Verhandlungsstart mit mulmigen Gefühlen

25. Januar 2018, 22:11 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Jetzt geht es also los. So richtig. An diesem Freitag starten CDU, CSU und SPD mit Koalitionsverhandlungen, um der Republik eine neue Regierung zu bescheren - geschlagene vier Monate nach der Wahl. Aufbruchstimmung mag sich nicht so recht einstellen.

Viele gehen mit einem mulmigen Gefühl in die Verhandlungen, insbesondere bei der SPD. Die Genossen haben harte Tage und Wochen hinter sich - und nun noch härtere vor sich. Was übrig bleiben wird von der Partei und ihrer Führungsriege - und ob Deutschland in ein paar Wochen tatsächlich eine neue Regierung hat, ist ungewiss. Auch für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist das eine beunruhigende Ausgangslage.

Die SPD-Führung startet leicht traumatisiert in die Gespräche. Beim Parteitag in Bonn am vergangenen Sonntag sagte nur eine hauchdünne Mehrheit Ja zu Koalitionsverhandlungen mit der Union. Eine Demütigung für Parteichef Martin Schulz und seine Führungsmannschaft. Wie lässt sich eine derart zerrissene Partei einen? Wie stellt man sich in einem solchen Zustand für Koalitionsverhandlungen auf? Und vor allem: Wie lässt sich der SPD-Mitgliederentscheid überstehen, dessen Ausgang über einen Koalitionsvertrag seit Bonn unberechenbarer ist denn je?

Um über diese Fragen zu beraten, hat Schulz die Parteispitze, die Ministerpräsidenten, Bundesminister und die Mitglieder des Sondierungsteams in der SPD-Zentrale zusammengetrommelt. Hinter verschlossenen Türen beraten die Genossen über Strategien, legen Verhandlungsteams und Abläufe fest. Es geht aber auch um das sozialdemokratische Gemüt und um den dringenden Versuch, den Laden irgendwie zusammenzuhalten. «Teambuilding» nennt das ein Genosse beim Reingehen ins Willy-Brandt-Haus.

Bis in den Abend beraten die SPD-Oberen dort. Keiner hat ein Interesse daran, dass es nach außen hin so aussieht, als ginge die SPD hastig in die Verhandlungen. Das käme bei der Basis schlecht an. Es muss schon nach einem Ringen aussehen, nach einer hinreichend schmerzhaften Angelegenheit. Das gilt für das Vorbereitungstreffen, aber auch für die eigentlichen Verhandlungen.

Bei der Bildung einer stabilen Regierung gehe «Sorgfalt vor Schnelligkeit», sagt Schulz, als er das weitere Vorgehen verkündet: die Abfolge von verschiedenen Formaten in den nächsten Tagen - mal nur die Parteichefs, mal kleine, mal große Runden, zwischendurch immer wieder Arbeitsgruppensitzungen. «Wir werden deshalb in den nächsten zwei Wochen sicher zügig verhandeln, aber ohne dass wir uns in irgendeine Hektik stürzen.»

Das kollidiert mit ziemlicher Ungeduld der Union, die es - bei ihrem Anlauf Nummer zwei nach vergeblichen Jamaika-Wochen mit FDP und Grünen - nun eilig hat. Mit Verhandeln fertig werden möge man doch bitteschön bis zum Karneval. Soll heißen: bis Weiberfastnacht am 8. Februar. Unionsfraktionschef Volker Kauer (CDU) schwant schon, sonst werde die stockende GroKo «Thema bei allen Fastnachtsveranstaltungen - da schneiden wir granatenmäßig schlecht ab.» Und überhaupt: Wie kämen TV-Bilder schunkelnder Noch-Nicht-Koalitionäre bei den Bürgern an?

Die SPD will sich aber nicht drängeln lassen. Die Uneinigkeit beim Zeitplan ist ein Vorgeschmack auf das, was an inhaltlichen Auseinandersetzungen noch folgen dürfte. Die Gespräche versprechen, schwierig zu werden - nicht zuletzt wegen der Forderungen, die der SPD-Parteitag den eigenen Unterhändlern mit auf den Weg gegeben hat. Da geht es um Flüchtlinge, Arbeitsmarkt und das Gesundheitswesen. Trotz sachter Kompromisssignale aus der CDU - ein Selbstläufer wird das nicht. Auch andere neue Themen, die im 28-seitigen Papier zum Ergebnis der Sondierungen fehlen, könnten noch für Streit sorgen.

