Vapiano-Aktie weiter im Keller: Wie eine neue Zielgruppe die Trendwende bringen soll

• Vapiano setzt zunehmend auf fleischfreie Angebote
• Neues Bestellsystem angekündigt
• Neue Investitionen nötig

Anleger von Vapiano hatten zuletzt wenig Freude an ihrem Investment: Allein in den letzten zwölf Monaten hat die Aktie des Unternehmens rund 40 Prozent an Wert verloren, für Anleger der frühen Stunde fällt der Verlust sogar mehr als doppelt so hoch aus.

Restrukturierung bringt bislang nur geringe Fortschritte

Zwar hat das Management des Unternehmens inzwischen reagiert und umfangreiche Maßnahmen eingeleitet, um das ehemalige Trend-Restaurant wieder in die Erfolgsspur zurückzuführen, doch die Fortschritte sind bislang überschaubar und haben die Talfahrt der Vapiano-Aktie nicht stoppen können.

Die letzte Bilanz fiel einmal mehr tiefrot aus: Unter dem Strich fiel in den ersten drei Geschäftsquartalen 2019 ein Verlust von 46,1 Millionen Euro an, deutlich mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auf Umsatzseite profitierte der Konzern von seiner anhaltenden Expansion, in den Restaurants selber sanken die Erlöse aber. Zwar gab sich Vapiano-Chefin Vanessa Hall, die den Posten erst im Sommer vergangenen Jahres nach dem überraschenden Rücktritt von Cornelius Everke übernommen hatte, zuletzt vorsichtig optimistisch, dass die vom Vorstand beschlossenen Umstrukturierungsmaßnahmen Erfolge zeigen: "Die Maßnahmen greifen und haben bereits positiven Einfluss auf das Gästeerlebnis und die operative Entwicklung von Vapiano", betonte die Britin bei der Bilanzvorlage im November und verwies auf das zuletzt stabile dritte Quartal. Anleger zeigten sich von den Mini-Fortschritten aber bislang nicht überzeugt. Die Vapiano-Aktie wird weiterhin in der Nähe ihrer Tiefststände gehandelt.

Bringt vegane Kundschaft die Wende?

Nun hat Vapiano noch an einer anderen Stellschraube gedreht und eine neue Speisekarte präsentiert. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf fleischfreien Gerichten, zudem sollen Gästen mehr Wahlmöglichkeiten bei der Zusammenstellung ihres Essens gegeben werden.

Die Hälfte der insgesamt 18 neuen Gerichte auf der Speisekarte der Gastro-Kette sind vegan oder vegetarisch. Damit nimmt Vapiano den Trend zu fleischfreier Ernährung auf und richtet sein Angebot mehr auf Kunden aus, die sich teilweise oder ganz ohne tierische Produkte ernähren wollen. Ein überraschendes Highlight auf der neuen Karte ist die neue vegane Salami-Pizza. Zu diesem Zweck kooperiert die Restaurant-Kette seit Jahresbeginn mit Wilmersburger, einem Hersteller von veganen Käsealternative mit gleichem Namen. Vapiano-Kunden können die Käsealternative, die frei von tierischen Zutaten ist, nicht nur auf veganen und vegetarischen Gerichten ordern, sondern auf jedem anderen Gericht, das auf der Vapiano-Speisekarte zu finden ist.

Damit zollt die Systemgastronomie dem Zeitgeist Tribut: Unternehmen wie Beyond Meat und Impossible Foods feiern mit ihren Fleischersatzprodukten große Erfolge, der global erkennbare Trend hin zu veganer und vegetarischer Ernährung ist ein Milliardenmarkt, an dem auch Vapiano mitverdienen will.

Mitverantwortlich für die Anpassungen an der Speisekarte ist Joachim Rehkämper, der seit Oktober in der neu geschaffenen Position des Vice President Germany tätig ist und bei dessen Ernennung das Unternehmen versprach, man wolle den Gast wieder in den Mittelpunkt der Tätigkeiten stellen und das Gasterlebnis nachhaltig verbessern.

