Vereinte Nationen

Ukraine ohne jede Aussicht auf baldigen Frieden

24. Februar 2024, 20:44 Uhr · Quelle: dpa
Russlands Angriffskrieg gegen das Nachbarland geht jetzt schon ins dritte Jahr. Aus dem Westen reist wieder politische Prominenz zur Unterstützung in die Ukraine. Konkrete Hoffnung gibt es aber nicht.

Kiew/Odessa (dpa) - In der Ukraine gibt es auch nach zwei Jahren Krieg mit vielen Zehntausend Toten keine Aussicht auf baldigen Frieden. Russland überzog das Nachbarland zum zweiten Jahrestag seines großangelegten Überfalls weiter mit Angriffen.

Ziel war abermals auch die Großstadt Odessa am Schwarzen Meer, wo nach ukrainischen Angaben ein Mann durch eine Drohne getötet und mehrere Menschen verletzt wurden. Am Nachmittag traf dort Außenministerin Annalena Baerbock zu einem Besuch ein. Die Ukraine hatte auf russischem Gebiet ebenfalls Drohnen im Einsatz. Eines der Ziele war Russlands größtes Stahlwerk in der Stadt Lipezk, 400 Kilometer südöstlich von Moskau. 

G7 versichert weitere Unterstützung

Die Gruppe sieben großer demokratischer Industrienationen (G7) machte mit einer Videoschalte ihrer Staats- und Regierungschefs deutlich, das angegriffene Land weiterhin unterstützen zu wollen - auch aus eigenem Interesse. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mahnte vorab in einer Videobotschaft: «Zusammen mit unseren Verbündeten müssen wir so stark sein, dass niemand es wagt, uns anzugreifen.» In zahlreichen deutschen Städten gab es wieder Kundgebungen für die Ukraine, auch im europäischen Ausland, etwa in London, Paris und Stockholm. 

Auf Befehl von Präsident Wladimir Putin hatte Russland in der Nacht zum 24. Februar 2022 den großflächigen Angriff auf den Nachbarn begonnen. Bereits seit 2014 hält es völkerrechtswidrig die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim besetzt. Nach UN-Schätzungen wurden bislang mindestens 10.000 Zivilisten getötet, darunter Hunderte Kinder. Die Zahl der getöteten Soldaten wird von beiden Seiten streng geheim gehalten. Experten gehen jedoch von vielen Zehntausenden aus - auf russischer Seite nochmals deutlich mehr als in den Reihen der ukrainischen Armee. 

Front verläuft auf etwa 1000 Kilometern

Derzeit stehen russische Truppen in einem Fünftel der Ukraine. Die Front verläuft auf etwa 1000 Kilometern. Auch Kiew ist immer wieder Ziel von Angriffen. Trotzdem reisten für den G7-Videogipfel mehrere Regierungschefs aus dem Westen persönlich zu Präsident Wolodymyr Selenskyj, um ein Zeichen zu setzen. Die Schalte wurde von der amtierenden G7-Vorsitzenden, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, aus Kiew geleitet. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie Kanadas Premierminister Justin Trudeau waren persönlich dabei. Scholz nahm aus Berlin teil. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron ließ sich vertreten.

«Um der Ukraine zu helfen, stocken wir unsere sicherheitspolitische Unterstützung für das Land auf und bauen unsere Produktions- und Lieferkapazitäten aus», erklärten die G7-Staaten im Anschluss an ihre Beratungen. Bei Fortdauer des Angriffskriegs gegen die Ukraine wolle die G7 demnach den Druck auf Russland erhöhen. «Wir sind unverändert entschlossen, unsere Sanktionen gegen Russland vollständig um- und durchzusetzen und bei Bedarf neue Maßnahmen zu beschließen», hieß es. Zudem warnte die G7 Russlands Unterstützer: «Wir werden weiterhin gegen Akteure aus Drittstaaten vorgehen, die Russlands Krieg materiell unterstützen.»

Sicherheitsabkommen mit Italien und Kanada

Parallel zu den Beratungen unterzeichneten Italien und Kanada bilaterale Sicherheitsabkommen mit der Ukraine. Mit Deutschland und Frankreich hat die Ukraine solche Abkommen bereits. 

Selenskyj machte zum Jahrestag deutlich, dass sich sein Land niemals geschlagen geben werde. «Jeder normale Mensch will, dass der Krieg endet. Aber niemand von uns erlaubt, dass unsere Ukraine endet.» Von der Leyen und Meloni würdigten Mut und Verteidigungswillen der ukrainischen Bevölkerung. Die deutsche Kommissionspräsidentin sagte: «Das tapfere Volk der Ukraine erstaunt die Welt immer wieder.» Zugleich kündigte sie an, dass im nächsten Monat eine erste Tranche von 4,5 Milliarden Euro aus einem EU-Hilfsfonds über insgesamt 50 Milliarden an die Ukraine gezahlt werde. Meloni versicherte: «Ihr seid nicht allein. Die Sicherheit der Ukraine ist die Sicherheit Europas und umgekehrt.»