Nebenbei muss Schulz verhindern, dass ihm die eigene Partei entgleitet. Und versuchen, Jusos und andere vehemente GroKo-Gegner in der eigenen Partei zu besänftigen, die weiter trommeln und sogar dafür werben, kurzzeitig in die Partei einzutreten, nur um beim Mitgliederentscheid gegen eine weiter GroKo zu votieren.

Verkehrte Welt also bei der SPD: Die Aussicht aufs Regieren plagt die Partei. Der Eintritt neuer Parteimitglieder hat für die SPD-Spitze plötzlich etwas Bedrohliches. Und mit manchem Unionspolitiker scheint die SPD-Führung dieser Tage einiger als mit dem einen oder anderen GroKo-Gegner in den eigenen Reihen.

Schulz ist schwer angeschlagen. Nach dem Votum von Bonn ist kaum denkbar, dass er sich auf lange Sicht an der Parteispitze halten kann. Legt er am Ende der Koalitionsverhandlungen ein Ergebnis vor, das bei den Mitgliedern durchfällt, wäre er wohl sofort weg. Der Rest der SPD-Führung auch. Bricht die SPD die Verhandlungen vorzeitig wegen unüberbrückbarer Differenzen ab, droht ein weiterer Absturz der Partei. Alles keine angenehmen Perspektiven.

Hinzu kommt die Debatte um Schulz' Rolle: die Frage, ob er ins Kabinett gehen soll oder nicht. Der SPD-Chef hat das vor der Wahl ausgeschlossen. Die Lage ist für Schulz also denkbar unbequem.

Aber nicht nur für ihn. Für Merkel geht es darum, allmählich die Kurve zu kriegen. Und zwar dringend. Vor allem auf der wichtigen europäischen Bühne sind ihr als nur geschäftsführender Kanzlerin die Hände gebunden. Klare Ansagen - etwa zu Initiativen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron - muss sie bis auf weiteres schuldig bleiben. Erst am Mittwoch ließ sich Merkel wieder mal beim Weltwirtschaftsforum in Davos blicken. Auch um zu zeigen: Deutschland ist noch da, auf der Weltbühne.

Selten standen Möchtegern-Koalitionäre zum Start ihrer Verhandlungen unter solch einem Druck. Die Erschöpfung ist groß, bevor es überhaupt angefangen hat.

