Unruhige Gewässer für Volkswagen: Porsche-Verluste ziehen Konzern ins Minus
Volkswagen muss einen herben Dämpfer hinnehmen: Die einstige Erfolgsmarke Porsche hat maßgeblich zur negativen Bilanz im dritten Quartal beigetragen, indem sie einen operativen Verlust von nahezu einer Milliarde Euro eingefahren hat. Dies führte für Volkswagen zu einem Nettoverlust von 1,07 Milliarden Euro im Zeitraum Juli bis September. Noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte das Unternehmen einen Überschuss von 1,56 Milliarden Euro verbuchen können. Die Aktionäre zeigten sich ob der überraschungsarmen Zahlen wenig beeindruckt, und auch die Aktie gab leicht nach.
Nach einem kurzzeitigen Anstieg zu Handelsbeginn rutschte das Papier letztlich um 0,7 Prozent ins Minus und notierte bei 91,39 Euro. Die Erwartungen der Analysten wurden dennoch leicht übertroffen, denn die um Sondereffekte bereinigte operative Gewinnmarge lag bei 5 Prozent. Philippe Houchois von Jefferies betonte die niedrigeren als erwarteten Kosten bei Porsche als positive Überraschung, während RBC-Analyst Tom Narayan die solide Performance der Kernmarke VW und die positiven Aussichten für Audi hervorhob.
UBS-Experte Patrick Hummel warnt jedoch vor Unsicherheiten im vierten Quartal, insbesondere aufgrund der stockenden Chipversorgung durch den Halbleiterhersteller Nexperia. Finanzvorstand Arno Antlitz gab zu bedenken, dass die Planbarkeit der Lieferketten nur von kurzer Dauer sei, obwohl die Margenprognose weiterhin optimistisch ist. Die Sonderbelastungen durch Porsche belaufen sich im bisherigen Jahresverlauf auf 7,5 Milliarden Euro, was den Gewinn von VW deutlich einbrechen ließ.
Die Probleme bei VW sind jedoch kein Einzelfall: Auch Mercedes-Benz verzeichnete einen Gewinnrückgang, während Stellantis lediglich auf eine Erholung in Nordamerika hoffen kann. Neben der Chipkrise durch Nexperia plagen VW zusätzliche Sonderkosten durch erhöhte Zölle. Trotz dieser Herausforderungen weist der Konzern leichte Fortschritte bei Umsatz und Absatzvolumen auf und setzt weiterhin auf ein rigoroses Sparprogramm, das bis Ende 2024 Zehntausende von Stellen betreffen soll.
Kritisch bleibt allerdings der Handelskonflikt mit den USA, die Zölle sollen den Konzern in diesem Jahr bis zu fünf Milliarden Euro kosten. Die Pläne, um diese Herausforderung zu bewältigen, umfassen den Bau eines Audi-Werkes in den USA, welches noch in Verhandlung mit der amerikanischen Regierung steht. Porsche und Audi setzen bisher auf Produktion innerhalb und nahe Europas.

