Zollpolitik schwächt den Dollar – Euro auf Drei-Jahres-Hoch, Anleger meiden US-Anleihen
Der Euro hat am Freitag mit 1,1473 US-Dollar den höchsten Stand seit Februar 2022 erreicht. Auslöser ist die anhaltende Schwäche des US-Dollars, die maßgeblich durch die erratische Zollpolitik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump befeuert wird. Seit Trumps Amtsantritt hat der Dollar gegenüber dem Euro rund zwölf Prozent an Wert verloren – ein Niveau, das bei Investoren zunehmend Sorgen um die internationale Glaubwürdigkeit der US-Währung auslöst.
Die Unsicherheit an den Märkten spiegelt sich nicht nur im Devisenhandel, sondern auch bei US-Staatsanleihen wider, die zuletzt vermehrt abgestoßen wurden. Auch zum Schweizer Franken (-12 %) und zum japanischen Yen (-9 %) hat der Dollar deutlich verloren. Analysten der Dekabank sprechen von einer schrittweisen Erosion des Vertrauens in die US-Währung, das in den vergangenen Jahrzehnten als Konstante der globalen Finanzmärkte galt.
Für Verbraucher in Europa bringt der Dollarverfall zunächst spürbare Vorteile. Rohstoffe wie Öl oder Gas, die in Dollar gehandelt werden, werden in Euro gerechnet günstiger. Auch Reisen in die USA verteuern sich für Europäer nicht, sondern werden tendenziell billiger. Elektronik und Technologiegüter könnten ebenfalls preiswerter importiert werden.
Allerdings hat der starke Euro auch eine Kehrseite: Er verteuert europäische Exporte und verschlechtert die Preiswettbewerbsfähigkeit auf wichtigen Auslandsmärkten. Für die ohnehin schwächelnde deutsche Industrie ist das ein zusätzlicher Belastungsfaktor – insbesondere vor dem Hintergrund sinkender Auftragseingänge und rückläufiger Industrieproduktion.
Verstärkt wird der Druck durch die Eskalation im Handelskonflikt zwischen den USA und China. Nachdem Trump Strafzölle von 145 Prozent auf chinesische Waren angekündigt hatte, reagierte Peking mit Gegenzöllen von 125 Prozent. In diesem Klima ziehen sich institutionelle Investoren zunehmend aus Dollar-basierten Anlageformen zurück und wenden sich Alternativen wie dem Schweizer Franken oder Gold zu – mit direkten Folgen für den Wechselkurs und das internationale Vertrauen in den US-Dollar.

