Krieg in der Ukraine

Viele Tote bei Luftangriffen - Kiew fordert neue Sanktionen

28. August 2025, 15:35 Uhr · Quelle: dpa
Bei den schwersten russischen Angriffen seit Juli starben in Kiew 18 Menschen, einschliesslich vier Kinder. Präsident Selenskyj verlangt internationale Reaktionen und neue Sanktionen. (45 Wörter)

Kiew/Moskau (dpa) - Bei den schwersten russischen Luftangriffen mit Raketen und Drohnen auf die Ukraine seit Ende Juli sind nach offiziellen Angaben mindestens 18 Menschen in der Hauptstadt Kiew getötet worden. Dazu zählten auch vier Kinder, erklärte der Chef der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, auf Telegram. Laut Behörden gab es rund 50 Verletzte. Auch die EU-Vertretung und das britische Kulturinstitut in Kiew wurden beschädigt.

«Schreckliches und absichtliches Töten von Zivilisten. Die Russen wollen den Krieg nicht beenden, nur neue Schläge», schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Plattform X. 

Das russische Verteidigungsministerium behauptete hingegen, die Angriffe hätten Rüstungsbetrieben und ukrainischen Luftwaffenstützpunkten gegolten. Alle Ziele seien getroffen worden, hieß es.

Russland griff die Ukraine seit Mittwochabend nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe mit 629 Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern an. 589 anfliegende Ziele habe die Flugabwehr zerstört. Russland habe auch 2 Hyperschallraketen vom Typ Kinschal (Dolch), 9 ballistische Raketen vom Typ Iskander sowie 20 Marschflugkörper vom Typ X-101 eingesetzt, hieß es weiter. Einschläge habe es an 13 Orten im Land gegeben, zudem seien an 26 Stellen Trümmer abgeschossener Waffen eingeschlagen.

«Die russischen Kriegsverbrecher werden auf jeden Fall bestraft», hieß es in der Mitteilung der Luftstreitkräfte weiter. Explosionen wurden auch aus den Städten Sumy im Norden sowie Dnipro und Saporischschja im Süden gemeldet.

Aufgrund von Schäden am Eisenbahnknotenpunkt Kosjatyn im Gebiet Winnyzja südwestlich von Kiew hatte über ein Dutzend Passagierzüge nach Angaben der ukrainischen Eisenbahn stundenlange Verspätungen. Auf einem Teilstück musste Schienenersatzverkehr eingerichtet werden. Schäden gab es demnach auch in einem Eisenbahndepot. Dabei brannte ein Intercity-Zug aus.

EU-Vertretung in Kiew beschädigt

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte Russland auf, das Töten zu beenden und sich an den Verhandlungstisch zu begeben. «Während die Welt einen Weg zum Frieden sucht, antwortet Russland mit Raketen», schrieb sie auf der Plattform X. Mit seinen nächtlichen Angriffen auf Kiew verspotte Russland die Friedensbemühungen.

Wegen der Schäden an der EU-Vertretung in Kiew warf der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha Russland auf der Plattform X vor, gezielt Diplomaten ins Visier genommen zu haben. EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos verurteilte die «brutalen Angriffe» auf X. «Ein klares Zeichen, dass Russland Frieden ablehnt & den Terror wählt», schrieb Kos, die auch Fotos von Schäden am Gebäude veröffentlichte. Laut EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sind alle Mitarbeiter in Sicherheit.

Die Einrichtungen des British Council wurden nach Angaben des Kulturinstituts schwer beschädigt und bleiben vorerst geschlossen. Schäden in ihren Büros meldete auch die Redaktion der beliebten Onlinezeitung «Ukrajinska Prawda». Auf von Behörden veröffentlichten Videos und Fotos waren schwere Verwüstungen in einem teils eingestürzten Wohnhaus und ausgebrannte Autos zu sehen. Es gab Berichte über zahlreiche Schäden und mehrere Brände.

