zu eindimensional: Es gibt nicht "die islamische Glaubensgemeinschaft". Es gibt islamische Gemeinden, die sich für Integraton öffnen, und welche, die sich schließen. Alle über einen Kamm scheren heisst die zu unterstützen, die sich uns verschließen.
 
Kelle schrieb:
[...] Kommt ein Schüler durch so eine lehrerin in Kontakt mit dem Islam, tritt dem Islam später bei, ist das zweifelsohne eine Beeinflussung. Aber ist das negativ?
Kannst Du es beurteilen?

Ich will gar keine Beispiele jetzt an den Haaren herbeiziehen, aber wegen der Religion wurden schon Kriege ausgetragen. Sehr sehr blutige Kriege sogar. Und da fragst Du, ob es irgendwelchen negativen Auswirkungen haben könnte? Ich sage JA, auch ohne Beispiele zu nennen.

Kelle schrieb:
[...] Weil nur weil ich mit nem Kolping-Shirt auf Arbeit komme, arbeite ich ja nicht anders...
Der Herr an der Rezeption auch nicht. Der Arzt mit pinkfarbenen Kittel sicher ebenso wenig. Und ein Polizist wäre auch als solcher zu erkennen, wenn er statt der Diensthosen Jeans tragen würde.

Vor allem gehe ich ja gar nicht so weit, dass ich Uniformen für Lehrer fordern würde (obwohl ich dem zustimmen würde, wenn es ein anderer fordert). Es soll lediglich darum gehen, keine religöse Symbole zui tragen. Soll heißen: Kopftuch in die Handtasche, Kreuz unter die Bluse, Schwanz in die Hose. Da kann man wohl kaum von "Unterdrückung" oder "Beschneidung der persönlichen Individualität" etc sprechen (auch wenn das (noch) nicht von Dir kam).

Kelle schrieb:
[...]
Wenn es nachvollziehbare Gründe für oder gegen Kleidungsstücke (Dienstkleidung) gibt, brauch ich da nicht zu diskutieren.
Im Kopftuch-Fall gibt es aber keine nachvollziehbaren, praktischen Gründe, die dagegen sprechen.
Eher gibt es welche dafür, nämlich offener Umgang mit Religionen, reeleres Bild der Gesellschaft und des Lebens...
Natürlich gibt es nachvollziehbare, praktische Gründe. Ich diskutiere doch hier nicht, weil ich das Tippen nicht lassen kann. Nur lässt Du diese Gründe nicht zu, weil sie in Deiner Welt nicht nachvollziehbar sind. In meiner schon.

Gruß,
Photon
 
phip schrieb:
Aber gegenteiliges ist auch nicht zu beweisen... Insofern ist es wohl nicht angebracht gegenteilige Meinungen als "Pseudoargument" zu diffamieren... Ich würde so etwas eher Weltanschauung betiteln...

Es sollte kein Problem sein, Studien zu machen, die die Beeinflussung bewerten.
Ich sage nur, solang etwas nicht bewiesen ist, ist es ein Pseudoargument. Ich sage nicht, dass es eine Beeinflussung ausgeschließt.

phip schrieb:
Wenn "Nicht-Normale" unterrichten wollen, sollen sie sich wenigstens im Unterricht "normal" verhalten.

Das heißt also, dass sich ein Afrikaner vorher weiß anmalen muss, weil in Deutschland eine helle hautfarbe normal ist.
Klingt gut.

phip schrieb:
Nur sollten manche Lokalitäten davon ausgenommen werden...

Lokalitäten kannst man sicherlich dahingeend davon ausnehmen, dass dort keine explizieten religiösen Symbole angebracht werden.
Man kann aber nicht Personen verbieten, Ihre religiösen Symbole zu zeigen.
Im nicht unwahrscheinlichen Fall würde das nämlich bedeuten, dass die Mutter kein Kopftuch tragen darf, Ihre Tochter schon.
Erklär einem mal das.

gruss kelle!
 
Photon schrieb:
Vor allem gehe ich ja gar nicht so weit, dass ich Uniformen für Lehrer fordern würde (obwohl ich dem zustimmen würde, wenn es ein anderer fordert). Es soll lediglich darum gehen, keine religöse Symbole zui tragen. Soll heißen: Kopftuch in die Handtasche, Kreuz unter die Bluse, Schwanz in die Hose. Da kann man wohl kaum von "Unterdrückung" oder "Beschneidung der persönlichen Individualität" etc sprechen (auch wenn das (noch) nicht von Dir kam).

