Umsatzrückgang und Stellenabbau setzen Schwan-Stabilo unter Druck
Umsätze sinken in allen Geschäftsbereichen
Im Geschäftsjahr 2024/25 (per 30. Juni) verzeichnete Schwan-Stabilo einen Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 758 Millionen Euro. Währungsbereinigt lag das Minus bei vier Prozent. Bereits im Vorjahr hatten die Erlöse um sechs Prozent nachgegeben. Damit schrumpften die Umsätze nun zum zweiten Mal in Folge – und erneut in sämtlichen Unternehmenssparten.
Konzernchef Michele Molon sprach von einer „wirtschaftlich notwendigen Trendwende“, die nun konsequent angegangen werden müsse. Der Italiener, der Anfang Oktober von Swarovski zu Schwan-Stabilo wechselte, gilt als Manager mit starkem Markenfokus. Seine Erfahrung aus dem Luxussegment soll helfen, die bekannten Marken des Konzerns neu zu positionieren.
Diversifikation greift nur begrenzt
Schwan-Stabilo ist seit rund 170 Jahren im Stiftegeschäft aktiv und seit den 1920er-Jahren in der Kosmetikbranche vertreten. Um Abhängigkeiten zu reduzieren, baute der Konzern ab 2007 ein drittes Standbein im Outdoor-Segment auf. Mit der Übernahme von Deuter sowie später Ortovox, Maier Sports und Gonso entstand ein breit aufgestelltes Markenportfolio.
Die Diversifikation half in der Vergangenheit, Schwächen einzelner Bereiche auszugleichen. Aktuell jedoch trifft die Konsumflaute alle drei Sparten zugleich. Der Konzern verweist auf ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld, geprägt von Konjunkturschwäche, geopolitischen Spannungen und steigenden Zöllen. Die Zurückhaltung der Verbraucher sei auch in Deutschland deutlich spürbar.
Konkurrenz spürt ebenfalls den Druck
Dass die Konsumzurückhaltung kein Einzelfall ist, zeigt ein Blick auf Wettbewerber. Der ebenfalls familiengeführte Konkurrent Faber-Castell verzeichnete im Geschäftsjahr 2024/25 ein Umsatzminus von drei Prozent auf 602 Millionen Euro. Währungsbereinigt gelang dem Unternehmen immerhin ein leichtes Plus.
Branchenkenner beobachten jedoch, dass einzelne Wettbewerber erfolgreicher auf Trends reagieren. So wächst etwa der italienische Anbieter Legami stark, unter anderem mit modisch gestalteten Gelstiften für Kinder. Diese Dynamik erhöht den Druck auf etablierte Marken wie Stabilo zusätzlich.
Stiftegeschäft besonders unter Druck
Im Segment Schreibgeräte sank der Umsatz bei Stabilo um knapp sieben Prozent auf 199 Millionen Euro. Stabilo-Chef Horst Brinkmann verweist auf strukturelle Belastungen durch die fortschreitende Digitalisierung. Positiv bewertet das Management einzelne Kooperationen, etwa mit Dolce & Gabbana, die neue Zielgruppen ansprechen sollen.
Gleichzeitig kündigte Brinkmann Kostensenkungen an. In Deutschland ist ein freiwilliges Programm mit Teilzeit- und Vorruhestandsmodellen geplant. Bis 2028 sollen die weltweiten Personalkosten um acht Prozent sinken. Konkrete Zahlen zum Stellenabbau nannte das Unternehmen nicht. Stabilo beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiter, der Gesamtkonzern etwa 5.200.
Kosmetik hält sich vergleichsweise stabil
Deutlich robuster zeigte sich Schwan Cosmetics, dessen Umsatz lediglich um ein Prozent auf 369 Millionen Euro zurückging. CEO Tomás Espinosa sieht die Branche in einem tiefgreifenden Wandel. Plattformen wie Tiktok verkürzten Produktzyklen drastisch und erhöhten den Innovationsdruck.
Produkte würden heute teils innerhalb weniger Tage entwickelt und vermarktet. Aus dem Konzept „Fast Beauty“ sei „Ultra-Fast Beauty“ geworden. Schwan Cosmetics habe seine Entwicklungsprozesse entsprechend beschleunigt, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Outdoor-Sparte mit größtem Rückgang
Am stärksten belastet wurde erneut das Outdoor-Geschäft. Die Erlöse sanken um rund zehn Prozent auf 210 Millionen Euro. Der während der Corona-Pandemie entstandene Boom ist vorbei, der Markt gilt als gesättigt, Lagerbestände sind hoch. Positiv wertet der Konzern allerdings erste Erholungstendenzen zu Beginn des laufenden Geschäftsjahres.
Viel Arbeit für den neuen CEO
Für Michele Molon ist die Ausgangslage anspruchsvoll. Er macht keinen Hehl daraus, dass nicht alle Probleme kurzfristig lösbar sind. Gleichzeitig kündigt er an, die notwendigen Schritte entschlossen anzugehen. Ob der Manager aus der Luxusbranche die traditionsreiche, fränkisch geprägte Unternehmensgruppe erfolgreich neu ausrichten kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Fest steht: Schwan-Stabilo steht vor einem tiefgreifenden Umbau – und vor der Herausforderung, seine bekannten Marken in einem veränderten Konsumumfeld wieder auf Wachstumskurs zu bringen.


