Überraschende Wendung bei Anleiherenditen nach US-Arbeitsmarktdaten
Die deutschen Staatsanleihen verzeichneten am Freitag einen Aufschwung, nachdem ein unbefriedigender US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht wurde. Der als wegweisend geltende Euro-Bund-Future stieg um 0,13 Prozent und erreichte 129,74 Punkte. Gleichzeitig fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf 2,68 Prozent.
Unerwartet schwach zeigte sich der US-Arbeitsmarkt mit einer Beschäftigtenzahl, die nicht nur im Juli deutlich hinter den Prognosen der Experten zurückblieb. Auch die Statistik für die beiden vorhergehenden Monate wurde beträchtlich nach unten korrigiert, begleitet von einem Anstieg der Arbeitslosenquote. Zudem hat sich parallel die Stimmung in der US-Industrie verschlechtert, wobei der ISM-Einkaufsmanagerindex auf das niedrigste Niveau seit Oktober 2024 sank.
'Die Auswirkungen der tarifären Spannungen hinterlassen klare Bremsspuren am US-Arbeitsmarkt', analysierte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Er betont, dass die wirtschaftliche Entwicklung durch Zölle stärker gebremst wird als bisher vermutet. Noch am Mittwoch hatte US-Notenbankchef Jerome Powell eine Zinssenkung mit Verweis auf einen stabilen Arbeitsmarkt ausgeschlossen.
Der Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz bemerkte hierzu, dass ihre Prognose für eine Zinssenkung in der nächsten Sitzung durch die aktuellen Zahlen wahrscheinlicher geworden ist. Diese Einschätzung steht indes unabhängig von politischem Druck seitens des Weißen Hauses.
Indessen hatten aktuelle Daten zur Verbraucherpreisentwicklung in der Eurozone kaum Einfluss auf den Markt. Die Jahresinflation stieg um 2,0 Prozent, während Experten mit einem Rückgang auf 1,9 Prozent gerechnet hatten. Somit liegt die Inflation genau im Einklang mit dem mittelfristigen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die ihre Leitzinsen in der vergangenen Woche nach einer Serie von Zinssenkungen unverändert ließ.