Parteien / Regierung / CDU / CSU / SPD / #GroKo / Deutschland
25.01.2018 · 22:11 Uhr
[1 Kommentar]
Der Louvre in Paris
Paris (dpa) - Die Pariser Justiz hat wegen des Verdachts eines großangelegten Betrugs mit Eintrittskarten in das berühmte Museum Louvre neun Menschen festgenommen und über 1,4 Millionen Euro beschlagnahmt. Zu den Festgenommenen gehörten Touristenführer, zwei Beschäftigte des Louvre sowie eine Person, die verdächtigt wird, das Netzwerk organisiert zu […] (02)
vor 29 Minuten
Lewis Capaldi hat eine Phobie vor Meereslebewesen.
(BANG) - Lewis Capaldi hat eine Phobie vor Meereslebewesen. Der 29-Jährige versucht, seine ungewöhnliche und irrationale Angst vor dem Ozean – bekannt als Thalassophobie – und allem, was unter der Wasseroberfläche lebt, zu überwinden, indem er ins Meer geht. Laut der Zeitung 'Daily Star' sagte er: "Ich hasse jede Art von Meeresleben – ich glaube nicht, […] (00)
vor 4 Stunden
Vergessen Sie NVIDIA: Ohne diesen gigantischen Monopolisten bricht der KI-Boom sofort zusammen
Das technologische Monopol von ASML ist die Lebensversicherung der gesamten Chipindustrie ASML fungiert als der entscheidende, wenn auch oft unsichtbare Flaschenhals der globalen KI-Revolution. Ohne die hochspezialisierte Lithografietechnik des niederländischen Konzerns käme die Produktion modernster Halbleiter, wie der Blackwell-Generation von NVIDIA, […] (00)
vor 3 Stunden
Battlefield 6 bringt neue Inhalte für Season 2
Electronic Arts und Battlefield Studios veröffentlichen einen Ausblick auf das kommende Season-2-Update für Battlefield 6 und REDSEC. Den offiziellen Gameplay-Trailer gibt es hier zu sehen. Der Trailer zeigt die Rückkehr bekannter Elemente wie des AH-6-„Little Bird“-Hubschraubers sowie neue Inhalte, darunter die Karte „Kontaminiert“ und ein […] (00)
vor 1 Stunde
BR dreht «Tatort» auf der Sicherheitskonferenz
Mitten im Hochsicherheitsbereich der Münchner Sicherheitskonferenz kommt eine Dolmetscherin ums Leben – Hammermann und Buvak ermitteln unter internationaler Dauerbeobachtung. Während in München Staats- und Regierungsvertreter über globale Krisen beraten, beginnt für die Kommissare Kalli Hammermann und Nikola Buvak ein besonders heikler Einsatz. Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz wird […] (00)
vor 2 Stunden
Olympische Winterspiele 2026
Antholz (dpa) - Der norwegische Biathlet Sturla Holm Laegreid hat vor dem nächsten Olympia-Rennen bei seinem Team für sein öffentliches Seitensprung-Geständnis um Entschuldigung gebeten. Wie der Gesamtweltcupsieger der Vorsaison der norwegischen Zeitung «Verdens Gang» sagte, habe er bei einem gemeinsamen Essen schon am Mittwochabend das Wort ergriffen. […] (01)
vor 46 Minuten
Die Notierungen für Edelmetalle gerieten am Donnerstag stark unter Druck, als der Preis für eine Feinunze Gold rapide abfiel. Noch am Nachmittag fiel der Kurs auf unter 4.900 Dollar, nachdem er zuvor deutlich über 5.000 Dollar gelegen hatte. Aktuell wird die Feinunze Gold zu 4.931 US-Dollar gehandelt. Dieser Abwärtstrend zeigte sich auch beim Silber, […] (00)
vor 21 Minuten
So läuft das Anerkennungsverfahren wirklich
Leipzig, 12.02.2026 (PresseBox) - Der Anerkennungsprozess internationaler Pflegefachkräfte aus Drittstaaten erfordert in Einrichtungen eine klare Struktur, verlässliche Planung und gezielte Begleitung. Gleichzeitig ist er für Kliniken und Pflegeeinrichtungen ein zentraler Hebel, um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen. Wer den Prozess versteht, […] (00)
vor 3 Stunden
 
Frankfurter Börse
Frankfurt/Main - Der Dax ist am Donnerstagmorgen mit Zugewinnen in den Handelstag […] (00)
dog, nature, playful, shower, wet, animal, pet, water, wetter
Niederschläge und Glätte in Nacht und Tag In der Nacht zum Freitag bleibt der Himmel […] (03)
Nach Hochhausbrand in Berlin
Berlin (dpa) - Aus den Fenstern lodern Flammen, schwarzer Qualm zieht durch die Gänge, dann […] (04)
Vermisstenfall Guthrie
Tucson (dpa) - Rund zwei Wochen nach dem Verschwinden ihrer 84 Jahre alten Mutter hat […] (00)
In einer schwelenden Tarifkonfliktfront bei der Lufthansa haben Piloten und […] (00)
Kaley Cuoco
(BANG) - Kaley Cuoco würde "liebend gern" eine dritte Brustoperation machen lassen. […] (00)
Rechenzentren im Boom – Digitale Infrastruktur wird zur Schlüsselindustrie
Datenhunger explodiert Der weltweite Datenverkehr wächst exponentiell. Treiber sind: […] (00)
Bayern München - RB Leipzig
München (dpa) - Die beiden Matchwinner klatschten sich zufrieden ab, die Fans sangen […] (02)
 
 
Suchbegriff