Filmkritik - Bad Santa (2003)
 
 

Bad Santa

DVD / Blu-ray :: :: IMDB (7,1)
Regie: Terry Zwigoff
Darsteller: Billy Bob Thornton, Tony Cox
Laufzeit: 100min
FSK: ab 12 Jahren
Genre: Komödie (USA)
Verleih: Columbia Tristar Film
Filmstart: 18. November 2004
Bewertung: 9,5 (2 Kommentare, 2 Votes)
In seinem bewegten Leben hat Willie T. Stokes schon so manchen Tiefschlag wegstecken müssen: schwere Kindheit, Fahnenflucht, Gesundheitsprobleme, Kollisionen mit dem starken Arm des Gesetzes – das ganze Register, einmal rauf und runter und wieder rauf. Aber keine noch so erniedrigende Demütigung kann es auch nur im entferntesten aufnehmen mit dem Jammertal der Tränen, das Willie jetzt, wenige Tage vor Weihnachten, zu durchwaten hat: Als Kaufhaus-Weihnachtsmann muss er von früh bis spät aufgeregte Kinder auf seinem Schoß Platz nehmen lassen und sich ihre Geschenkwünsche zum frohen Fest anhören. Ausgerechnet Willie, zu dessen prägnantesten Eigenschaften neben seinen menschenverachtenden Unflätigkeiten, einer unstillbaren Fleischeslust und seinem fatalen Hang zum Dauersuff auch ein ausgeprägter Kinderhass gehört. Mit der entsprechenden Dosis Hochprozentigem intus lässt es sich gerade so überstehen, von den Kleinen bekleckert, beleidigt oder mit Schoko-Milkshake bespuckt zu werden. Dass Willie dabei das ein oder andere Malheur passiert, lässt ihn ungerührt: Wenn die Blase voll ist, muss sie halt geleert werden, auch wenn gerade keine Toilette in der Nähe ist. Sein Partner, der kleinwüchsige Marcus, der Willie als Weihnachtskobold assistiert, ist von den Ausfällen Santas weniger begeistert. Entsprechend hält er sich nicht zurück mit seinen unablässigen Beschimpfungen, die Willie hinnimmt, wie er alles hinnimmt: gleichmütig, ungerührt und schicksalsergeben. Niemand ahnt, dass das Kostüm des garstigen Weihnachtsmanns vor allem zur Ablenkung gedacht ist: Tatsächlich sind Willie und Marcus ein eingespieltes Panzerknackerteam, das seit Jahren als Santa und sein kleiner Helfer auftritt, um dann am Heiligen Abend den Safe des jeweiligen Einkaufszentrums auszuräumen. Marcus sorgt dafür, dass die Alarmanlage außer Gefecht gesetzt wird, Willie knackt den Tresor, Marcus’ Freundin Lois steuert das Fluchtauto. Auch in diesem Jahr läuft alles wie geschmiert: Mehr als 100.000 Dollar sind die fette Beute. Aber Willie will nicht mehr: Zu sehr gehen ihm die vier Adventswochen vor dem Raubzug auf die Nerven. Mit seinem Anteil will er sich nach Florida absetzen und einmal in seinem Leben seine Existenz genießen. Marcus nimmt die Ankündigung nicht ernst: Er prophezeit Willie, dass er das Geld binnen weniger Monate durchgebracht haben und dann wieder angekrochen kommen wird, um erneut in das Weihnachtsmann-Kostüm zu schlüpfen. Marcus behält Recht. Natürlich strandet Willie auch dieses Mal, natürlich ist er auch dieses Mal dabei, als Marcus sich wie angekündigt im Oktober meldet, um seinen alten Partner erneut zu rekrutieren. Diesmal lässt sich das zänkische Duo in Phoenix, Arizona, nieder, um im dortigen Einkaufszentrum die alte Nummer durchzuziehen. Kaufhaus-Manager Bob Chipeska fühlt zunächst ein leichtes, sehr schnell aber ein ganz erhebliches Unwohlsein in Bezug auf die beiden heruntergekommenen, stets fluchenden Gestalten, die sich so überhaupt nicht mit seiner Vorstellung eines sauberen, feierlichen Weihnachtsgespanns decken. Entsetzt wendet sich Chipeska an den überheblich-souveränen Kaufhausdetektiv Gin, der seinem Chef versichert, er werde ein Auge auf Santa werfen. Bei Willie ist alles beim Alten: Er kommt zu spät zur Arbeit, und er ist rotzbesoffen. Die Kinder werden brüsk abgekanzelt. Bis ein höchst ungewöhnlicher Junge auf seinem Schoß