Walmart hebt Preise an – Zölle drücken auf Margen, Kundenverhalten bleibt stabil
Walmart hat angekündigt, ab diesem Monat und im Frühsommer die Preise schrittweise anzuheben – eine direkte Folge neuer Importzölle auf Waren aus China. CFO John David Rainey sprach von einem „beispiellosen Tempo“, mit dem die Preissteigerungen nun im Handel ankommen. Der Handelskonzern gibt die gestiegenen Beschaffungskosten teilweise an die Verbraucher weiter, will jedoch strategisch einige Preisniveaus halten, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Das Unternehmen rechnet kurzfristig nicht mit einer vollständigen Durchreichung der Zollkosten an die Kunden. Vielmehr deutet Rainey an, dass Walmart bereit ist, einen Teil der Kosten selbst zu tragen. Eine offizielle Gewinnprognose für das laufende Quartal blieb aus – ein seltenes Signal von Vorsicht in einem ansonsten robusten Umfeld.
Trotz der unsicheren Lage zeigte sich Walmart operativ stabil: Der Umsatz auf vergleichbarer Basis – also in Filialen und im E-Commerce, die seit mindestens zwölf Monaten bestehen – stieg im Quartal bis Anfang Mai um 4,5 Prozent. Die Aktie legte im vorbörslichen Handel rund zwei Prozent zu.
Ein Beispiel für die beginnende Preisweitergabe: Bananen, eines der meistverkauften Produkte bei Walmart, kosten jetzt 54 statt 50 Cent pro Pfund. Zuvor hatte die US-Regierung Zölle auf chinesische Waren kurzfristig von 145 auf 30 Prozent gesenkt – ein symbolischer Schritt, der dennoch spürbare Preiswirkungen hat.
Walmart profitierte in den letzten Jahren stark von der Nachfrage in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Höhere Preise für Grundbedarfsartikel wie Lebensmittel oder Kinderbetreuung sorgten dafür, dass Kunden verstärkt auf Discounterangebote, Eigenmarken und sogenannte „Rollbacks“ zurückgriffen – zeitlich begrenzte Preisnachlässe. Besonders auffällig: Ein Anstieg wohlhabender Haushalte unter den Walmart-Kunden beim Lebensmitteleinkauf.
Auch das Online-Geschäft entwickelt sich solide: Der globale E-Commerce-Umsatz wuchs im abgelaufenen Quartal um 22 Prozent. Während viele Unternehmen wegen der unberechenbaren Zollpolitik ihre Erwartungen senkten, ließ Walmart seine Jahresprognose unverändert – ein Zeichen von relativer Resilienz im schwierigen Umfeld.
Die eigentliche Belastung der US-Verbraucher durch den Handelskonflikt steht laut Rainey aber noch aus. Viele Einzelhändler hatten ihre Lager gefüllt oder Lieferungen verzögert, um die Zollwelle abzufedern. Die strukturelle Wirkung auf das Preisniveau dürfte sich deshalb erst im zweiten Halbjahr stärker bemerkbar machen.

