US-Pläne für 100-Prozent-Zölle auf Arzneien verunsichern europäische Pharmaindustrie
Der jüngste Vorstoß der USA, erhöhte Zölle von 100 Prozent auf Arzneimittelimporte zu erheben, hat in der deutschen und europäischen Pharmaindustrie zu erheblicher Besorgnis geführt. Der Schritt steht im Gegensatz zu bestehenden Handelsabsprachen zwischen den USA und der EU, die maximal 15-Prozent-Zölle vorsehen, wie der Verband forschender Pharmaunternehmen (VFA) klarstellte. Auch die EU-Kommission verwies auf die Vereinbarungen und zeigte sich zuversichtlich, dass EU-Exporte von den hohen Zöllen verschont bleiben.
Präsident Trump kündigte an, dass ab dem 1. Oktober ein drastisch erhöhter Zollsatz auf importierte patentierte Medikamente erhoben werde, es sei denn, das produzierende Unternehmen verlagert seine Produktionsstätten in die USA. Dazu reicht es aus, den Bau solcher Anlagen zu beginnen.
Die EU-Kommission betont weiterhin, dass laut einer im August veröffentlichten gemeinsamen Erklärung eine Zollobergrenze von 15 Prozent auch für pharmazeutische Produkte gelten soll. Dies soll den europäischen Akteuren Schutz vor höheren Abgaben bieten. Trotzdem reagierten deutsche Branchenvertreter mit Sorge. Der VFA warnte vor signifikanten negativen Auswirkungen auf den Pharmastandort Europa, und Pharma Deutschland mit seinen 400 Mitgliedsunternehmen sprach von einem 'Angriff auf den internationalen Handel'.
Wolfgang Große Entrup, der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie, bezeichnete die aktuelle Lage als 'neuen Tiefpunkt' in den Handelsbeziehungen mit den USA. Er forderte von der EU-Kommission entschlossenes Handeln, um die vereinbarten Absprachen zu verteidigen.
Auch in der Schweiz sorgte die Ankündigung für sichtliche Enttäuschung. René Buholzer von Interpharma äußerte im Radio SRF Bedauern über den drohenden 'Paradigmenwechsel'. Die Schweizer Pharmariesen Novartis und Roche bleiben jedoch gelassen, da beide bereits umfangreiche Investitionen in den USA planen und somit den drohenden Zöllen entgehen könnten.