Drohnenangriffe auf Odessa

Die Kämpfe an der Front und die gegenseitigen Angriffe mit Drohnen dauerten auch am zweiten Jahrestag an. Die Hafenstadt Odessa war Ziel eine zweite Nacht in Folge. Ein von einer Drohne getroffenes Wohnhaus liegt praktisch völlig in Trümmern. Auch Nachbarhäuser wurden beschädigt. Wenige Stunden später traf Baerbock zusammen mit dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba in Odessa ein. Für die Grünen-Politikerin ist dies bereits der sechste Besuch in der Ukraine seit Kriegsbeginn.

In der russischen Stadt Lipezk stand nach einem Drohnenangriff in der Nacht zum Samstag das Stahlwerk in Flammen. Später versicherte Gouverneur Igor Artamonow, der Brand sei gelöscht. «Es gibt keine Gefahr des Austretens gefährlicher Stoffe.» Die ukrainischen Streitkräfte greifen in ihrem Verteidigungskampf immer wieder militärische Ziele und die für die Kriegswirtschaft genutzten Industrieanlagen in Russland an.

Russisches Aufklärungsflugzeug abgeschossen

Zuvor schon hatte das Verteidigungsministerium in Moskau den Abschuss mehrerer Drohnen in verschiedenen Regionen gemeldet, ohne dass sich Kiew dazu äußerte. Die ukrainische Flugabwehr holte nach eigenen Angaben am Freitag über dem russisch kontrollierten Asowschen Meer ein russisches Aufklärungsflugzeug des Typs A-50 vom Himmel. Eine offizielle Bestätigung von russischer Seite gab es nicht. Die Angaben der beiden Kriegsparteien sind von unabhängiger Seite in vielen Fällen nicht zu überprüfen.

Selenskyj erklärte am Samstag, der Abschuss Aufklärungsflugzeugs vom Typ Berijew A-50 sei das Ergebnis der «Zusammenarbeit mit Partnern» gewesen. Gleichzeitig wies er Spekulationen zurück, wonach für den Abschuss von westlichen Partnern überlassene Waffensysteme, möglicherweise Patriot-Raketen, eingesetzt worden seien.  

Nato-Chef sichert weitere Unterstützung zu

Im Namen der Nato versicherte Generalsekretär Jens Stoltenberg der Ukraine abermals die Unterstützung der westlichen Militärallianz. «Die Ukraine wird der Nato beitreten. Die Frage ist nicht ob, sondern wann», sagte der Norweger in einer Videobotschaft zum Jahrestag. Putin habe den Krieg begonnen, weil er der Ukraine die Tür zum Bündnis verschließen wolle. Erreicht habe er genau das Gegenteil. Russland begründet den Überfall unter anderem damit, dass ein Nato-Beitritt der Ukraine seine Sicherheit bedrohe.

Nach Einschätzung des deutschen Militärexperten Carlo Masala wird der russische Angriffskrieg in der Ukraine noch längere Zeit dauern. «Für das Jahr 2024 sehe ich kein Ende für diesen Krieg, da gibt es nichts, was uns Hoffnung geben könnte», sagte der Professor der Bundeswehr-Universität München der «Augsburger Allgemeinen» (Samstag). «Die Ukraine findet keinen Frieden, weil Russland noch immer glaubt, diesen Krieg gewinnen zu können.»

