Washington steigt mit Milliardenbeteiligung bei Intel ein
Die US-Regierung übernimmt für 8,9 Mrd. Dollar einen Anteil von knapp 10 Prozent am Chipkonzern Intel. Die Beteiligung erfolgt über Mittel aus dem 2022 verabschiedeten Chips Act, die bislang nicht ausgeschüttet waren. Damit erhält Washington erstmals direkten Zugang zum Eigenkapital eines der größten US-Halbleiterproduzenten – ein deutlicher Schritt hin zu einer aktiveren Industriepolitik.
Intel teilte am späten Freitag mit, dass die Aktien zu 20,47 Dollar je Stück erworben werden, deutlich unter dem Schlusskurs von 24,80 Dollar. Zusätzlich erhält die Regierung ein fünfjähriges Warrant-Recht auf weitere 5 Prozent zu 20 Dollar pro Aktie – allerdings nur, falls Intel die Mehrheit an seiner Foundry-Sparte abgeben sollte. Diese produziert Chips im Auftrag anderer Unternehmen und gilt als Sorgenkind mit Milliardenverlusten.
Konzernchef Lip-Bu Tan bekräftigte, an dem Geschäft festhalten zu wollen, auch wenn er das Engagement in den modernsten Fertigungsstufen zurückfahren könnte, sollte Intel nicht bald Großkunden gewinnen. Erst vor Tagen war bekannt geworden, dass Tan Gespräche mit SoftBank-Gründer Masayoshi Son über einen möglichen Verkauf des Foundry-Geschäfts geführt hatte. SoftBank kündigte unterdessen an, selbst Intel-Aktien im Wert von 2 Mrd. Dollar zu erwerben.
Die Vereinbarung entlastet Intel zugleich beim Erfüllen der Förderkriterien des Chips Act, nachdem der Konzern jüngst den Bau mehrerer Werke – darunter das Megaprojekt in Ohio – verlangsamt hat. Ob die ursprünglich zugesagten 10,9 Mrd. Dollar Fördermittel vollständig fließen, ist offen. 2024 hatte Intel im Chipgeschäft einen operativen Verlust von 13 Mrd. Dollar ausgewiesen.
An den Börsen wurde die Ankündigung positiv aufgenommen: Die Intel-Aktie stieg am Freitag um 5,5 Prozent. Präsident Donald Trump nannte den Einstieg einen „great Deal for America“, verbunden mit der Botschaft, dass Schlüsseltechnologien wie modernste Halbleiter künftig in den USA produziert werden müssten.

