Unklare Zeiten für europäische Unternehmen in China
Die europäische Wirtschaft sieht sich in China mit beispiellosen Unsicherheiten konfrontiert, erklärt Jens Eskelund, Präsident der EU-Handelskammer, in Peking. Die bevorstehende Amtszeit von Donald Trump, verbunden mit dessen Drohungen weiterer Zölle auf chinesische Waren, verschärft die bestehende Spannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China. Schon jetzt belasten wechselseitige Zölle die Geschäfte: Während die USA chinesische Produkte wie Elektroautos hoch besteuern, antwortet China mit Exportrestriktionen wichtiger Rohstoffe.
Vor diesem Hintergrund isolieren europäische Unternehmen zunehmend ihr China-Geschäft vom Rest ihrer globalen Aktivitäten. Besonders betroffen sind die Branchen Automobil, IT, Telekommunikation und Medizin. Ein erheblicher Teil der Unternehmen passt sich der chinesischen Nachfrage an, um Marktzugang zu sichern. Allerdings geht dies nicht immer mit garantierten Vorteilen einher. Einerseits streben 36 Prozent der befragten Unternehmen danach, chinesischen Vorgaben wie der Bevorzugung lokal produzierter Produkte bei Ausschreibungen gerecht zu werden, andererseits sichern sich 24 Prozent gegen geopolitische Risiken ab.
Ein zentrales Problem sind Sicherheitsbedenken der chinesischen Kunden. Diese fordern zunehmend, dass Produkte den chinesischen Standards entsprechen und nicht unter Exportkontrollen dritter Länder fallen. Dies zwingt europäische Unternehmen zur Lokalisierung ihrer Produktion und zur Einbindung in chinesische Lieferketten. Trotz der hohen Kosten kann sich die Isolierung für einige Firmen temporär lohnen. Langfristig jedoch warnt die EU-Handelskammer vor Einbußen in Effizienz und globaler Wettbewerbsfähigkeit. Besonders die doppelten Aufwendungen in Forschung und Entwicklung sowie die strikte Trennung der IT-Systeme erhöhen die operativen Belastungen erheblich.

