Was ist ein Plattfuß und wie entsteht er?

Einführung in die Anatomie des Plattfußes
Die menschlichen Füße sind komplexe Strukturen, die aus 26 Knochen, 33 Gelenken und über 100 Muskeln, Sehnen und Bändern bestehen. Das Fußgewölbe, das aus dem Längs- und Quergewölbe besteht, ist für die Abfederung und Verteilung des Körpergewichts beim Gehen und Stehen unerlässlich. Doch was passiert, wenn dieses architektonische Meisterwerk kollabiert und flach auf dem Boden aufliegt? Hier tritt der sogenannte Plattfuß, auch Pes planus genannt, in Erscheinung.
Ein Plattfuß erklärt sich durch ein Absenken oder ein vollständiges Verschwinden des Fußgewölbes. Dieser Zustand kann angeboren oder erworben sein und variiert stark in seiner Ausprägung und Symptomatik. Obwohl Plattfüße oft als kosmetisches Problem abgetan werden, können sie ernsthafte biomechanische und gesundheitliche Nachteile mit sich bringen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für Plattfüße sind vielfältig und können sowohl genetisch als auch erworben sein. Bei Kindern ist der Plattfuß häufig angeboren und tritt auf, wenn das Fußgewölbe sich nicht vollständig entwickelt. Historisch gesehen haben viele Kinder bis zum Alter von etwa fünf Jahren flexible Plattfüße, die sich normalerweise ohne Intervention auf natürliche Weise korrigieren.
Erworbene Plattfüße hingegen sind häufiger bei Erwachsenen zu beobachten und resultieren aus unterschiedlichen Faktoren wie Verletzungen, Überlastung, Arthrose oder sogar neurologischen Erkrankungen. Übergewicht und Fettleibigkeit können das Risiko zusätzlich erhöhen, da sie die Belastung auf die Füße signifikant steigern. Auch das Tragen von unpassendem oder minderwertigem Schuhwerk kann zur Entstehung von Plattfüßen beitragen.
Diagnose: Von der Selbstbeobachtung zur ärztlichen Untersuchung
Die Diagnose eines Plattfußes kann auf unterschiedliche Weisen erfolgen. Oft beginnt sie mit der Selbstbeobachtung, wenn beim Betrachten des Fußabdrucks auffällt, dass das Fußgewölbe fehlt. Ein häufiger Selbsttest ist der sogenannte Wasserfußabdruck-Test, bei dem man den nassen Fuß auf eine trockene Oberfläche steht und den Abdruck untersucht.
Zur professionellen Diagnose zieht man meistens einen Orthopäden oder Podologen zu Rate. Zunächst erfolgt eine gründliche Anamnese, bei der die medizinische Vorgeschichte des Patienten besprochen wird. Anschließend wird der Fuß physisch untersucht. Der Arzt prüft die Beweglichkeit der Fußgelenke und sucht nach Zeichen von Überlastung oder Entzündungen. Zudem kann eine Ganganalyse durchgeführt werden, um mögliche Unregelmäßigkeiten im Gangbild zu erkennen.
Bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT oder CT kommen zum Einsatz, wenn der Verdacht auf zugrunde liegende Knochen- oder Weichteilveränderungen besteht. Spezielle Tests, wie der Hubscher-Manöver, bei dem man auf den Zehenspitzen steht, können Aufschluss über die Flexibilität des Fußes geben.
Folgen und Komplikationen
Obwohl viele Menschen mit Plattfüßen asymptomatisch sind und keine Schmerzen haben, können sich bei anderen erhebliche Beschwerden entwickeln. Typische Symptome umfassen Schmerzen und Schwellungen im Fußgewölbe, in den Fersen und entlang der Innenseite des Fußes. Über längere Zeit können Plattfüße zu Überbelastungsproblemen in den Knien, Hüften und im unteren Rücken führen. Das Fehlen des Fußgewölbes kann die natürliche Stoßdämpfung beeinträchtigen und zu einer Fehlverteilung des Körpergewichts führen. Dies kann Entzündungen der Plantarfaszie, auch Plantarfasziitis genannt, verursachen, eine schmerzhafte Erkrankung, die die Unterseite des Fußes betrifft. Langfristig kann ein unbehandelter Plattfuß zu Arthrose in den Fußgelenken führen, was die Beweglichkeit und Lebensqualität erheblich einschränken kann. Auch das Risiko für Belastungsfrakturen und Sehnenentzündungen steigt. Fazit: Den Grundstein für gesunde Schritte legen Der Plattfuß mag auf den ersten Blick harmlos erscheinen, doch sein Einfluss auf die gesamte Körperstatik und -mechanik sollte nicht unterschätzt werden. Eine frühzeitige Diagnose, das Tragen von Einlagen oder bestimmte Schuhen und adäquate Behandlung können helfen, langwierige Beschwerden und Komplikationen zu vermeiden. In einer Gesellschaft, die von Bewegung und Mobilität geprägt ist, verdient das Fundament aus Knochen, Muskeln und Sehnen besondere Aufmerksamkeit, um das körperliche und geistige Wohlbefinden langfristig zu sichern.