Und wenn jetzt jemanden seine Religion vorschreibt es sei eine Sünde unbekleidet zu sein... Muss der jetzt zum Ausdrücken seiner religionsneutralen Haltung im Unterricht nackt lehren?
Dieses Beispiel ist genauso dämlich wie Teile deiner Pimmel-Argumentation... :roll:
 
phip schrieb:
Und wenn jetzt jemanden seine Religion vorschreibt es sei eine Sünde unbekleidet zu sein... Muss der jetzt zum Ausdrücken seiner religionsneutralen Haltung im Unterricht nackt lehren?
Dieses Beispiel ist genauso dämlich wie Teile deiner Pimmel-Argumentation... :roll:
Nee, eigentlich spielst Du mir damit voll in die Hand. "...wenn jetzt jemanden seine Religion vorschreibt..." - sagt doch schon alles ;)

EDIT. Ups, fast vergessen, ich Schusselchen: Glückwunsch zu deiner hervorragenden Diskussionskultur ;)

Gruß,
Photon
 
Zuletzt bearbeitet:
Photon schrieb:
Nee, eigentlich spielst Du mir damit voll in die Hand. "...wenn jetzt jemanden seine Religion vorschreibt..." - sagt doch schon alles ;)

Gruß,
Photon
Versteh ich nicht... (Ich hasse es, wenn ich das schreiben muss) :(
 
phip schrieb:
Versteh ich nicht... (Ich hasse es, wenn ich das schreiben muss) :(

Na jemandes Religion soll angeblich vorschreiben, etwas zu tun. Jetzt muss derjenige sich fragen, ob es in Konflikt mit einer religionsneutralen Haltung steht oder nicht.

Stünde das Tragen von beliebiger Kleidung damit in Konflikt? Steht das Tragen besonderer Kleidung (Uniform) damit in Konflikt?

Wenn die Fragen geklärt sind, kann derjenige, der dieser merkwürdigen Religion anghört, gerne seine "Religion" nach außen tragen, aber eigentlich tut er es ja nicht. Schließlich ist jeder bekleidet und man müsste dann annehmen, das jeder x-beliebige ein Anhänger dieser Religion ist.

Stattdessen legen Religionen aber bewusst wert darauf, eindeutige Erkennungszeichen zu haben - sowohl Symbole, als auch Kleidungsstücke. Wer uniformiert sich also bis dato ohnehin schon freiwillig und will sich gewissermaßen "ausgrenzen"?

Um Deine Prosa-Rede von vorhin nochmal aufzugreifen und mich anzupassen: Ich will die Menschen von ihrer (vielleicht unfreiwilligen) Last und der freiheitsunterdrückenden religösen Zwangsuniformierung befreien, wenn es auch nur ein paar Stunden pro Tag ist :)

Gruß,
Photon
 
Ok, ich habs verstanden, was du gemeint hast... Danke für die Erläuterung... :)
 
Zuletzt bearbeitet:
Photon schrieb:
Um Deine Prosa-Rede von vorhin nochmal aufzugreifen und mich anzupassen: Ich will die Menschen von ihrer (vielleicht unfreiwilligen) Last und der freiheitsunterdrückenden religösen Zwangsuniformierung befreien, wenn es auch nur ein paar Stunden pro Tag ist :)

Und wieder wird nur davon ausgegangen, dass Religion (ausgehend vom Kopftuch) zu etwas zwingt. Dabei wollen doch viele zu ihrer Religion stehen und sich auch nach aussen hin dazu bekennen. D.h. wenn eine Religion etwas "vorschreibt", dann heisst das nicht zwingend, dass eine externe Gewalt jemanden gegen seinen Willen zu etwas zwingt, sondern dass man sich bewusst etwas aufbürdet. Aber naja letztendlich gebe ich Dir dennoch Recht, das Beste ist Symbole ganz weg. Die Kopftuch-Thematik muss man dann außerhalb der Schule zum Besseren wenden, was allerdings in der Schule leichter wäre.
 
Photon schrieb:
Kannst Du es beurteilen?

Ich will gar keine Beispiele jetzt an den Haaren herbeiziehen, aber wegen der Religion wurden schon Kriege ausgetragen. Sehr sehr blutige Kriege sogar. Und da fragst Du, ob es irgendwelchen negativen Auswirkungen haben könnte? Ich sage JA, auch ohne Beispiele zu nennen.

