Investmentweek

Wie Deutschland seine Zukunft verspielt (und was passieren müsste, um das zu ändern)

12. Mai 2025, 16:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Zum dritten Mal in Folge wächst die deutsche Wirtschaft nicht. Das eigentliche Problem liegt aber tiefer – im schwindenden Potenzialwachstum. Eine gemeinsame Analyse von InvestmentWeek und AlleAktien.

Das große Ausbleiben

Wenn eine Volkswirtschaft drei Jahre in Folge nicht wächst, ist das kein konjunkturelles Zwischentief mehr. Es ist der Beginn einer strukturellen Krise.

Diese Analyse entstand in freundschaftlicher Kooperation mit AlleAktien – wir danken für die inspirierende Zusammenarbeit und die fundierten wirtschaftlichen Impulse.

Deutschland, einst das industrielle Kraftzentrum Europas, hat 2023, 2024 und 2025 faktisch kein Wachstum erzielt. Statt Aufschwung gibt es Stillstand. Und statt neuer Investitionen wächst die Unzufriedenheit – mit dem Standort, mit der Politik, mit dem gesamten System.

Was viele nicht wissen: Das entscheidende Maß für die Zukunftsfähigkeit eines Landes ist nicht das aktuelle BIP-Wachstum, sondern das sogenannte Potenzialwachstum – also die nachhaltige, langfristige Wachstumsrate einer Volkswirtschaft bei Normalauslastung. Und genau diese Rate fällt seit Jahren – unaufhaltsam.

Die Kennzahl, die niemand kennt – aber alles erklärt

Während noch in den 2000er-Jahren das Potenzialwachstum bei rund 1,5 % lag, schätzen führende Forschungsinstitute den Wert für die kommenden Jahre auf nur noch 0,3 bis 0,5 %.

Die Folge: Selbst wenn die Weltwirtschaft boomt oder die EZB Geld in den Markt pumpt – Deutschland bleibt wirtschaftlich auf der Stelle stehen.

Denn wenn Arbeitskräfte, Kapital und Produktivität stagnieren, verpufft jeder konjunkturelle Impuls. Mehr Nachfrage führt nicht zu mehr Produktion, sondern zu mehr Importen – oder mehr Inflation.

Wirtschaft ohne Richtung – Gesellschaft ohne Vertrauen

Das Problem ist nicht nur ökonomischer Natur. Es ist gesellschaftlich tief verankert. Wo es keine Aussicht auf materiellen Aufstieg gibt, beginnt das Vertrauen zu bröckeln – in Institutionen, in politische Stabilität, in Demokratie.

Potenzialwachstum am Tiefpunkt: Laut Prognosen führender Wirtschaftsforschungsinstitute liegt es bis 2029 nur noch bei 0,3 % – früher waren es über 1,5 %.

Die wirtschaftliche Schwäche ist längst ein Treiber des politischen Rechtsrucks. Die AfD profitiert nicht trotz, sondern gerade wegen des wirtschaftlichen Stillstands.

Eine Studie des Ifo-Instituts belegt den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit und Demokratieverdrossenheit.

Besonders in strukturschwachen Regionen steigen Zustimmung und Wahlbeteiligung bei extremen Parteien. Das gefährliche daran: Auch in einkommensstarken Schichten wächst der Frust – wenn der kollektive Zukunftsoptimismus verloren geht.

Was Deutschland wirklich braucht: drei Wachstumshebel

Die neue Bundesregierung hat das Problem erkannt – aber noch nicht gelöst. Aus Sicht von AlleAktien und InvestmentWeek braucht Deutschland keinen weiteren Sozialgipfel, sondern eine entschlossene Reaktivierung seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Drei Stellschrauben sind dabei entscheidend:

1. Mehr Arbeit ermöglichen, nicht mehr Arbeit besteuern

Deutschland verliert durch den demografischen Wandel Hunderttausende Erwerbstätige – jedes Jahr. Gleichzeitig werden Menschen im Niedriglohnbereich, in der Rente oder im Bürgergeld-System durch hohe Grenzabgaben davon abgehalten, mehr zu arbeiten.

Die Lösung: Bürgerarbeit attraktiver machen, Sozialabgaben senken, Zuverdienste vereinfachen. Leistung muss sich wieder lohnen – auch für Geringverdiener.

Fazit von AlleAktien: Wer 1 Mio. Arbeitsstunden zusätzlich aktiviert, erzeugt direkt mehr Wertschöpfung als jedes Konjunkturpaket.

2. Kapital mobilisieren statt bremsen

Private Investitionen sind die Grundlage für künftiges Wachstum – doch in Deutschland fließt Kapital lieber in Immobilien oder Tagesgeld, statt in neue Maschinen, Start-ups oder Digitalisierung.

Der Grund: Bürokratie, Steuerkomplexität, Planungsunsicherheit.

Reformvorschlag: Abschaffung der Körperschaftsteuer auf einbehaltene Gewinne, steuerliche Forschungsförderung auf breiter Front, radikale Beschleunigung bei Genehmigungsverfahren – besonders im Energiebereich.
AlleAktien-Investorenblick: Wer Kapital hemmt, hemmt Innovation. Wer Risiko belohnt, erzeugt Wachstum. Venture Capital und IPO-Kultur müssen in Deutschland endlich politisch gewollt sein.

3. Produktivität wieder steigern – mit KI, Automatisierung und Bildung

Die Produktivität je Arbeitsstunde stagniert seit Jahren. Während andere Länder automatisieren und digitalisieren, verliert Deutschland im Maschinenraum den Anschluss. Der KI-Einsatz in der Verwaltung?

Fehlanzeige. Digitale Bildung an Schulen? Unterdurchschnittlich. Berufliche Weiterqualifizierung im Mittelstand? Zu teuer oder zu kompliziert.

Lösungsansatz: KI-gestützte Automatisierung in der Verwaltung priorisieren, digitale Infrastruktur als Standortvorteil begreifen – und fördern. Deutschland muss nicht mehr arbeiten, sondern intelligenter.

Was wäre, wenn... Deutschland wieder 1,5 % wachsen würde?

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, das Potenzialwachstum wieder auf „deutlich über ein Prozent“ zu heben. Was zunächst wie eine technokratische Zielmarke wirkt, wäre ein makroökonomisches Wunder: Bei einem Potenzialwachstum von 1,5 % würde sich das reale BIP alle 47 Jahre verdoppeln – statt wie bisher in über 200 Jahren.

Das hieße: Mehr Spielraum für Sozialausgaben, bessere Chancen für junge Menschen, mehr Mittel für Bildung, Rente und Infrastruktur – ohne neue Schulden.

0,0 % Wachstum ist kein Schicksal – sondern eine politische Entscheidung

Deutschland steht am Scheideweg. Die kommenden Jahre entscheiden nicht nur über den ökonomischen Kurs des Landes, sondern auch über die Zukunft seiner demokratischen Institutionen.

Ein Weiter-so ist keine Option mehr. Wenn Politik und Wirtschaft das Potenzialwachstum nicht entschlossen anheben, wird aus der wirtschaftlichen Lähmung eine gesellschaftliche Zerreißprobe.

Die gute Nachricht: Die Stellschrauben sind bekannt. Sie müssen nur endlich gedreht werden.

Finanzen / Wirtschaft
[InvestmentWeek] · 12.05.2025 · 16:00 Uhr
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