Verbraucherzentralen schlagen Alarm: Online-Kreditbetrug auf dem Vormarsch
Die Anzahl der Beschwerden über betrügerische oder manipulierte Online-Kredite verzeichnet einen besorgniserregenden Anstieg, so der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Im ersten Halbjahr dieses Jahres erhöhte sich die Zahl der Beschwerden um mehr als ein Viertel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Einen besonders starken Anstieg gab es bei online vermittelten Verbraucherdarlehen. Im ersten Halbjahr 2022 gab es 273 Beschwerdefälle zu Unregelmäßigkeiten bei Online-Krediten, während im gleichen Zeitraum dieses Jahres bereits 476 Fälle registriert wurden.
Ein häufiger Beschwerdegrund seien untergeschobene Verträge, die ohne das Wissen oder die Zustimmung der Betroffenen geschlossen wurden. Die neue gesetzliche Regelung, die im Zuge der Umsetzung der EU-Verbraucherschutzrichtlinie geplant ist, soll den Abschluss von Verbraucherdarlehensverträgen durch reine Textform ermöglichen und somit die Notwendigkeit einer Unterschrift beseitigen. Das Bundesjustizministerium erhofft sich dadurch eine Reduzierung bürokratischer Hürden. Die vzbv sieht jedoch ein steigendes Missbrauchspotenzial und warnt davor, dass ein derart vereinfachtes Verfahren Betrügern in die Hände spielt.
Von einem typischen Betrugsfall berichtet der Verband anhand eines Verbrauchers, der über WhatsApp Kontakt zu einer vermeintlichen Bank erhielt und für ein Darlehen von 20.000 Euro Vorauszahlungen leisten sollte. Nach geleisteten 1.300 Euro brach der Kontakt ab. Ebenso häufen sich Berichte über betrügerische Online-Plattformen und angebliche Finanzdienstleister, die ihre Opfer zu Identitätsprüfungen via Video-Ident bewegen. Trotz der Versprechen, ein Konto zu bestätigen oder Gewinne auszuzahlen, wurden hingegen im Namen der Betroffenen Kredite aufgenommen oder unkontrollierbare Konten eröffnet.

