Unwetterwarnung bei Energiekontor: Gewinnprognose schlägt auf die Aktie durch
Ein düsterer Ausblick trübt die Stimmung bei den Anlegern des Wind- und Solarparkentwicklers Energiekontor, nachdem das Unternehmen seine Gewinnprognose deutlich nach unten revidiert hat. Der jüngste Versuch einer Erholung des Aktienkurses fand ein abruptes Ende, als die Papiere auf eine rasante Talfahrt geschickt wurden, indem die charttechnische Unterstützung bei etwas über 41 Euro durchbrochen wurde. Mit einem Verlust von 18,7 Prozent sank der Kurs zuletzt auf 39,30 Euro – der tiefste Stand seit Anfang April. Noch am Vortag hatte die Aktie deutlich zugelegt und den höchsten Stand seit fast zwei Monaten erreicht. Nun aber verzeichnet die Aktie, die im SDAX gelistet ist, für das laufende Jahr einen Verlust von 20 Prozent.
Als Ursache der pessimistischen Prognose nennt Energiekontor Verzögerungen bei Projekten in Deutschland und geänderte Rahmenbedingungen für britische Windkraftprojekte. Diese Entwicklungen zwingen das Unternehmen, die angestrebten 70 bis 90 Millionen Euro Vorsteuergewinn auf 30 bis 40 Millionen Euro zurückzuschrauben. Insbesondere in Großbritannien hänge es an den schleppend eintreffenden Zusagen für Netzanschlüsse. Ein Händler beschreibt die aktualisierte Gewinnprognose treffend als 'heftige Gewinnwarnung'.
Analyst Philipp Kaiser von Warburg Research sieht in der nahezu halbierten Prognose Hinweise, dass künftig der Vorsteuergewinn besonders stark aus dem Segment Power Generation stammen dürfte, zumal in der ersten Jahreshälfte bereits 28,3 Millionen Euro erwirtschaftet wurden. Trotz des relevanten Ausmaßes dieser Prognoseanpassung hält er die Kursreaktion für überzogen und denkt, dass die Verzögerungen hauptsächlich regulatorische Gründe haben und somit die Erwartung für das kommende Jahr positiv beeinflussen können. Der starke Kursrückgang wird der inhärenten Volatilität des Projektmodells zugeschrieben. Positive Nachrichten lassen die Aktie rasch steigen, während Verzögerungen die gegenteilige Wirkung haben, da Unsicherheiten an den Börsen nicht gerne gesehen sind. Beim bevorstehenden Analysten-Call erhofft sich Kaiser klärende Auskünfte darüber, ob die Projektverzögerungen vorhersehbar waren oder tatsächlich überraschten.

