Weihnachtswahnsinn im Supermarkt: Der harte Wettbewerb der Handelsketten um die Gunst der Kunden
Die Vorweihnachtszeit steht vor der Tür und die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland stehen mal wieder vor einem großen Dilemma. Neben der Frage, womit sie ihre Liebsten beschenken und was auf dem festlichen Speiseplan stehen soll, geht eine wichtige Frage beinahe unter: Wo wird der Einkaufswagen mit Köstlichkeiten und Vorräten gefüllt? Die großen Handelsketten wie Aldi, Lidl, Rewe und Edeka liefern sich in diesen Wochen einen harten Wettbewerb um die Kunden. Mit besonderen Werbeaktionen und verlockenden Angeboten wollen sie die Verbraucher in ihre Märkte locken.
In diesem Jahr stehen die Handelsketten jedoch vor einer besonderen Herausforderung. Die anhaltende Inflation und die wirtschaftliche Unsicherheit haben seit Monaten die Kauflust der Verbraucher gedämpft. Umfragen zeigen, dass viele Menschen bei ihren Weihnachtsausgaben sparen wollen. Prognosen des Handelsverbandes Deutschland (HDE) zufolge kann die Branche insgesamt im Weihnachtsgeschäft nur mit einem kleinen Plus im Vergleich zum Vorjahr rechnen. Inflationsbereinigt droht sogar ein Minus von über fünf Prozent.
Aus diesem Grund sind die Lebensmittelhändler besonders bemüht, gute Stimmung zu verbreiten. Sie setzen bewusst auf Fröhlichkeit und Geselligkeit, um den Nerv der Verbraucher zu treffen. Denn trotz der aktuellen Krisenstimmung sind die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft gut. Die Kunden wollen ihre Familien verwöhnen und sich selbst etwas Gutes tun. Deshalb kaufen sie mehr ein als üblich und greifen zu teureren Produkten, um ein schönes Fest zu haben. Dabei spielt auch die symbolische Komponente eine Rolle, dass Menschen ihre Familie beeindrucken wollen, indem sie bestimmte Marken auf den Tisch bringen.
Bei einem Blick auf die Werbung der Handelsketten vor dem Fest fällt auf, dass alle ihre Premium-Sortimente hervorheben. Von pazifischen Felsenaustern über Kaviar bis hin zu australischen Lammkeulen bietet Lidl eine Vielzahl luxuriöser Produkte der Edel-Eigenmarke Sansibar Deluxe an. Rewe lockt mit Rezeptvorschlägen wie Kabeljaufilets an Safranschaum oder Polenta mit Rotkohl-Orangen-Salat und Putenbrustfilet. Netto, eine Tochtergesellschaft von Edeka, bietet Roastbeef und veganen Nussbraten an. Alle Handelsketten haben zudem eine große Auswahl an Getränken im Programm, um vor dem Weihnachtsbaum anzustoßen. Einer Umfrage zufolge wollen 37 Prozent der Deutschen Schaumwein zum Fest trinken.
Das Weihnachtsgeschäft ist für den Lebensmitteleinzelhandel von großer Bedeutung. Der Dezember ist die umsatzstärkste Zeit des Jahres. Im Advent steigt der wöchentliche Umsatz von etwa 3,5 Milliarden auf bis zu 4,5 Milliarden Euro in der Woche vor den Weihnachtsfeiertagen. Im letzten Jahr wurden in den zwei Wochen vor Weihnachten besonders hohe Umsätze mit Süßwaren, Wein und Sekt, Heißgetränken und Spirituosen erzielt.
Neben dem Festessen ziehen auch die Präsente die Kunden in die Lebensmittelgeschäfte. Lebensmittel gehören zu den beliebtesten Geschenkkategorien, vor allem Weine, Spirituosen und Pralinen sind gefragt. Aber auch der Nichtlebensmittelbereich spielt eine wichtige Rolle. Küchenartikel, Backzubehör, Spielwaren und Kleidung sind besonders begehrt. Für die Kunden hat es den Vorteil, dass sie alles unter einem Dach bekommen - Festessen und Geschenke auf den letzten Drücker.
Trotz der aktuellen Herausforderungen können die Lebensmittelhändler auf zarte Entspannungssignale bei den Verbraucherpreisen hoffen. Laut einer Umfrage wollen in diesem Jahr nur noch 24 Prozent der Menschen beim Weihnachtsessen sparen, im Vergleich zu 32 Prozent im Jahr 2022. Die Einsparungen rangieren damit deutlich hinter anderen Ausgaben wie Weihnachtsgeschenken oder dem Weihnachtsbaum. Das Festessen ist für viele Menschen offensichtlich unantastbar. (eulerpool-AFX)

