Walmart hebt Preise an – US-Zollpolitik treibt Inflation an die Oberfläche
Walmart hat den Anfang gemacht – und setzt damit ein klares Zeichen: Die gestiegenen Importzölle schlagen nun spürbar auf die Verbraucherpreise durch. Ab Ende Mai will der weltgrößte Einzelhändler die Preise für eine Vielzahl von Waren schrittweise erhöhen. Chief Financial Officer John David Rainey sprach von einer Dynamik, die in dieser Form „historisch beispiellos“ sei.
Bisher wirkten sich die Zölle von Präsident Donald Trumps protektionistischer Handelspolitik nur gedämpft auf die Inflation aus. Das ändert sich nun. Die Unternehmensführung verweist explizit auf die Belastungen durch die Importabgaben – ein ungewöhnlich offenes Statement in einem angespannten politischen Umfeld. Analysten werten dies als Beleg dafür, dass der Spielraum zur internen Kostendämpfung vielerorts ausgeschöpft ist.
„Wenn Walmart die Preise erhöht, wird der Rest des Einzelhandels folgen – wenn nicht bereits geschehen“, sagte UBS-Ökonom Alan Detmeister. Laut aktuellen Prognosen dürfte die Inflation in den USA bei gleichbleibendem Zollniveau von 2,3 % im April auf rund 3,3 % binnen zwölf Monaten steigen.
Die Kombination aus Zöllen und einem schwächelnden Dollar hat die Importkosten zuletzt auf breiter Front verteuert. Viele Unternehmen hatten ihre Lager vorab gefüllt, um Preissteigerungen hinauszuzögern. Doch diese Polster schwinden. „Der Einzelhandel ist margenschwach. Walmart hat keine Wahl“, kommentierte Jason Furman, Wirtschaftsprofessor an der Harvard University.
Auch andere Branchen stellen sich auf steigende Preise ein. Ford kündigte vergangene Woche Preisaufschläge von bis zu 2.000 Dollar auf mehrere Modelle an, die in Mexiko gefertigt werden. Die neuen Listenpreise gelten ab Ende Juni. CEO Jim Farley warnte, dass Fahrzeuge mit Importanteil bald mit über 5.000 Dollar an Zöllen belastet sein könnten.
Besonders betroffen sind Schuh- und Textilhersteller. On Holding, ein Schweizer Sportartikelhersteller, kündigte für Juli Preiserhöhungen auf dem US-Markt an. Ähnliche Signale kommen aus der Modebranche.
Die Lage trifft die US-Notenbank zur Unzeit. Nach dem postpandemischen Inflationsschub hatte sich die Teuerung zuletzt deutlich beruhigt. Mit 2,3 % im April liegt sie auf dem tiefsten Stand seit vier Jahren. Doch die Inflationserwartungen steigen wieder: Laut Umfrage der New Yorker Fed rechnen Konsumenten nun mit 3,6 % – der höchste Wert seit Herbst 2023.
Auch Produzenten stellen sich auf höhere Preise ein. Laut Philadelphia Fed planen Hersteller in der Region im Schnitt Preissteigerungen von 3,8 % binnen Jahresfrist – nach 3,0 % im Februar.
Walmart-CEO Doug McMillon zeigte sich dennoch optimistisch. In einer Analystenkonferenz lobte er jüngste Fortschritte bei Handelsgesprächen mit China und äußerte die Hoffnung auf eine langfristige Lösung. Doch bis dahin bestimmen Unsicherheit und Preisanpassungen das Bild. Der Damm ist gebrochen.

