Investmentweek

Wie Anleger mit Fake-Finfluencern systematisch abgezockt werden

23. Mai 2025, 15:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Sie geben sich als Marc Friedrich, Frank Thelen oder Dirk Müller aus – und versprechen per WhatsApp das schnelle Geld. Doch hinter den vermeintlichen Börsenstars stecken professionelle Betrüger mit einer perfiden Masche. Was Anleger jetzt wissen müssen.

135.000 Euro – futsch in wenigen Klicks

Die Anzeige wirkte professionell. Ein seriöses Porträtfoto von Marc Friedrich, darunter der verheißungsvolle Slogan: „Dieser Geheimtipp könnte Ihr Leben verändern.“

Für den 62-jährigen Pfarrer aus Norddeutschland klang das glaubwürdig. Schließlich hatte er gerade sein Elternhaus verkauft und wollte Gutes tun – mit einer klugen Anlage.

Was folgte, war eine gut orchestrierte Falle. Über WhatsApp wurde er von angeblichen Börsenexperten betreut, bekam täglich Kursanalysen und klare Kaufanweisungen.

Alles wirkte durchdacht. Und alles war gefälscht. Nach wenigen Wochen hatte er 135.000 Euro verloren – und keine Spur von Marc Friedrich je gesehen.

Pump-and-Dump – digital, dreist und immer perfider

Die Masche ist nicht neu, aber inzwischen perfide durchprofessionalisiert: Kriminelle bauen Fake-Accounts auf Instagram, Facebook oder TikTok – oft mit geklauten Bildern und Videos bekannter Finanzexperten.

Besonders häufig betroffen: Marc Friedrich, Dirk Müller und Frank Thelen. Die Betrüger bewerben angeblich exklusive Investmenttipps, versprechen sagenhafte Renditen und leiten die Interessenten direkt in WhatsApp-Gruppen.

Dort beginnt das eigentliche Geschäft: Die Gruppenmitglieder werden dazu gebracht, gezielt eine bestimmte Aktie zu kaufen – meist ein Nebenwert mit geringer Marktkapitalisierung.

Das Ziel: künstlich den Kurs hochtreiben. Sobald genügend Anleger investiert haben, steigen die Drahtzieher aus – mit saftigem Gewinn. Zurück bleiben geprellte Kleinanleger und wertlose Depotleichen.

Der Psychotrick mit dem „Expertenvertrauen“

Das besonders perfide: Die Betrüger setzen nicht nur auf Gier – sondern vor allem auf Vertrauen. Sie inszenieren sich als vermeintlich hilfsbereite Mentoren, bauen eine persönliche Beziehung auf und nutzen den guten Ruf realer Experten aus.

Erst 40.000 Euro im Plus – dann 400.000 Euro verloren. Ein Unternehmer berichtet, wie ihm der Glaube an den schnellen Gewinn zum Verhängnis wurde.

Opfer berichten von täglichen Sprachnachrichten, persönlichen Nachfragen, sogar Geburtstagsgrüßen. Der Ton ist freundschaftlich, manchmal kumpelhaft. Die Betrugsopfer fühlen sich gesehen – und lassen dafür ihre Skepsis fallen.

„Ich war schon 40.000 Euro im Plus“, sagt ein Unternehmer aus Bayern, der am Ende über 400.000 Euro verlor. „Da schaltet man das Denken aus. Ich war überzeugt, ich sei bei Insidern gelandet.“

Falsche Friedrichs, Fake-Thelens – die Täter nutzen bekannte Gesichter

Besonders häufig tauchen in den Fake-Kampagnen die Namen von Marc Friedrich, Frank Thelen und Dirk Müller auf – allesamt bekannte Gesichter in der deutschen Finanzszene mit hoher Reichweite und großem Vertrauen in der Community.

Die Täter fälschen Interviews, schneiden TV-Mitschnitte neu zusammen und erzeugen so den Eindruck echter Empfehlungen.

Dass die Betroffenen sich öffentlich distanzieren, hilft wenig. Neue Fake-Seiten entstehen binnen Stunden. Wer Anzeige erstattet, läuft Behörden hinterher. Plattformen wie Meta oder X löschen verdächtige Inhalte oft erst spät – wenn überhaupt.

Behörden greifen zu kurz – und Anleger sind die Leidtragenden

Obwohl die Masche inzwischen Dutzende Opfer betrifft, gelingt es den Tätern in den meisten Fällen, anonym zu bleiben. Sie agieren mit Servern im Ausland, benutzen Einwegnummern, verschlüsselte Chats und Strohmänner bei der Kontoeröffnung. Für die Geschädigten ist eine Rückverfolgung nahezu unmöglich.

„Die Täter sind professionell organisiert, technisch versiert und hochgradig anpassungsfähig“, sagt ein Ermittler aus einem Landeskriminalamt. „Wir haben es hier nicht mit Einzeltätern, sondern mit strukturierten Gruppen zu tun.“

Warum gerade jetzt?

Die aktuelle Kombination aus Kapitalunsicherheit, Zinswende und KI-Hype schafft ein ideales Umfeld für Betrugsversuche. Viele Kleinanleger suchen nach dem „nächsten Nvidia“ – und sind bereit, Risiken einzugehen. Das nutzen die Täter eiskalt aus.

Oft handelt es sich bei den empfohlenen Papieren um Penny Stocks mit niedriger Handelsliquidität – etwa aus Kanada oder Asien –, die sich mit geringen Beträgen stark bewegen lassen. Für die Drahtzieher ist das der perfekte Nährboden. Für die Anleger das perfekte Desaster.

Was wirklich hilft – und was nicht

Die Warnungen auf offiziellen Webseiten wie der BaFin oder der Verbraucherzentralen sind vorhanden – aber sie erreichen viele Betroffene zu spät. Entscheidend wäre:

  • Stärkere Aufklärung direkt auf Social Media,
  • schnellere Löschung gefälschter Profile,
  • bessere technische Erkennung von Deepfakes und Identitätsklau,
  • und: konsequentere Strafverfolgung, auch über Ländergrenzen hinweg.

Wer schützt eigentlich die echten Experten?

Ein Nebeneffekt: Auch die echten Influencer stehen unter Druck. Sie müssen sich immer wieder von Fake-Accounts distanzieren, ihre Community warnen – und zusehen, wie ihr Name in betrügerischen Kontexten auftaucht. Für viele wird das zur täglichen Belastung. Ein einheitlicher Schutzmechanismus? Fehlanzeige.

Marc Friedrich selbst warnte bereits mehrfach auf YouTube und in Interviews vor den Fake-Gruppen, bekommt aber täglich neue Meldungen von Betroffenen. Plattformen reagieren schleppend – obwohl sie von diesen Anzeigen teilweise selbst profitieren.

Finanzen / Education
[InvestmentWeek] · 23.05.2025 · 15:00 Uhr
[1 Kommentar]
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