Politik / Bundesregierung / Diplomatie / International / UN / Konflikte / Krieg / Wladimir Putin / António Guterres / Dmytro Kuleba / Annalena Baerbock / David Cameron / Deutschland / USA / Ukraine / Russland / Gesamtzusammenfassung
24.02.2024 · 20:44 Uhr
[2 Kommentare]
Iran-Krieg - Lenkwaffenzerstörer USS Thomas Hudner
Islamabad/Teheran/Tel Aviv (dpa) - Vier Wochen nach Kriegsbeginn setzen Israel und der Iran ihre heftigen gegenseitigen Angriffe fort. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete, Raketen seien in einem Wohngebiet südlich von Teheran eingeschlagen, dabei seien zehn Menschen ums Leben gekommen. Das israelische Militär bestätigte Angriffe in der […] (00)
vor 33 Minuten
Demi Lovato ist vor ihrer 'It's Not That Deep'-Tour nervös.
(BANG) - Demi Lovato fühlt sich vor dem Start ihrer 'It's Not That Deep'-Tour "ein bisschen überfordert und nervös". Die 33-jährige Sängerin freut sich jedoch darauf, ihre Fans bei der 18 Termine umfassenden Nordamerika-Tour zu sehen, die am 13. April im Kia Centre in Orlando, Florida, beginnt. Bei einer Veranstaltung zu ihrem Kochbuch 'One Plate at a […] (00)
vor 2 Stunden
Review: Dreame A3 AWD Pro 5000 Test – Der Mähroboter, der selbst schwierige Gärten meistert
Ich habe mir den Dreame Mähroboter A3 AWD Pro 5000 Anfang März 2026 zugelegt, nachdem ich monatelang verschiedene Modelle verglichen habe – von klassischen Draht-Mährobotern über RTK-Systeme bis hin zu anderen kabellosen High-End-Geräten. Nach knapp vier Wochen intensiver Nutzung auf meinem 4200 m² großen, teils stark geneigten Grundstück mit vielen […] (00)
vor 11 Minuten
Pokémon Pokopia Guide: Kristall-Fragmente finden und effektiv farmen
In Pokémon Pokopia sammelst du ständig Materialien, um Gebäude zu reparieren, neue Gegenstände herzustellen oder Quests abzuschließen. Während viele Ressourcen relativ leicht zu finden sind, gibt es ein Material, das bei Spielern immer wieder für Frust sorgt: Kristall-Fragmente. Diese kleinen blauen Splitter gehören zu den seltensten Rohstoffen im […] (01)
Gestern um 19:00
Pretty Lethal-Star Uma Thurman
(BANG) - Uma Thurman betrachtet Figuren nicht als eindeutig gut oder böse. Die 55-jährige Schauspielerin versucht stattdessen, ihre Figuren als echte Menschen zu verstehen. Außerdem hat sie den größten Spaß an den Charakteren, die sie als komplex bezeichnen würde. "Ich versuche, die grundlegende Motivation einer Figur zu verstehen. Die meisten sind […] (00)
vor 2 Stunden
Julian Nagelsmann
Stuttgart (dpa) - Julian Nagelsmann würde am liebsten einfach die Repeat-Taste drücken. Noch einmal Fußball-Wirbel von Florian Wirtz. Noch einmal Power-Fußball wie beim Vier-Tore-Statement in der Schweiz. Aber für den letzten Härtetest vor der WM-Nominierung hat der Bundestrainer auch die langfristige Fitness seiner Turnierkandidaten genau im Blick. Im […] (01)
vor 4 Stunden
kostenloses stock foto zu 50 €, anlagestrategie, bankwesen
Die World Foundation hat kürzlich bekannt gegeben, dass ihre Token-Ausgabestelle, World Assets, einen außerbörslichen Verkauf von WLD-Token im Wert von $65 Millionen abgeschlossen hat. Der Verkauf erfolgte über vier Käufer in der vergangenen Woche. Die erste Transaktion wurde am 20. März abgewickelt. Bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von etwa […] (00)
vor 1 Stunde
In einem sich neu ordnenden Rohstoffmarkt setzt Green Bridge Metals auf heimische Zukunftsrohstoffe
Lüdenscheid, 29.03.2026 (PresseBox) - Green Bridge Metals Corp. (ISIN: CA3929211025; WKN: A3EW4S) , freut sich, ein Update zu seinem laufenden Phase-1-Diamantkernbohrprogramm dem Projekt “Titac” bereitzustellen, das sich im “South Contact District” des Unternehmens im Nordosten des US-Bundesstaates Minnesota befindet. Das Projekt “Titac” beherbergt […] (00)
vor 14 Stunden
 
Drei Leichen bei Nürnberg gefunden
Nürnberg (dpa) - In einem Einfamilienhaus in Pommelsbrunn bei Nürnberg sind drei […] (03)
Markus Söder am 27.03.2026
Berlin - Die im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD verabredete Änderung des […] (04)
Stürmisches Wetter in Leipzig
Offenbach (dpa) - Wolken, Regen und Schnee in höheren Lagen bestimmen den Beginn der […] (00)
Henning Höne (Archiv)
Berlin - Der FDP-Landesvorsitzende von Brandenburg, Zyon Braun, kann sich Parteivize […] (02)
Super Mario Galaxy Film: Nintendo bestätigt Auftritt einer legendären Figur
Der kommende Super Mario Galaxy Film sorgt schon vor dem Kinostart für […] (00)
Formel 1 - Großer Preis von Japan
Suzuka (dpa) - Als jüngster WM-Spitzenreiter der Formel-1-Geschichte bekam Kimi […] (03)
Tubi kündigt «Remember Me» an
Der Streamingdienst setzt weiter auf junge Zielgruppen. Der Mystery-Stoff von Christopher Pike […] (00)
Halle Bailey
(BANG) - Halle Bailey empfindet seit ihrer Mutterschaft alles "noch intensiver". Die […] (00)
 
 
Suchbegriff