Vereinfachung des Bestellprozesses

Dazu gehört auch, dass Vapiano an den Prozessen innerhalb der Restaurants Anpassungen vornehmen will. Zeitgleich mit der Präsentation der neuen Speisekarte hat Vapiano auch Anpassungen am hauseigenen Bestellsystem vorgenommen. Dieses war von vielen Kunden immer wieder kritisiert worden, denn bislang musste Kunden ihre Order - je nachdem, ob sie Pizza, Salat oder Pasta bestellten - an verschiedenen Coutern aufgeben.

Künftig sollen Vapiano-Gäste im Rahmen eines Pilotprojekts in ausgewählten Restaurants "Guest Journey 3.0" testen dürfen, von dem sich das Unternehmen gleichzeitiges Bestellen verspricht, zudem soll das neue System den Ablauf im Bestellprozess beschleunigen. Kunden ordern künftig an so genannten digitalen Orderpoints oder geben ihre Bestellung bei einem Mitarbeiter an einem zentralen Punkt auf. Insgesamt soll der Bestell- und Zubereitungsprozess auf diesem Weg um 50 Prozent beschleunigt werden, versprach das Unternehmen bei der Präsentation der Neuerungen.

Für die Anpassungen in den Restaurants werden allerdings erneut millionenschwere Investitionen fällig - daher soll das neue Bestellsystem zunächst nur in Filialen zum Einsatz kommen, in denen ohnehin Renovierungsmaßnahmen vorgenommen werden müssten, betonte Vapiano-Vize Rehkämper gegenüber "Food Service".

Kommt Vapiano so aus dem Tal?

Die Frage ist, ob die angekündigten Anpassungen bei Vapiano ausreichen werden, um den Konzern profitabel zu machen und der Vapiano-Aktie wieder auf die Beine zu helfen. Die notwendigen Investitionen werden sich in der Bilanz bemerkbar machen, die Umstellung der Speisekarte und des Bestellsystems werden wohl kurzfristig nicht ausreichen, um den Konzern aus den roten Zahlen zu führen.

Denn Systemgastronomie gerät in letzter Zeit zunehmend in Bedrängnis, das bekam zuletzt auch die einstige In-Burger-Kette "Hans im Glück" zu spüren. Der Markt ist zunehmend überlaufen, immer mehr Wettbewerber drängen ins Geschäft. Das zwingt die Ketten zu umfangreichen Investitionen, um schnell zu expandieren und sich neue Märkte zu sichern - häufig zu Lasten einer klaren Strategieumsetzung in den bereits bestehenden Filialen. Hans im Glück bekam die operativen Probleme nicht in den Griff und wurde inzwischen übernommen. Während das "Handelsblatt" von der Suche nach einem Sanierer berichtete, betonte der Gründer des Unternehmens zuletzt, nach der Expansion und "einem weiteren Rekordjahr" sei nun der richtige Zeitpunkt gekommen, das Unternehmen "in neue Hände zu geben".

Einen möglichen Kaufinteressenten für Vapiano gibt es unterdessen nicht, der Konzern will seine Probleme eigenhändig lösen. Das Geld dafür wollte sich die Gastro-Kette unter anderem durch den Verkauf des US-Geschäftes besorgen, der aber nicht unter Dach und Fach gebracht werden konnte. Eine Finanzspritze in Höhe von 30 Millionen Euro, die der Konzern von Geldgebern im Mai 2019 erhalten hatte, ist bereits verbraucht. Für den Umbau des Bestellsystems und andere Maßnahmen wird aber zusätzliches Kapital benötigt - unklar, ob es dem Unternehmen erneut gelingt, Investoren zu überzeugen.

Ob die Aktie Fortschritte macht, hängt wohl maßgeblich vom nächsten Geschäftsbericht des Unternehmens ab. Am 30. April kommen die Jahreszahlen, dann werden Anleger insbesondere auf die Entwicklung des vierten Quartals schauen. Nur wenige Wochen später folgt dann die Veröffentlichung der Bilanz zum ersten Geschäftsquartal - dann könnte sich bereits zeigen, ob die Umstellung der Speisekarte und der Fokus auf eine neue Zielgruppe operativ durchgeschlagen hat.

Analysten zeigen sich aktuell noch skeptisch: Die Vapiano-Aktie hat keine Kaufempfehlung bei FactSet.

Aktie im Fokus
[finanzen.net] · 11.02.2020 · 07:26 Uhr
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