Wegbereiter der Verkehrswende: Neubau der Strecke Hannover-Hamburg rückt in greifbare Nähe
Die Debatte um die geplante Neubaustrecke zwischen Hannover und Hamburg nimmt an Fahrt auf. Mehrere Organisationen, darunter Fridays for Future, die Allianz pro Schiene, Jusos Niedersachsen und der Verkehrsclub Deutschland (VCD), appellieren in einem offenen Brief an die verkehrspolitischen Sprecher der Koalitionsfraktionen, das Projekt zu unterstützen. Eine Entscheidung des Verkehrsausschusses des Bundestages steht voraussichtlich Ende Januar an.
Der dringende Handlungsbedarf wird von den Initiatoren des Schreibens besonders hervorgehoben: Verspätungen und Zugausfälle prägen die aktuelle Situation für Passagiere und den Güterverkehr. Nur eine neue Strecke könne die notwendigen Kapazitäten schaffen, um mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern und damit die ambitionierten Klimaziele zu erreichen. Der Aufruf ist eindringlich: „Machen Sie Nägel mit Köpfen, damit der Deutschlandtakt vorankommt!“
Die Initiativen sind sich bewusst, dass es lokal Widerstand gegen das Projekt gibt. Doch sehen sie Chancen, über die parlamentarische Arbeit die Bedenken zu adressieren, indem zum Beispiel ein effektiver Lärmschutz und eine flächenschonende Streckenführung entlang der Autobahn A7 berücksichtigt werden.
Trotz der großen Unterstützung gibt es auch kritische Stimmen. Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne von der SPD hatte unlängst die finanziellen Grundlagen des Vorhabens hinterfragt, da die variierenden Kostenannahmen verbindliche Entscheidungen erschweren. Kritiker bemängeln zudem potenzielle Naturbeeinträchtigungen in der Lüneburger Heide, das schleppende Tempo der Planungen sowie die hohen Kosten von bis zu 14,1 Milliarden Euro.
Das Bundesverkehrsministerium stuft das Projekt dennoch als wirtschaftlich ein. Die Bahn verteidigt den Plan mit dem Argument der zunehmenden Nachfrage im Personen- und Güterverkehr. Die aktuell vorhandene Infrastruktur sei mit täglich rund 245 Zügen stark überlastet. Die Fertigstellung der neuen Trasse wird für frühestens 2050 erwartet. Die Städte Hamburg, Hannover, Lüneburg sowie der Landkreis Lüneburg stehen hinter dem Neubau.