Ich bezweifle nicht, dass es negative Auswirkungen haben könnte.
Allerdinggs suggerieren ja manche Leute hier, dass es negative Auswirkungen auf jeden Fall haben wird.
Wobei die gleiche Beeinflussung bei christlichen Symbolen nicht negativ sein kann, weshalb Nonnen auch in Ihren Schleiern auftauchen dürfen.

Also, alle oder keiner.

Da keiner gesellschaftlich nicht umsetzbar ist, schließlich ist es bei Nonnen laut her Söder ja was anderes, bleibt nur alle.

Photon schrieb:
Es soll lediglich darum gehen, keine religöse Symbole zui tragen. Soll heißen: Kopftuch in die Handtasche, Kreuz unter die Bluse, Schwanz in die Hose.

Der Unterschied zu allen anderen Berufskleidungen ist der, dass dort zum Beispiel Schmuckstücke verboten sind, wegen Verletzungsgefahr, Vorschriften wegen der Frisur existieren auch wegen Verletzungsgefahr, Vorschriften aufgrund wirtschaftlicher Aspekte existieren (100 weiße Kittel sind billiger als 100 verschieden bunte), aber es gibt nirgends ein grundloses Verbot von Sachen.
Spätestens als ich in der Bundeswehrwerkstatt an laufenden Motoren geschraubt habe, wusste ich, warum man kurze Haare tragen muss...

Wo ich gerade bei Schmuckstücken war...
Ist ein vom Priester geweihter Ehering ein religiöses Symbol?

Oder zurück zum Kopftuch.
In drei Jahren ist es Mode, Kopftücher zu tragen.
Geht die Lehrerin in ne Kirche, darf sie auf Arbeit Kopftuch tragen, weil ist ja Mode, geht die Lehrerin in ne Moschee, darf sie keins tragen, weil ist ja religiöses Symbol. Spätestens da wirds interessant.

Photon schrieb:
Da kann man wohl kaum von "Unterdrückung" oder "Beschneidung der persönlichen Individualität" etc sprechen (auch wenn das (noch) nicht von Dir kam).

Ich nenn das ja auch nur Verstoß gegen die Religionsfreiheit.

gruss kelle!
 
bennsenson schrieb:
Und wieder wird nur davon ausgegangen, dass Religion (ausgehend vom Kopftuch) zu etwas zwingt. Dabei wollen doch viele zu ihrer Religion stehen und sich auch nach aussen hin dazu bekennen. D.h. wenn eine Religion etwas "vorschreibt", dann heisst das nicht zwingend, dass eine externe Gewalt jemanden gegen seinen Willen zu etwas zwingt, sondern dass man sich bewusst etwas aufbürdet. [...]
Och menno, das war ein Jux in Bezug auf "totalitärer Staat unterdrückt die freie Entfaltung der Persönlichkeit" etc., nix weiter. Ist mir schon klar, dass sich die Leute freiwillig uniformieren...

Gruß,
Photon
 
Photon schrieb:
Och menno, das war ein Jux in Bezug auf "totalitärer Staat unterdrückt die freie Entfaltung der Persönlichkeit" etc., nix weiter. Ist mir schon klar, dass sich die Leute freiwillig uniformieren...

Jaja, aus Spaß wurde Ernst, und Ernst gründet eine eigene Religion :boohoo:
 
Kelle schrieb:
[...] Also, alle oder keiner.
Mein Reden.

Kelle schrieb:
Da keiner gesellschaftlich nicht umsetzbar ist, schließlich ist es bei Nonnen laut her Söder ja was anderes, bleibt nur alle.
Hö? Seit wann unterrichten Nonnen an staatlichen Schulen?

