Warum der Dax 2026 zur Bewertungsfalle werden könnte
Gewinne stagniert, Kurse gestiegen
Rückblickend war 2025 für viele Dax-Unternehmen ein Jahr der Enttäuschung. Noch vor zwölf Monaten hatten Analysten im Schnitt mit einem Gewinnwachstum von rund zwölf Prozent gerechnet. Tatsächlich blieb davon kaum etwas übrig. Nach Berechnungen auf Basis von Bloomberg-Daten erzielten die 40 Dax-Konzerne zuletzt einen Nettogewinn von rund 113 Milliarden Euro – kaum mehr als die 111 Milliarden Euro des Vorjahres.
Trotz dieser Stagnation legte der Dax deutlich zu. Der Index gewann im Jahresverlauf mehr als 20 Prozent. Die Folge: Aktien sind teurer geworden, ohne dass die Gewinne Schritt gehalten hätten.
Der Dax ist klar höher bewertet als im Schnitt
Gemessen an den in den vergangenen vier Quartalen erzielten Gewinnen wird der Dax aktuell mit dem 17,3-Fachen des Gewinns bewertet. Das langfristige Mittel der vergangenen 20 Jahre liegt bei etwa 14,3. Damit notiert der Leitindex rund 20 Prozent über seiner historischen Durchschnittsbewertung.
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Betrachtung der erwarteten Gewinne für die kommenden vier Quartale. Auf dieser Basis liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 15,5 – ebenfalls rund 20 Prozent über dem langjährigen Mittel. Diese Bewertung setzt voraus, dass die Gewinne 2026 wie von Analysten prognostiziert um rund 13 Prozent steigen.
Warum Analysten wieder auf Gewinnwachstum setzen
Für die optimistischeren Prognosen nennen Marktbeobachter mehrere Gründe. Erwartet wird, dass die Aufwertung des Euro an Dynamik verliert, die deutsche Konjunktur wieder leicht anzieht und politische Unsicherheiten abnehmen. Unter diesen Annahmen erscheint ein zweistelliges Gewinnwachstum grundsätzlich plausibel.
Gleichzeitig gibt es Zweifel an der Tragfähigkeit dieser Annahmen. Belastungsfaktoren wie ein weiterhin relativ starker Euro, hohe Energiepreise und vor allem deutlich gestiegene Zölle für deutsche Exporte in die USA wirken dämpfend. Einige Ökonomen halten daher ein Gewinnwachstum von lediglich sechs bis acht Prozent für realistischer.
Drei mögliche Szenarien für 2026
Aus diesen Annahmen ergeben sich drei zentrale Szenarien für den Dax im kommenden Jahr.
Erstens: Der Dax steigt im Gleichklang mit den Unternehmensgewinnen. Sollten die Gewinne tatsächlich um rund 13 Prozent zulegen und der Index entsprechend folgen, bliebe die Bewertung auf dem aktuellen, bereits erhöhten Niveau. Der Markt würde teuer bleiben, aber nicht weiter überhitzen.
Zweitens: Der Dax stagniert oder korrigiert. In diesem Fall würden steigende Gewinne die Bewertung nach und nach relativieren. Je nachdem, wie stark der Index nachgibt, könnte sich die Bewertungslücke teilweise oder vollständig schließen.
Drittens: Der Dax legt erneut kräftig zu, etwa um weitere 20 Prozent. Dieses Szenario würde die Überbewertung weiter verschärfen. Der Index wäre dann deutlich teurer als historisch üblich – ein Zustand, der nur schwer zu rechtfertigen wäre, sofern sich die Gewinnperspektiven nicht deutlich über 2026 hinaus aufhellen.
Optimismus mit begrenzter Fantasie
Ein stark steigender Dax wäre vor allem dann denkbar, wenn sich im Laufe des Jahres die Aussichten für 2027 spürbar verbessern und Analysten ihre langfristigen Gewinnschätzungen nach oben anpassen. Aktuell fehlt vielen Marktbeobachtern jedoch die Fantasie für ein solches Szenario.
Damit bleibt der Dax zum Jahresende 2025 in einer anspruchsvollen Ausgangslage: Die Hoffnung auf steigende Gewinne ist groß – die Bewertung aber bereits ambitioniert. Für Anleger wird 2026 daher weniger eine Frage der Indexhöhe als der Ertragsentwicklung der Unternehmen selbst.


