Welterbe-Titel für Dresdner Elbtal aberkannt

25. Juni 2009, 20:36 Uhr · Quelle: dpa
Sevilla/Dresden (dpa) - Schwarzer Tag für den Denkmalschutz in Deutschland: Nach jahrelanger Diskussion ist das Dresdner Elbtal wegen des umstrittenen Baus der Waldschlößchenbrücke von der Welterbeliste gestrichen worden.

Das entschied das 21-köpfige UNESCO-Welterbekomitee bei seiner Sitzung am Donnerstag im spanischen Sevilla exakt mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit. Damit verliert erstmals weltweit eine Kulturstätte das begehrte Gütesiegel der UN- Kulturorganisation. Vor der Dresdner Frauenkirche demonstrierten am Abend rund 300 Menschen mit «Peinlich, Dresden!»-Schildern, Welterbe-Fahnen waren mit Trauerflor versehen.

Nach Auffassung der UNESCO wird die Waldschlößchenbrücke das Elbtal irreversibel zerschneiden und die Kulturlandschaft mit ihren Flussauen zerstören. Einen Tunnel hätte das Komitee als Kompromiss akzeptiert. In ersten Reaktionen bedauerten deutsche Politiker die Entscheidung und sprachen von einem Ansehensverlust Deutschlands. Die UNESCO verwies auf die grundsätzliche Möglichkeit einer Neubewerbung Dresdens für den Welterbetitel.

«Das ist ein sehr trauriger Moment», sagte die Präsidentin des Welterbekomitees, María Jesús San Segundo, sichtlich bewegt. Es sei ein großer Verlust, wenn man das Welterbe aberkenne. «Damit ist Dresden von der Liste gestrichen.» Eva-Maria Stange (SPD), Präsidentin des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz und Sachsens Kunstministerin warf der Stadt Dresden vor, «sehenden Auges ins Verderben» gelaufen zu sein. «Das ist ein schwarzer Tag für das Kulturland Sachsen und Deutschland als Kulturnation.» Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, erhob ebenfalls scharfe Vorwürfe: «Dresden hat mit dieser Sturheit dem Kulturstaat Deutschland einen Bärendienst erwiesen. Deutschland ist in der Welt blamiert.»

Dagegen verwies Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) auf die Möglichkeit einer Neubewerbung Dresdens um einen Welterbetitel. Dies habe das Welterbekomitee in Sevilla eingeräumt, sagte Orosz in Sevilla. «Es ist jetzt meine Aufgabe, dafür einen Weg zu finden.» Aus UNESCO-Kreisen hieß es jedoch, dass ein neuer Dresdner Antrag kaum Erfolgsaussichten haben dürfte. Die Brücke zerschneide die Kulturlandschaft in ihrem Herzen. Zudem würde eine Wiederaufnahme in die Welterbeliste anderen Staaten signalisieren, dass eine Verletzung der Schutzkriterien keine negativen Folgen nach sich ziehen muss. «Das wäre ein schlechtes Zeichen», hieß es.

Der Direktor des UNESCO-Welterbezentrums in Paris, Francesco Bandarin, kritisierte die Stadt Dresden. Es habe der Wille gefehlt, auf die UNESCO zu hören. Wenn immer das Gleiche, kein wirklicher Kompromiss angeboten und nicht ernsthaft umgeplant werde, führe das genau zu diesem Ergebnis. «Wir haben heute alle verloren. Hätten Sie mal auf irgendeinen Vorschlag gehört», sagte Bandarin in Sevilla. Der Welterbetitel hätte das enorme Leid, das die Stadt Dresden im Zweiten Weltkrieg erlitten habe, kompensiert. «Es ist ein schwerer Tag für uns», bekannte Bandarin.

Nach dpa-Informationen hatten 14 Mitglieder für die Aberkennung gestimmt, 5 dagegen und 2 hatten sich enthalten. Zuvor hatte das Gremium einen Antrag mit 8:13 Stimmen abgelehnt, wonach das Elbtal zunächst noch ein weiteres Jahr auf der Roten Liste (seit 2006) zu belassen und dann im kommenden Jahr über die Aberkennung abzustimmen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) betonte, dass der Bund sich immer wieder vermittelnd für eine einvernehmliche Lösung des Konflikts eingesetzt habe. Nach der Kompetenzverteilung des Grundgesetzes seien in erster Linie Länder und Kommunen zuständig für den Denkmalschutz und für die Bewahrung des Welterbes. Der Bund habe daher keinen direkten Einfluss auf das Dresdner Brückenprojekt nehmen können. «Ich kann daher nur an Länder und Kommunen appellieren, die UNESCO bei Bauvorhaben rechtzeitig zu informieren und zu beteiligen. Dann können bereits im Vorfeld Konflikte entschärft werden», erklärte Neumann.

Die Deutsche UNESCO-Kommission kritisierte Kommunikationsmängel und bot sich für künftige Fälle als Mediator an. Die Deutsche UNESCO- Kommission ist kein Zweig der UNESCO, sondern eine Mittlerorganisation zwischen Bundesregierung und UNESCO.

Die UNESCO-Entscheidung war bereits für Mittwoch erwartet worden, hatte sich aufgrund von Verzögerungen bei den Beratungen aber verschoben. Dresdens Oberbürgermeisterin Orosz hatte zuvor bei den Welterbehütern dafür geworben, eine Aberkennung bis nach der für 2011 avisierten Fertigstellung der Brücke zu vertagen. Vor dem Gremium direkt durfte sie allerdings nur eine Minute sprechen.

Eine Aberkennung des Welterbetitels hat es in der UNESCO-Geschichte bislang erst einmal gegeben - 2007 für eine Naturstätte in Oman. Das Dresdner Elbtal ist als Kulturlandschaft eingestuft und gehört damit zur Kategorie der Kulturstätten. Vor einem Jahr hatte das Komitee die Aberkennung des Titels für 2009 angekündigt, falls der Brückenbau nicht gestoppt und ein Tunnel als Alternative geprüft werde. Die Verantwortlichen in Dresden erfüllten beide Auflagen nicht.

Dagegen anerkannten die UNESCO-Vetreter in Sevilla die Bemühungen von Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan. Das alte Stadtzentrum ist wieder reguläres Welterbe. Die UNESCO hatte die von Mauern umgebene Altstadt 2003 auf die Rote Liste gesetzt. Sie befürchtete damals, dass Baumaßnahmen den Anblick der Stätte beeinträchtigen könnten. Die UN-Organisation würdigte nun aber die neuen Pläne der Behörden in Aserbaidschan. Damit sei der Erhalt des kulturellen Erbes gesichert, betonte das Welterbekomitee.

Denkmäler / UNESCO / Welterbe
25.06.2009 · 20:36 Uhr
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Christian Schaft
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