Weichenstellung bei der Deutschen Bahn: Ein holpriger Neustart
Der designierte Chefwechsel bei der Deutschen Bahn sorgt für erhebliche Spannungen im Aufsichtsrat. Widerstand regt sich von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) gegen die geplante Berufung von Evelyn Palla zur neuen Bahnchefin. Trotz des erfolgreichen Engagements von Palla im Regionalverkehr sieht sich ihr Aufstieg nun durch die Gewerkschaft bedroht. Grund dafür ist eine Personalentscheidung von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), der ebenfalls einen Wechsel an der Spitze von DB InfraGo beabsichtigt, was die EVG kristisch beurteilt.
Schnieders Plan, Dirk Rompf als Nachfolger von Philipp Nagl bei DB InfraGo zu installieren, sorgt für Unmut. Nagl gilt als Fachmann für die dringend notwendige Generalsanierung des Schienennetzes. Kritiker wie EVG-Chef Martin Burkert werfen Rompf eine Verbindung zu der umstrittenen Amtszeit von Ronald Pofalla nach. Die Deutsche Lokomotivführer-Gewerkschaft hingegen sieht keinen Grund zur Ablehnung von Palla.
Der anstehende Aufsichtsratstermin entwickelt sich zur Machtprobe zwischen EVG und Bundesverkehrsminister. Im Gespräch ist, ob eine Zweidrittel- oder einfache Mehrheit für die Berufung von Palla erforderlich ist. Eine Ablehnung der EVG könnte den Prozess verzögern und erstmals eine Vermittlungssitzung erzwingen, bevor eine endgültige Entscheidung fällt.
Verkehrsminister Schnieder hat auch umfangreiche Strategien vorgestellt, um die Bahn nachhaltig aus der Krise zu führen. Dennoch verzögern sich Pläne für die Generalsanierung des Schienennetzes bis 2036. Zudem wurde das Pünktlichkeitsziel für den Fernverkehr von 70 Prozent auf Ende 2029 verschoben. Diese Ankündigungen stoßen beim Fahrgastverband Pro Bahn auf Skepsis, der mehr finanzielle Mittel und Ehrgeiz bei der Pünktlichkeit fordert.

