Investmentweek

Verbraucher machen bei nachhaltigen Finanzprodukten Ernst

17. Oktober 2025, 17:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Mehr als zwei Drittel der Deutschen interessieren sich für nachhaltige Anlagen, fordern jedoch klare Transparenz und Mindestquoten. Die Umfrage enthüllt, wie Politik und Branche reagieren müssen.

Der Befund gleich vorweg

Zwei Drittel der Deutschen interessieren sich für nachhaltige Geldanlage, fast ein Drittel hat bereits investiert. Doch „interessiert“ heißt nicht „leichtgläubig“: Die Mehrheit fordert verbindliche Regeln statt weichgespülter Labels.

Das zeigt eine neue BaFin-Umfrage (Online-Erhebung, 1.528 Personen, Juni 2025). Der Auftrag an Politik und Anbieter ist eindeutig – und unbequem.

Was die Kunden wirklich wollen

  • 65 % bekunden Interesse an nachhaltigen Finanzprodukten, 29 % sind bereits investiert.
  • Transparenz ist Pflicht: 97 % wollen detaillierte Nachhaltigkeitsinfos, 60 % davon vor Vertragsabschluss prominent dargestellt.
  • Ehrlichkeit über Graubereiche: 70 % finden es irreführend, wenn Produkte als „nachhaltig“ verkauft werden, ohne den Anteil nicht nachhaltiger Positionen offenzulegen.

Kernaussage: Nachhaltigkeit darf kein „Yes-Label“ sein, das Widersprüche verschweigt. Anleger verlangen ein vollständiges Bild – inklusive Schattenseiten.

Mindestquoten: das Ende des „ein bisschen grün“

Beim Substanztest werden die Ansprüche scharf:

  • 71 % erwarten in „nachhaltigen“ Produkten mindestens 50 % nachhaltige Investitionen.
  • 35 % fordern mindestens 75 %.
  • Im Schnitt liegt die erwartete Mindestquote bei 57 %.

Das ist eine klare Absage an Produkte, die mit ESG-Floskeln werben, aber nur homöopathische Anteile „grün“ beimischen.

Harte Kanten: Menschenrechte, Kohle, geächtete Waffen

Zwei von drei der an Nachhaltigkeit interessierten Befragten verlangen verbindliche Ausschlüsse bei Menschenrechtsverletzungen. Mehr als die Hälfte will das ebenso bei geächteter Rüstung und Kohleverstromung. Ohne harte Negativlisten ist ein Produkt für viele schlicht nicht nachhaltig – Punkt.

Artikel-8 im Gegenlicht: „Nachhaltig“ reicht nicht mehr

Die BaFin testete vier Produktkategorien, wie sie in der SFDR-Reform denkbar sind. Das Urteil aus Kundensicht ist deutlich:

  • „Nachhaltiges Finanzprodukt“ (ausschließlich ökologisch/sozial nachhaltige Aktivitäten): 82 % sagen „ja, nachhaltig“.
  • „Transformationsprodukt“ (finanziert den Wandel): 56 % halten es für nachhaltig – Akzeptanz, aber erklärbedürftig.
  • „Ausschlussprodukt“ (nur Negativlisten, keine Ziele): 39 % – fällt weitgehend durch.
  • „Mischprodukt“ (Mix ohne klare Zielarchitektur): 30 % – de facto nicht nachhaltig wahrgenommen.

Zwischen den Zeilen ist das ein Misstrauensvotum gegen Artikel-8-Fonds („mit Nachhaltigkeitsmerkmalen“). Für viele gilt Nachhaltigkeit erst, wenn es explizite Ziele gibt – also Artikel-9-Logik.

Verständlich statt regulatorisch: Bitte Klartext

Die gängige Beratungssprache fällt durch. Die regulatorisch geprägte Frage („Taxonomie-Verordnung, Offenlegungsverordnung, nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen – ja/nein?“) bekommt nur 29 % Zustimmung. Die Lehre: Anleger wollen Wirkung, Quoten, Ausschlüsse – nicht Paragrafen.

Praxis-Check für Anbieter:

  • Welche klaren Ziele verfolgt das Produkt (CO₂-Reduktion, Sozialziele, Governance-Standards)?
  • Wie hoch ist der verbindliche Mindestanteil an nachhaltigen Investments?
  • Was ist ausgeschlossen – mit Begründung und Daten?
  • Wie wird die Wirkung gemessen – und wie oft berichtet?

Vertrauen ist gut – Aufsicht ist besser

Bei der Frage nach der Kontrolle sind die Fronten eindeutig:

  • 62 % wollen staatliche Behörden als Prüfer der Einhaltung.
  • 43 % nennen Wirtschaftsprüfer.
  • Nur 28 % würden dem Unternehmen selbst die Kontrolle überlassen.
  • 66 % wünschen regelmäßige Prüfungen.

Die Botschaft an Brüssel und Berlin: Externe Kontrolle ist kein Nice-to-have, sondern Lizenz zum Vertrieb.

Was das für die Branche bedeutet

  1. Produktarchitektur schärfen: Weg vom Sammelbecken „Artikel 8“, hin zu klar typisierten Produkten mit Ziel-, Ausschluss- und Mindestquotenlogik.
  2. Reporting neu denken: Vorvertragliche Kurzformate mit harten Fakten (Quote, Ausschlüsse, Top-5-Holdings, Impact-KPIs), flankiert von Regel-Reports.
  3. Greenwashing-Risiko managen: „Übergangsportfolios“ brauchen Glaubwürdigkeit – also Transformationspfade mit Meilensteinen, nicht nur Storytelling.
  4. Beratung vereinfachen: Keine Paragrafen-Litanei. Fragen in Alltagssprache, Antworten in Kennzahlen.
  5. Governance stärken: Unabhängige Gremien, Third-Party-Audits, Schwellenwerte als harte Produktmerkmale.

Politik am Zug: SFDR-Reform nutzen – nicht verwässern

Die EU-Kommission arbeitet an einer Überarbeitung der seit 2021 geltenden Offenlegungsverordnung (SFDR). Die BaFin-Ergebnisse liefern Rückenwind für eine entschlackte, verständliche Produktlogik – und gegen „Mischprodukte“, die alles und nichts versprechen. Wer Nachhaltigkeit in Europa glaubwürdig machen will, muss jetzt Ordnung in die Regale bringen: klare Kategorien, Mindestquoten, Pflicht-Ausschlüsse, Prüfregime.

Finanzen / Education / Nachhaltigkeit / BaFin / ESG
[InvestmentWeek] · 17.10.2025 · 17:00 Uhr
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