Wechsel an der Spitze der Washington Post: Will Lewis tritt zurück

Will Lewis, der Herausgeber und Geschäftsführer der Washington Post, tritt von seinem Posten zurück. Nur wenige Tage nach der Ankündigung massiver Entlassungen bei dem renommierten Blatt zieht Lewis die Konsequenzen. In einer Mitteilung, die unter anderem von CNN aufgegriffen wurde, erklärte Lewis, dass schwierige, aber notwendige Entscheidungen getroffen wurden, um die finanzielle Stabilität der Zeitung sicherzustellen. Jeff D’Onofrio, bisheriger Finanzchef, übernimmt mit sofortiger Wirkung kommissarisch Lewis’ Aufgaben. Seit Mittwoch ist bekannt, dass die fast 150 Jahre alte Zeitung aufgrund finanzieller Schwierigkeiten umfangreiche Sparmaßnahmen plant. Rund ein Drittel der Belegschaft, etwa 300 Journalisten, werden entlassen. Besonders betroffen sind die Sportredaktion, das Literaturressort und die Auslandsberichterstattung.
Die Nachricht löste sowohl bei der Belegschaft als auch in der breiten Medienlandschaft Proteste und Kritik aus. Im Fokus steht auch Amazon-Gründer Jeff Bezos, der seit 2013 Eigentümer des Blattes ist. Die Mitarbeitervertretung stellt infrage, ob Bezos noch bereit ist, in die journalistische Integrität der Zeitung zu investieren, die das Blatt seit Generationen prägt. Laut Chefredakteur Matt Murray will Bezos jedoch an seiner Eigentümerrolle festhalten.
Bezos selbst betonte, dass die Zeitung eine wichtige journalistische Aufgabe erfüllt und sich auf datengetriebene Themen konzentrieren solle. Die Washington Post konnte mit ihrer Berichterstattung mehrfach Geschichte schreiben, unter anderem durch die Aufdeckung des Watergate-Skandals in den 1970er-Jahren. Die aktuelle Situation wirft jedoch Fragen über die zukünftige Ausrichtung und Unabhängigkeit des Blattes auf.

