Investmentweek

Werk Heidenau vor dem Aus: Warum Henkel doch in Deutschland schließt

21. Oktober 2024, 20:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Entgegen der vorherigen Zusicherungen von Henkel-CEO Carsten Knobel wird das Werk Heidenau geschlossen. Ein Widerspruch, der Fragen aufwirft. Was steckt hinter der Entscheidung und was bedeutet das für die Belegschaft?

Es kam überraschend: Der deutsche Konsumgüterriese Henkel wird sein Werk in Heidenau, südlich von Dresden, zum Jahresende schließen. Noch im Sommer hatte CEO Carsten Knobel in einem Interview betont, dass in Deutschland keine Werksschließungen geplant seien.

Doch laut Informationen aus Unternehmens- und Betriebsratskreisen wird die Produktion am Standort Heidenau bereits Anfang 2024 endgültig eingestellt. Betroffen sind rund 40 Beschäftigte, die in den kommenden Monaten vor schwierigen Entscheidungen stehen.

Der Standort Heidenau, bekannt für die Herstellung von Klebstoffen, unter anderem für die Möbelindustrie, galt schon länger als ineffizient. Die hohen Produktionskosten und der notwendige Sanierungsbedarf des Werks sind laut internen Quellen ausschlaggebende Gründe für die Entscheidung.

Doch die Frage bleibt: Warum wurde die Schließung erst jetzt bekannt gegeben, nachdem Knobel noch vor wenigen Monaten betont hatte, dass keine deutschen Werke von Schließungen betroffen seien?

Henkel: „Kein Wortbruch“

Henkel rechtfertigt die Schließung damit, dass Knobels Aussage auf das Konsumentengeschäft und nicht auf das Klebstoffsegment bezogen gewesen sei. „Das ist kein Wortbruch“, betonte ein Sprecher des Unternehmens.

Die energieintensive Klebstoffproduktion in Heidenau und der Sanierungsbedarf des Werks machen die Schließung wirtschaftlich nachvollziehbar, doch die sozialen Folgen bleiben erheblich.

Zudem habe die Kommunikation über die Schließung des Werks intern bereits vor mehr als anderthalb Jahren stattgefunden, was die Öffentlichkeit jedoch erst jetzt erfahre. Doch selbst innerhalb des Unternehmens und in Aufsichtsratskreisen stieß die Schließung auf Überraschung, besonders nach Knobels Interview im Sommer, in dem er Standortschließungen noch klar ausgeschlossen hatte.

In der Belegschaft sorgt die Entscheidung für Unmut. Viele der betroffenen Mitarbeiter fühlen sich von der Unternehmensführung im Stich gelassen. „Es gibt hier in Heidenau Beschäftigte, die jahrzehntelang für Henkel gearbeitet haben und nun vor dem Aus stehen“, sagte ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte.

Standort-Heidenau: Ein Auslaufmodell?

Der Standort Heidenau war für Henkel zwar einer der kleineren in Deutschland, jedoch wurde dort seit den 1970er-Jahren Klebstoff produziert – damals noch im volkseigenen Betrieb der DDR. Nach der Wiedervereinigung übernahm Henkel das Werk, doch nun geht eine Ära zu Ende.

Lesen Sie auch:

Scalable Capital auf dem Weg zur Vollbanklizenz – Was bedeutet das für den Neobroker?
Das Münchner Fintech Scalable Capital arbeitet offenbar an einer Vollbanklizenz. Ein Schritt, der das Unternehmen in die Liga der großen Finanzplayer katapultieren könnte. Doch was steckt hinter dem Vorhaben?

Die Klebstoffproduktion in Heidenau gilt als aufwendig und teuer, da sie viel Energie verbraucht. Zudem war das Werk in den letzten Jahren nicht vollständig ausgelastet, was den Entschluss zur Schließung weiter untermauerte.

Die Produktion soll künftig auf andere Werke verteilt werden, vor allem nach Bopfingen in Baden-Württemberg und nach Környe in Ungarn. Dort investiert Henkel bereits kräftig: Rund 20 Millionen Euro sollen in den Standort in Bopfingen fließen, um die Produktion zu modernisieren und aufzufangen, was in Heidenau wegfällt. Doch es bleiben Zweifel, ob die hochspezialisierten Produkte aus Heidenau in derselben Qualität an den neuen Standorten hergestellt werden können.

Ein Konzern im Umbau: Henkel strukturiert weiter um und setzt auf Kostensenkungen. Die Schließung von Heidenau ist dabei nur ein Schritt von vielen, die bis 2025 folgen könnten.

Letztes Werk in Ostdeutschland

Mit der Schließung von Heidenau verliert Henkel seinen letzten Produktionsstandort in Ostdeutschland. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern ein Werk in Viersen geschlossen und an den Süßwarenhersteller Katjes verkauft.

Die Tendenz zu Kostensenkungen und Produktionsverlagerungen ins Ausland bleibt auch in der zweiten Phase des Umbaus bestehen. So sollen bis Ende 2025 auch in anderen Bereichen weitere Optimierungen folgen, was einen erneuten Stellenabbau mit sich bringen könnte. Wie viele Arbeitsplätze konkret betroffen sein werden, ist noch unklar.

Ein Umbau mit Folgen

Henkel befindet sich seit Frühjahr 2022 in der größten Umstrukturierung seiner Geschichte. Der Konzern fusionierte seine Konsumentenmarken, darunter Persil und Pril, mit der Kosmetiksparte zu einer neuen Einheit, um Synergien zu schaffen und Kosten zu senken.