Platz nimmt. Er ist dick, trägt ein viel zu enges T-Shirt, hat einen rotblonden Lockenkopf und obendrein eine enorme Rotzglocke auf der Oberlippe. Keine Frage: Dieser Außenseiter hat’s nicht leicht im Leben. Doch bei Santa offenbart er ein erfrischend sonniges Gemüt. Mit entwaffnender Glückseligkeit ignoriert er dessen Beleidigungen und löchert ihn unbeirrt mit furchtbar drängenden Fragen. Als Willie entnervt bejaht, dass er tatsächlich der echte Weihnachtsmann sei, ist der Junge zufrieden. So viel Treuseligkeit hält man nur im Suff aus. Weshalb sich Willie wenig später an seinem Lieblingsort einfindet: dem Kneipentresen, an dem ihm Barkeeperin Sue mit einer Reihe von Freidrinks zu erkennen gibt, dass sie ein durchaus persönliches Interesse am Weihnachtsmann hegt. Willie lässt sich nicht zwei Mal bitten: Nach einer flotten Nummer in seinem Auto gesteht ihm Sue, dass sie eine schwere Weihnachtsmann-Fixierung habe und Willie überaus sympathisch findet. Willie bleibt wenig Zeit, um sich über dieses Geständnis zu wundern: Urplötzlich wird er ohne weiteren Grund von einem jungen Mann attackiert, der sich schon in der Bar von der bloßen Anwesenheit des Weihnachtsmannes irritiert gefühlt hatte. Zum Glück taucht da – ausgerechnet – sein neuer, schwergewichtiger kleiner Freund auf der Bildfläche auf und schlägt den Angreifer in die Flucht. In einem ungewöhnlichen Anflug von Dankbarkeit erklärt sich Willie bereit, den Jungen nach Hause in seinen Vorort zu bringen. Seine Routinebefragung auf dem Weg dorthin ergibt, dass die Mutter des Jungen gestorben und der Vater für eine lange Zeit im Ausland verweilen würde. Weil demnach nur die tattrige Großmutter über das stattliche Familienanwesen wacht, erhofft sich Willie hier eine leichte und reichhaltige Beute. Tatsächlich hat der Junge kein Problem damit, dass der Bad Santa den heimischen Safe leert und sein klappriges Auto gegen den nagelneuen BMW des Vaters eintauscht. Die Bekanntschaft mit dem Jungen erweist sich als ungeahnter Segen: Als Willie entdeckt, dass Kaufhausdetektiv Gin ihm nachspioniert, verlegt er sein Domizil ganz spontan in das Haus des Jungen. Der ist natürlich begeistert und weicht Santa nicht mehr von der Seite – ganz egal, wie ausfallend der sich ihm gegenüber auch verhält. Das Verblüffende: Langsam, aber sicher beginnt Willie, sich an den Jungen zu gewöhnen – trotz seiner nicht vorhandenen Geduld und eines völligen Unverständnisses für dessen Begeisterung für einen Schokoladen-Adventskalender, dessen Türchen Tag für Tag mit religiöser Andächtigkeit geöffnet werden; trotz des unverschämten Glücks des Kinds beim Mühle-Spiel und der Angewohnheit, Santa bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit Sandwiches anzubieten. In dieser absurd friedlichen Umgebung fühlt sich Willie plötzlich so wohl, dass er dem Jungen und dessen Großmutter sogar ein Abendessen zubereitet. Gleichzeitig wird auch aus seiner Beziehung zu Sue langsam mehr als bloße animalische Lust. Sollte Willie tatsächlich doch noch zu einem ganz normalen Leben finden? Aber da ist ja immer noch der näher rückende Raubzug... und sein verschlagener Kompagnon... und der zunehmend argwöhnischer werdende Manager Chipeska... ganz zu schweigen von dem überaus raffinierten Detektiv Gin, der eigentlich nur eines will: nämlich vom großen Kuchen etwas abhaben. Und das kann doch eigentlich nicht gut gehen... auch nicht, wenn man ein Bad Santa ist...

Kommentare

(2) KelDoraN2003 vergibt 10 Klammern · 17. Dezember 2004
Schöne Geschichte :)
(1) DaSixPac vergibt 9 Klammern · 21. November 2004
Lustiger Film! Punktabzug nur dafür, dass der gekürzt war...
 

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