Wirtschaftskraft Ostdeutschlands bleibt hinter Erwartungen zurück
Trotz der positiven Entwicklungen in einigen Bereichen hinkt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Ostdeutschlands weiterhin deutlich hinter dem westdeutschen Niveau her. Laut einer aktuellen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) erreichen die neuen Bundesländer insgesamt lediglich 78 Prozent der wirtschaftlichen Leistungskraft ihrer westlichen Pendants. Seit etwa fünf Jahren stagniert der Angleichungsprozess, zuletzt wurde sogar ein leichter Rückgang verzeichnet.
Besonders auffällig sind die Schwächen in den Bereichen Erwerbsbeteiligung, Innovation und Digitalisierung. Die Erwerbsquote in Ostdeutschland beträgt lediglich 86 Prozent des westdeutschen Niveaus und wird aufgrund der alternden Bevölkerungsstruktur voraussichtlich weiter sinken. Im Jahr 2022 war bereits mehr als jeder vierte Ostdeutsche älter als 65 Jahre, was auf zukünftige Herausforderungen in der Arbeitsmarktpartizipation hindeutet.
Auch in puncto Innovationskraft zeigt sich der Osten im Hintertreffen: Ostdeutsche Unternehmen melden im Schnitt fünfmal weniger Patente an als westdeutsche. Großunternehmen mit Forschungsstärke sind in den neuen Bundesländern seltener vertreten. Im Bereich der Digitalwirtschaft steuert die Informations- und Kommunikationsbranche lediglich rund drei Prozent zur Bruttowertschöpfung bei, was nur wenig mehr als die Hälfte des westdeutschen Beitrags ausmacht.
Die Investitionen in Ostdeutschland verharren seit Jahren auf einem niedrigen Niveau. Pro Kopf erreichen sie nur gut 70 Prozent des westdeutschen Wertes und unterscheiden sich somit stark von den deutlich höheren Investitionsraten in den 1990er Jahren. Klaus-Heiner Röhl, Experte des IW, hält eine vollständige Angleichung an den Westen kurzfristig für unrealistisch. Um das wirtschaftliche Potenzial Ostdeutschlands zu heben, fordert er eine stärkere Offenheit für ausländische Fachkräfte, eine schnellere Digitalisierung und eine engere Kooperation zwischen Forschung, Start-ups und etablierten Unternehmen.
Das IW prognostiziert, dass Ostdeutschland langfristig eher das Niveau von Bundesländern wie Schleswig-Holstein oder Rheinland-Pfalz erreichen wird, anstatt sich mit wirtschaftsstarken Metropolen wie München oder Hamburg messen zu können. Berlin stellt dabei eine Ausnahme dar, da es sich in den letzten Jahren zu einem bedeutsamen Zentrum für Forschung und Start-ups entwickelt hat.

