UEFA-Kongress in Brüssel: Zwischen Politik und Fußball
Die große Bühne des europäischen Fußballs im leuchtenden Blau und Silber eines Brüsseler Podiums bot weder Erwähnungen über Donald Trump noch offene Debatten über Russland. Anlässlich des UEFA-Kongresses, bei dem sowohl Aleksander Ceferin als auch Gianni Infantino anwesend waren, lagen verborgene Konfliktthemen eher unberührt im Raum. Insbesondere vor der bevorstehenden Nations-League-Auslosung suchte man vergebens nach öffentlich ausgetragenen Differenzen zwischen den Spitzenvertretern.
Stattdessen stand die kürzlich erzielte Einigung mit Real Madrid im Fokus der Selbstbeweihräucherung – ein entscheidender Schritt, der die jahrelange Kontroverse um die Super League beendete. Infantino schloss sich den Glückwünschen an. Die Eventualität eines Boykotts der bevorstehenden Weltmeisterschaft aufgrund der Politik des US-Präsidenten oder die Rückkehr russischer Mannschaften blieb weitgehend unthematisiert.
Infantino gelang es jedoch, seiner Rede einen positiven Ton zu verleihen. Aus seinen Verbindungen zu Trump und dessen umstrittener Politik erwuchs eine optimistische Sommerprognose: "Die WM wird ein Symbol der Einheit und Solidarität sein", so der FIFA-Präsident. In einer „geteilt-aggressiven Welt“ will er mit der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada eine friedliche und frohe Atmosphäre schaffen.
Während in Deutschland und auf EU-Ebene Boykott-Forderungen laut wurden, widersetzte sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf diesem Druck. Infantino rief die europäischen Verbände dazu auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und die verbindende Kraft des Fußballs zu nutzen. "Ich zähle auf jeden Einzelnen von Euch", appellierte er an die Delegierten.
Zum Thema Russlands Rückkehr hielt sich Infantino bedeckt, während Ceferin sich als Befürworter für eine Perspektive junger russischer Teams äußerte. „Lösungen finden“ sei das Credo des UEFA-Chefs, ohne dass er jedoch explizit auf den Ukraine-Konflikt einging.
Ceferin sparte nicht mit Kritik an den Ticketpreisen der FIFA. „Fußball ist Identität, keine Ware“, erklärte er und versprach fan-freundliche Preise für die EM 2028. Dies sei ein klarer Gegensatz zur umstrittenen Preispolitik der FIFA, die sich nach der Nachfrage richtet, jedoch auf massive Kritik stieß.
Mit Blick auf die nächste EM in England, Wales, Schottland und Irland im Jahr 2028, ließ Ceferin konkrete Ticketpreise offen. In seiner Amtszeit blickt er dabei ungewiss auf eine mögliche erneute Kandidatur im Jahr 2027 in Astana.