Selenskyj fordert von China Druck auf Russland

Die russischen Drohnen- und Raketenschläge seien Moskaus Antwort auf den seit Wochen und Monaten geforderten Waffenstillstand und die Aufrufe zu echter Diplomatie, kritisierte Selenskyj. Russland nutze es aus, dass ein Teil der Welt sich blind stelle, wenn Kinder getötet würden. 

Mit Blick auf die am Sonntag beginnende mehrtägige China-Reise von Kremlchef Wladimir Putin forderte Selenskyj Peking zu einer Reaktion auf die russischen Angriffe auf. China habe wiederholt dazu aufgerufen, den Krieg nicht auszuweiten und die Kampfhandlungen einzustellen. Er verlangte auch von Ungarn und anderen Staaten, ihr Schweigen zu brechen. 

Es sei Zeit für neue Sanktionen gegen Russland, das alle Fristen verstreichen lasse und Dutzende diplomatische Initiativen ruiniert habe, sagte Selenskyj. Moskau müsse für jeden Schlag zur Verantwortung gezogen werden.

Ukraine schickt Unterhändler in die USA

Selenskyj schickte unterdessen seine Chefunterhändler zu Gesprächen über Sicherheitsgarantien für sein von Russland angegriffenes Land in die USA. Präsidialamtschef Andrij Jermak und Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow sollen am Freitag in New York mit Vertretern der Regierung von US-Präsident Donald Trump sprechen, wie er in Kiew ankündigte. Seitens der Amerikaner bestätigte Trumps Unterhändler Steve Witkoff das Treffen.

«Alle, die an den Sicherheitsgarantien arbeiten – an den militärischen, politischen und wirtschaftlichen Komponenten der Sicherheitsgarantien –, werden einbezogen», sagte Selenskyj in einer abendlichen Videoansprache. «Die Russen müssen sehen, wie ernst es der Welt ist und wie schlimm die Folgen für Russland sein werden, wenn der Krieg weitergeht.»

Gespräche über Sicherheitsgarantien

Bei den Sicherheitsgarantien geht es darum, die Ukraine nach einem Ende des Krieges vor einem Wiederaufflammen russischer Aggression zu schützen. Die USA planen, sich zu beteiligen, die militärische Hauptlast soll aber bei den Europäern liegen. Russland lehnt Truppen aus Nato-Ländern in der Ukraine bislang strikt ab.

Nach Angaben Selenskyjs sollen außerdem mögliche Orte für ein Treffen mit Kremlchef Putin erkundet werden. Dabei waren die ukrainischen Vertreter am Dienstag zu Besuch im Golfstaat Katar, am Mittwoch in Saudi-Arabien. Für Donnerstag waren Gespräche in der Schweiz geplant. Putin will indes erst dann mit einem Vertreter der Ukraine sprechen, wenn es eine fertig ausgehandelte Lösung für ein Ende des Krieges gibt.

Russland führt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine seit mehr als dreieinhalb Jahren. 

Ukraine greift zwei Raffinerien in Russland an

Die Ukraine setzte ihren Abwehrkampf auch mit Drohnenangriffen in Russland fort. In der Nacht wurden zwei weitere Ölraffinerien getroffen: eine im südrussischen Gebiet Krasnodar, eine im Wolgagebiet Samara. Angaben zum Ausmaß der Schäden gab es nicht. Der ukrainische Generalstab übernahm für beide Angriffe die Verantwortung.

Die Ukraine führt immer wieder Schläge gegen die Öl- und Gasindustrie in Russland. Durch Drohnentreffer auf Raffinerien hat Russland nach Medienberichten bis zu 17 Prozent der Kapazität zur Ölverarbeitung verloren. In vielen Regionen herrscht Treibstoffmangel. Die Benzinpreise sind massiv gestiegen.

Krieg / Konflikte / Ukraine / Russland
28.08.2025 · 15:35 Uhr
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