Auch im Klebstoffbereich, einem der profitabelsten Geschäftsfelder von Henkel, wird seit Jahren optimiert. Die hohen Energiepreise und der Druck, international wettbewerbsfähig zu bleiben, zwingen Henkel dazu, Produktionsstätten wie Heidenau zu schließen.

Finanzen / Unternehmen
[InvestmentWeek] · 21.10.2024 · 20:00 Uhr
[0 Kommentare]
Natur in Argentinien
Buenos Aires (dpa) - Das Parlament in Argentinien hat eine umstrittene Reform des Gesetzes zum Schutz von Gletschern beschlossen. Die Abgeordnetenkammer stimmte nach stundenlanger Debatte mit 137 zu 111 Stimmen für die Vorlage, die den Schutz von Gletscher- und angrenzende Hochgebirgsgebiete einschränkt und neue wirtschaftliche Projekte – vor allem im […] (00)
vor 6 Minuten
Der deutsche Film verliert einen seiner größten Namen: Mario Adorf ist tot.
(BANG) - Der deutsche Film verliert einen seiner größten Namen: Mario Adorf ist tot. Der Schauspieler, der Generationen von Zuschauern prägte, starb im Alter von 95 Jahren nach kurzer Krankheit in seiner Wohnung in Paris – und hinterlässt ein Lebenswerk, das weit über Deutschland hinausstrahlt. Ob als Schurke, Patriarch oder feinsinniger […] (01)
vor 1 Stunde
iPhone 17 Modelle dominieren globale Smartphone Verkäufe im vierten Quartal 2025
Apple hat mit seiner iPhone 17 Serie im vierten Quartal 2025 die Marktführerschaft eindrucksvoll behauptet. Einem aktuellen Bericht von Counterpoint Research zufolge besetzen die neuen iPhone Modelle die Spitzenplätze der globalen Verkaufsstatistiken im genannten Zeitraum. iPhone 17 Pro Max […] (00)
vor 1 Stunde
PS6-Handheld soll stärker als Xbox sein – Leak sorgt für Aufsehen
Die nächste PlayStation ist noch nicht offiziell angekündigt und trotzdem überschlagen sich seit Monaten die Gerüchte. Dieses Mal geht es nicht nur um eine klassische Konsole. Es geht um etwas, das Sony schon einmal versucht hat und vielleicht jetzt völlig neu denkt. Ein Handheld. Und laut Leak könnte dieses Gerät deutlich stärker sein, als viele […] (00)
vor 38 Minuten
Rettungsdoku: VOX bringt «Feuer, Wasser, Erde, Luft» zurück
Vier neue Folgen werden ins Programm genommen, von denen jeweils eine im Wochenrhythmus läuft. Die VOX-Dokusoap Feuer, Wasser, Erde, Luft hatte eine etwas skurrile Geschichte hinter sich. Die Premieren-Staffel im Frühjahr 2023 wurde vorzeitig aus dem Programm genommen, nachdem die ersten Folgen nur schwache Quoten holten. Weil nach Bekanntgabe dieser Maßnahme jedoch nochmal ein Anstieg auf bis […] (00)
vor 4 Stunden
Felix Zwayer
Zürich (dpa) - Schiedsrichter Felix Zwayer ist von der FIFA für die Fußball-Weltmeisterschaft nominiert worden. Der 44-Jährige aus Berlin ist der einzige Deutsche im 52-köpfigen Aufgebot des Weltverbands für die Leitung der WM-Spiele in den USA, Mexiko und Kanada. Für Zwayer ist es eine Premiere. Der Bundesliga-Schiedsrichter pfiff bereits bei der […] (00)
vor 11 Minuten
Coppernico optioniert Schlüsselkonzessionen bei Sombrero
Vancouver, Kanada, 09.04.2026 (PresseBox) - Coppernico Metals Inc. (TSX: COPR, OTCQB: CPPMF, FWB: 9I3)  („Coppernico“ oder das „Unternehmen“) freut sich, bekannt zu geben, dass das Unternehmen eine Option auf Mineralkonzessionen mit einer Gesamtfläche von 600 Hektar („ha“) erworben hat, die an sein Zielgebiet Tipicancha auf seinem Projekt Sombrero in Peru angrenzen. Die unter Option stehenden […] (00)
vor 1 Stunde
 
Veränderungen im regulatorischen Umfeld In den letzten Wochen hat ein Anstieg der […] (00)
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Der Technologieriese Meta hat offiziell sein neuestes künstliches Intelligenzmodell […] (00)
kostenloses stock foto zu banknoten, bargeldlose gesellschaft, berlin
Am 9. April gab es keine Kryptowährung unter den Top 100, die einen zweistelligen […] (00)
Frankfurter Börse (Archiv)
Frankfurt/Main - Der Dax hat sich am Donnerstag nach einem bereits schwachen Start […] (01)
Kodiak Copper Corp. setzt auf Wachstum im Kupfersektor Die Kodiak Copper Corp. (TSX- […] (00)
Michael J. Fox geht es 'großartig', nachdem versehentlich ein Nachruf veröffentlicht wurde.
(BANG) - Michael J. Fox geht es "großartig", nachdem der US-Sender CNN versehentlich […] (00)
Tennis: ATP-Tour
Monte-Carlo (dpa) - Tennisstar Alexander Zverev hat einen Fehlstart in die […] (04)
Pure Elan Move – Klein im Format, groß im Sound
Mit dem neuen  Pure Elan Move  definiert die britische Audiomarke  Pure  tragbare […] (00)
 
 
Suchbegriff