Kelle schrieb:
[...] Der Unterschied zu allen anderen Berufskleidungen ist der, dass dort zum Beispiel Schmuckstücke verboten sind, wegen Verletzungsgefahr, Vorschriften wegen der Frisur existieren auch wegen Verletzungsgefahr, Vorschriften aufgrund wirtschaftlicher Aspekte existieren (100 weiße Kittel sind billiger als 100 verschieden bunte), aber es gibt nirgends ein grundloses Verbot von Sachen.
Ich habe aber auch schon beim Wachschutz gearbeitet, unter anderem da auch als Ordner bei einem Konzert. Da wurde mir verboten, meinen Thorshammer zu tragen, weil er auf bestimmte Personen provokativ wirken könnte. Im Sinne einer Deeskalationstaktik wäre das dann kontraproduktiv. Nun war in meiner Truppe kein Christ dabei, der ein Kreuz um den Hals trug, aber vielleicht hätte man auch dem das Tragen untersagt. Ich habe mich nicht so aufgeblasen, schließlich konnte ich das religöse Schmuckstück 6 Stunden später wieder ran machen und gut. Schon von daher weiß ich gar nicht, was da zu diskutieren gibt. Niemandem wird die Religion oder die Ausübung verboten, nur das Zurschaustellen der betreffenden Symbole für einen kleinen Zeitraum pro Tag. Ist das echt zu viel verlangt?

Kelle schrieb:
[...] Wo ich gerade bei Schmuckstücken war...
Ist ein vom Priester geweihter Ehering ein religiöses Symbol?
Aus meiner Sicht nicht, weil es auch staatliche ehen gibt, in denen es auch Sitte ist, einen Ehering zu tauschen. Ein Ehering lässt folglich keine Religion erkennen.

Kelle schrieb:
Oder zurück zum Kopftuch.
In drei Jahren ist es Mode, Kopftücher zu tragen.
Geht die Lehrerin in ne Kirche, darf sie auf Arbeit Kopftuch tragen, weil ist ja Mode, geht die Lehrerin in ne Moschee, darf sie keins tragen, weil ist ja religiöses Symbol. Spätestens da wirds interessant.
Wenn es in 3 Jahren Mode ist und damit das Kopftuch seine Stellung als religöses Symbol verliert, dann ist die Diskussion hinfällig. Reden wir darüber dann in 3 Jahren, ok?

Gruß,
Photon
 
Photon schrieb:
Hö? Seit wann unterrichten Nonnen an staatlichen Schulen?

Zumindest wenn es um Religion geht.
Es gibt aber auch einen Orden der richtig Schulschwestern genannt wird, die auch eigene Schulen haben, die im Auftrag des Staates Ihrer Bildungsaufgabe nachkommen.

Diese Nonnen sind aber auch in staatlichen Schulen zu finden, schließlich haben Sie ne staatlich anerkannte Lehrerausbildung für verschiedenste Unterrichtsfächer.

Photon schrieb:
Niemandem wird die Religion oder die Ausübung verboten, nur das Zurschaustellen der betreffenden Symbole für einen kleinen Zeitraum pro Tag. Ist das echt zu viel verlangt?

Ja, weil für manche Glaube nicht nur ne Freizeitbeschäftigung ist, sondern integraler Bestandteil des Lebens.
Klar, wenn die Leute um 12 vor der Klasse den Teppich ausrollen, um gen Mekka zu beten, sowas hat da nix zu suchen...

Photon schrieb:
Aus meiner Sicht nicht, weil es auch staatliche ehen gibt, in denen es auch Sitte ist, einen Ehering zu tauschen. Ein Ehering lässt folglich keine Religion erkennen.

Man könnte aber eine Religion erkennen.

Photon schrieb:
Wenn es in 3 Jahren Mode ist und damit das Kopftuch seine Stellung als religöses Symbol verliert, dann ist die Diskussion hinfällig.

Es verliert ja nicht die Stellung für die, die es tragen.

gruss kelle!
 
Kelle schrieb:
Ja, weil für manche Glaube nicht nur ne Freizeitbeschäftigung ist, sondern integraler Bestandteil des Lebens.
Klar, wenn die Leute um 12 vor der Klasse den Teppich ausrollen, um gen Mekka zu beten, sowas hat da nix zu suchen...
Warum denn nicht? Das ist integraler Bestandteil deren Lebens ;)

Kelle schrieb:
Man könnte aber eine Religion erkennen.
Ja, man könnte aber auch albern werden. Wenn ein Vogel am Himmel fliegt, sieht er von unten auch wie ein Kreuz aus. Folglich sind alle Vögel Christen und erhalten Überflugverbot für Moscheen...

Kelle schrieb:
Es verliert ja nicht die Stellung für die, die es tragen.
Nein, aber das religöse Symbol in der Öffentlichkeit, und darum geht es doch. Niemand will den Leuten die Symbole oder den Glauben rauben. Sondern nur im Sinne einer unvoreingenommenen Erziehung eine Einflußnahme ausschließen.

Gruß,
Photon