VW verfehlt Kostenziele: Zwei Werke stehen vor der Bewährungsprobe
Kostensenkungen – aber unter Plan
Zwar meldet der Konzern deutliche Fortschritte. In Wolfsburg, Emden und Zwickau seien die Kosten im Schnitt um fast 30 Prozent gesunken. Doch nach Informationen aus Konzernkreisen wurden Auslastungs- und Effizienzziele dennoch verfehlt.
Auch das Nutzfahrzeugwerk in Hannover kämpft weiterhin mit zu hohen Fabrikkosten.
Die Vereinbarung zwischen Management und Gewerkschaft sieht quartalsweise Reviews vor. Werden die Zielwerte bis Ende 2026 nicht erreicht, drohen erneute Standortdebatten.
Ein VW-Sprecher betont, man sei „auf einem guten Weg“, die Ziele fristgerecht zu erfüllen. Konkrete Zielstände nennt der Konzern nicht.
Emden: „Zwei Jahre Zeit erkauft“
Das Werk in Emden gilt intern als besonders exponiert. Bereits im Herbst 2024 brachte das Management im Zuge der Tarifverhandlungen erstmals Werksschließungen ins Spiel – ein Tabubruch aus Sicht der Arbeitnehmervertretung.
Betriebsrat und IG Metall verhinderten eine Eskalation, akzeptierten im Gegenzug jedoch strenge Sparauflagen.
Manfred Wulff, Betriebsratschef in Emden, formulierte es offen: Mit der Vereinbarung habe man sich „zwei Jahre Zeit erkauft“. Entscheidend wird sein, ob das Nachfolgemodell des ID.4 ab 2031 in Ostfriesland produziert wird. Ohne Kostenerreichung droht der Verlust dieser Perspektive.
Zwickau: Sinkende Stückzahlen trotz Effizienzoffensive
Auch in Zwickau bleibt die Lage angespannt. Zwar wurden 2025 über 210.000 Fahrzeuge produziert – mehr als im Vorjahr. Doch 2023 lag die Produktion noch bei fast 250.000 Einheiten. Die Tendenz für die kommenden Jahre ist eher rückläufig.
Um gegenzusteuern, soll der Standort zusätzliche Aufgaben im Recycling übernehmen. Das stabilisiert die Struktur, ersetzt jedoch keine fehlende Auslastung im Kerngeschäft.
Bleiben die Zielwerte außer Reichweite, rückt auch hier die Standortfrage erneut in den Fokus.
Wolfsburg als „Gamechanger“-Standort gesetzt
Das Stammwerk in Wolfsburg gilt dagegen als strategisch gesichert. Hier plant Volkswagen massive Investitionen in die nächste Fahrzeuggeneration, inklusive einer neuen Fertigungslinie mit Großguss-Technologie für den elektrischen ID.Golf – intern als „Gamechanger“ bezeichnet.
Gleichwohl gibt es operative Probleme: veraltete Anlagen, Schichtausfälle und Effizienzdefizite. Wolfsburg bleibt Herzstück des Konzerns – aber auch hier steht die Modernisierung unter Zeitdruck.
Die unterschiedliche Behandlung der Werke sorgt intern für Spannungen. In Führungskreisen wird offenbar zurückhaltend mit detaillierten Leistungskennzahlen umgegangen. Transparente Vergleiche fehlen, was in einzelnen Standorten für Unmut sorgt.
Milliardenprogramm mit offenem Ausgang
Volkswagen muss bis Ende des Jahrzehnts allein in Deutschland jährlich rund 15 Milliarden Euro einsparen. Konzernweit lag das Ziel zuletzt bei 18 Milliarden Euro. Ob diese Marke vollständig erreicht wurde, ist intern noch nicht abschließend geklärt.
Gleichzeitig überraschte der Konzern mit einem deutlich besseren Netto-Cashflow von rund sechs Milliarden Euro – erwartet worden war zuvor nahezu null. Für Dividende und Vorstandsboni ist diese Kennzahl entscheidend.
Doch der operative Kern bleibt die Fabrik.
Wenn Auslastung und Effizienz nicht stimmen, nützen selbst solide Liquiditätszahlen wenig.
Entscheidung mit Signalwirkung
Ende 2026 fällt die strategische Bewertung. Dann zeigt sich, ob Emden und Zwickau ihre Kostenziele erreicht haben – oder ob die Debatte um Werksschließungen zurückkehrt.
Für Volkswagen ist das mehr als eine Standortfrage.
Es ist ein Test, ob der Transformationskurs im Heimatmarkt gelingt – oder ob strukturelle Wettbewerbsnachteile dauerhaft bleiben.


