US-Konsum bleibt stark, doch Ungleichheit wächst
Der Konsum der US-Bürger ist ein wesentlicher Motor der amerikanischen Wirtschaft und macht etwa zwei Drittel ihres Wachstums aus. Jüngste Einzelhandelsdaten zeigen, dass dieser Motor noch immer auf Hochtouren läuft: Die Umsätze stiegen im August um bemerkenswerte 0,6 Prozent, trotz erwarteter Zurückhaltung beim Konsumverhalten.
Auch wenn dieser Anstieg die Widerstandsfähigkeit der US-Verbraucher unterstreicht, verdeckt er zugleich eine wachsende Ungleichheit im Land. Die sogenannte K-förmige Wirtschaft sorgt dafür, dass eine kleine wohlhabende Schicht weiterhin Gewinne erzielt, während der Großteil der Mittel- und Unterschicht finanziell unter Druck steht. Laut Mark Zandi, Chefökonom bei Moody’s Analytics, steuern vor allem die oberen 20 Prozent der Einkommensverteilung den Konjunkturzug.
Die Einkommensschere öffnet sich weiter in historischem Ausmaß. Im Juni entfielen über 63 Prozent der Ausgaben auf die reichsten 20 Prozent, und sogar 49 Prozent auf die oberen 10 Prozent — Rekordwerte, die auf die Abhängigkeit der Wirtschaft von der Konsumbereitschaft der Wohlhabenden hindeuten.
Inflation und Preisblasen sind dadurch nicht die einzigen Risiken. Die Ungleichheit im Konsum wächst zu einem Zeitpunkt, an dem sich die US-Wirtschaft abkühlt und die Arbeitsmarktlage ins Wanken gerät. Für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen verschlechtert sich die Kreditlage. Die Delinquenzrate für Menschen mit schlechteren Bonitätswerten stieg im Juli auf den höchsten Stand seit 2016.
Die kürzlich verabschiedete Steuergesetzgebung könnte zudem den reichsten 0,1 Prozent der Amerikaner erheblich zugutekommen. In Indiana beispielsweise haben Familien bereits begonnen, ihre Konsumgewohnheiten zu ändern, um den finanziellen Druck abzufedern.
Die Zinssenkung der Fed könnte zwar etwas Entlastung bringen, wird jedoch allein nicht ausreichen, um die strukturellen Herausforderungen zu lösen.

