US-Börsen im Rückwärtsgang: KI-Fantasie und Energie-Flaute drücken Indizes

An den US-Börsen herrschte am Mittwoch Verunsicherung, als bedeutende Indizes, allen voran der technologielastige Nasdaq, nachgaben. Nach einem beeindruckenden Anstieg im Jahr 2025 blicken Investoren zunehmend kritisch auf die möglicherweise überzogenen Bewertungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Diese fundamentale Neubetrachtung traf insbesondere Unternehmen aus dem KI-Infrastruktursektor hart, während auch Energiewerte merklich darunter litten.
Der Dow Jones Industrial musste nach einem hoffnungsvollen Handelstagstart Verluste hinnehmen und schloss um 0,5 Prozent im Minus auf 47.885,97 Punkten. In der Vorwoche hatte er mit über 48.000 Punkten ein neues Rekordhoch erreicht, befindet sich aber mit einem Zugewinn von 13 Prozent noch hinter europäischen Märkten, wie etwa dem Dax, zurück. Dieser konnte seit Ende 2024 um etwa 20 Prozent zulegen.
Der S&P 500 fiel um 1,2 Prozent auf 6.721,43 Punkte, während der Nasdaq 100 bei einem Minus von fast zwei Prozent mit 24.647,61 Punkten aus dem Handel ging – trotz einem bislang beachtlichen Zuwachs von 17 Prozent im Jahr 2025. Der Druck auf diverse KI-Infrastrukturwerte ließ sich verstärkt nach einem Bericht der "Financial Times" beobachten, der von einem Rückzug der Investmentgesellschaft Blue Owl Capital aus einem 10-Milliarden-Dollar-Rechenzentrum-Deal mit Oracle berichtete. Oracle gab an, dass der Deal dennoch wie geplant fortschreite, dennoch verloren Oracle-Aktien 5,5 Prozent ihres Wertes.
Anleger scheinen in dem derzeitigen Marktumfeld bei gut gelaufenen KI-Aktien Gewinnmitnahmen zu präferieren. Ein Beispiel war Jabil, dessen Aktienkurs zunächst in die Höhe schoss, dann jedoch ein Plus von nur 1,8 Prozent zum Handelsschluss verbuchte. Nicht besser erging es den Energieversorgern Vistra und NRG Energy, deren Papiere um 7,8 respektive 6,7 Prozent nachgaben. Schwer getroffen wurde auch GE Vernova, eine Tochter von GE, die beinahe elf Prozent einbüßte.
Aus der Reihe tanzte Salesforce, die nach einer positiven Analystenbewertung 1,3 Prozent zulegen konnten. Mit der Vorstellung von Novartis als neuem Kunden setzte Salesforce auf Wachstum im KI-Geschäft. Trotz eines holprigen Jahres gehört ihre Aktie zu den schwächsten des US-Leitindex in 2025.
Amazon wollte mit neuen Investitionen im Wert von über 10 Milliarden US-Dollar in den KI-Bereich punkten. Spekulationen über eine strategische Beteiligung am ChatGPT-Entwickler OpenAI wurden laut. Die Amazon-Papiere verloren trotzdem gut ein halbes Prozent.
Im Streaming-Markt konnte Netflix ein leichtes Plus von 0,2 Prozent erzielen. Der Vorstand von Warner Brothers Discovery sprach sich gegen die Übernahme durch Paramount Skydance aus, was Paramount 5,4 Prozent kostete.
Ein Lichtblick war der Börsengang der Medizintechnikfirma Medline, die sich trotz Marktunruhe glänzend schlug. Der mit 29 US-Dollar ausgegebene Aktienkurs kletterte auf 41 US-Dollar und bescherte dem Unternehmen den größten Börsengang des Jahres in den USA bei einem Börsenwert von 54 Milliarden US-Dollar.

