Zweite Terroraktion hält Paris in Atem

09. Januar 2015, 16:52 Uhr · Quelle: dpa

Paris (dpa) - Frankreich ist Ziel einer beispiellosen Terrorwelle: Zwei Geiselnahmen und Schießereien haben am Freitag das Land erschüttert. Nach dem blutigen Anschlag von Islamisten auf das Pariser Satireblatt «Charlie Hebdo» mit zwölf Toten soll es in einem jüdischen Lebensmittelladen in Paris zwei weitere Opfer gegeben haben.

Die Polizei geht mittlerweile davon aus, dass sich die Attentäter gut kennen und einen islamistischen Hintergrund haben.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) drohte mit einer größeren Terrorkampagne und weiteren Angriffen in Europa und den USA. «Wir haben mit der Operation in Frankreich begonnen, für die wir die Verantwortung übernehmen», sagte der IS-Prediger Abu Saad al-Ansari nach Angaben von Anwesenden beim Freitagsgebet in einer Moschee der nordirakischen Stadt Mossul. «Morgen werden es Großbritannien, die USA und andere sein.»

Die beiden Brüder, die bei dem Anschlag auf das religionskritische Magazin «Charlie Hebdo» am Mittwoch zwölf Menschen getötet haben sollen, seien aus derselben Pariser Dschihad-Gruppe wie der Mann, der am Freitag in einem Laden im Süden der Hauptstadt fünf Geiseln genommen haben soll, berichteten mehrere französische Medien.

Es gab Spekulationen, dass der Geiselnehmer von Paris die beiden anderen Männer, die sich etwa 50 Kilometer von Paris verschanzt haben, freipressen wolle. Diese hatten sich zwei Tage lang eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert.

Die beiden mutmaßlichen «Charlie-Hebdo»-Attentäter haben seit dem Morgen ebenfalls mindestens eine Geisel in ihrer Gewalt und haben sich mit Kalaschnikows bewaffnet verschanzt. Sondereinheiten der Polizei und Militärkräfte belagerten eine Druckerei in einem Industriegebiet des ländlichen Orts Dammartin-en-Goële. Scharfschützen gingen auf umliegenden Gebäuden in Stellung. Der Flughafen Paris Charles de Gaulle, der nur wenige Kilometer von Dammartin-en-Goële entfernt ist, sperrte die beiden nördlichen Landebahnen.

Innenminister Bernard Cazeneuve hatte am Vormittag betont: «Es läuft ein Einsatz, um die Verantwortlichen des feigen Attentats vor zwei Tagen zu neutralisieren.» Präsident François Hollande betonte, es müsse nun alles zum Schutz der Franzosen getan werden. Ein Sprecher des Innenministeriums relativierte später, man suche den Dialog zu den Brüdern Chérif (32) und Said Kouachi (34) und wolle die Krise unblutig beenden. Die Polizei bereite sich aber selbstverständlich auch auf eine Erstürmung vor, falls sich die Lage negativ zuspitze.

Während Sicherheitskräfte die beiden Islamisten belagerten, gab es im Süden von Paris die weitere Schießerei und Geiselnahme in dem jüdischen Geschäft. Es wird vermutet, dass der Täter, der im Süden von Paris eine Polizistin erschossen hatte, der bewaffnete Mann in diesem Geschäft ist. Er soll mindestens fünf Menschen als Geiseln genommen haben. Unter den Geiseln sind auch Kinder. Französische Medien berichteten, er habe beim Betreten des Laden gerufen: «Ihr wisst, wer ich bin.»

Die Polizei veröffentlichte einen Fahndungsaufruf nach einem 32-jährigen Mann und einer 26-jährigen Frau, die in die Schießerei mit der Polizistin auf einer Straße im Süden von Paris verwickelt sein sollen. Es handelt sich um Amedy Coulibaly (32) und seine Frau Hayat Boumeddiene (26). Coulibaly soll laut «Le Point» der Mörder der Polizistin und ein Bekannter der Attentäter von «Charlie Hebdo» sein.

Die Geiselnahme in dem jüdischen Geschäft hat weite Teile des Viertels Porte de Vincennes lahmgelegt. Schüler in dem Gebiet mussten in den Gebäuden bleiben. «Die ganze Schule ist in Panik», berichtete ein Schüler.

Die Attacke auf den Laden hat auch die Ängste der jüdischen Gemeinde in der Stadt erheblich verstärkt. «Es war noch nie so in Frankreich. Wir fühlen uns wie im Krieg, alle haben große Angst», sagte der 54-jährige Maurice der Deutschen Presse-Agentur. Er fügte hinzu: «Wir stellen uns auf eine ganze Serie von Anschlägen ein, auch auf jüdische Einrichtungen.

Die Brüder Kouachi sollen am Mittwoch schwarz vermummt die Redaktion des Satiremagazins im Herzen der französischen Hauptstadt gestürmt und mit Sturmgewehren um sich geschossen haben. Unter den zwölf Todesopfern waren acht Journalisten von «Charlie Hebdo» und ein weiterer Kollege, der unter anderem für den Radiosender France Inter arbeitete. «Charlie Hebdo» war mehrfach wegen Mohammed-Karikaturen angefeindet worden.

Einer der beiden Attentäter soll auch im vergangenen Jahr in Syrien gewesen sein. Zudem sollen sie Kontakt zu Al Kaida im Jemen gehabt haben. Said Kouachi soll in einem Terrortrainingslager im Jemen gewesen sein.

Terrorismus / Medien / Frankreich
09.01.2015 · 16:52 Uhr
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