Investmentweek

Trumps Rückzieher: Panik, Druck oder doch ein genialer Plan?

10. April 2025, 08:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Nach einem beispiellosen Zoll-Trommelfeuer rudert Donald Trump plötzlich zurück. 90 Tage Pause – offiziell Teil einer Strategie, inoffiziell womöglich der teuerste Rückwärtsgang seiner Präsidentschaft.

Ein Präsident im Rückwärtsgang

Es ist 9:37 Uhr an der US-Ostküste, als Donald Trump auf Truth Social seinen üblichen Finanzrat rausposaunt: „Dies ist eine großartige Zeit zum Kaufen!!!“ Nur Stunden später zieht er große Teile seiner neuen Zölle zurück – für 90 Tage.

Offiziell, um „Verhandlungen Raum zu geben“. Inoffiziell? Weil es anders nicht mehr ging.

Was als gezielte Machtdemonstration begann, geriet binnen weniger Tage außer Kontrolle. Börsen im Sturzflug, Investoren in Aufruhr, selbst Milliardärsfreunde rebellieren. Und am Ende beugt sich Trump – nicht China, nicht Brüssel, sondern dem einzigen Taktgeber, auf den er wirklich hört: den Finanzmärkten.

Zölle auf 125 Prozent, Wall Street im Sinkflug

Nur wenige Tage zuvor hatte Trump noch mit Zöllen in nie dagewesener Härte um sich geworfen. Für China schoss der Satz auf 125 Prozent – ein wirtschaftlicher Sprengsatz. Parallel rauschten die Börsen ab, US-Staatsanleihen verloren rapide an Vertrauen. Das Weiße Haus sah sich gezwungen, die eigene Politik in Echtzeit zu relativieren.

Das Timing war bezeichnend. Große Hedgefonds-Stimmen wie Ken Griffin (Citadel) und Bill Ackman (Pershing Square) schlugen öffentlich Alarm.

Von einem „historischen Fehler“ war die Rede, von der „Gefahr eines Systemcrashs“. Trump, sonst nicht zimperlich im Umgang mit Kritik, hörte plötzlich zu – weil es diesmal um sein eigenes Börsenbarometer ging.

„Ein bisschen ängstlich“ – oder schlicht überfordert?

Trumps eigene Aussagen lassen tief blicken. Auf Nachfrage, warum er die Kehrtwende vollzogen habe, sagte er: „Die Leute waren ein bisschen unruhig, ein bisschen ängstlich.“

Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq brechen vor der Kehrtwende dramatisch ein – am Tag des Rückziehers springt Trumps eigenes Aktienvermögen um über 400 Mio. US-Dollar.

Eine klassische Trump’sche Untertreibung – denn was er damit umschrieb, war faktisch ein massiver Vertrauensverlust der Märkte. Ein Rückgang, wie man ihn zuletzt in den frühen Phasen der Finanzkrise gesehen hatte.

Dass er sich zum Handeln gezwungen sah, steht im Widerspruch zur offiziellen Version vom „genialen Plan“. Trumps Umfeld behauptet zwar, alles sei von Anfang an so gewollt gewesen. Doch sein eigener Satz bringt es auf den Punkt: „Ich habe das heute früh entschieden.“

Börsen jubeln – und Trumps Aktien gleich mit

Der Kurswechsel wirkte sofort. Der Dow Jones schoss um 7,9 Prozent nach oben, der Nasdaq legte sogar um 12 Prozent zu. Noch interessanter: Die Aktie von Trumps eigener Firma, der Trump Media & Technology Group (Ticker: DJT), sprang um satte 22,67 Prozent.

Und Trumps Beteiligung stieg an diesem Tag um rund 415 Millionen US-Dollar.

Wieder einmal steht die Frage im Raum: Handelte Trump als Präsident – oder als Investor? Der Hinweis auf „DJT“ in seiner Truth-Social-Mitteilung war mehr als doppeldeutig.

Ethik-Experten wie Richard Painter warnen vor einem „Spiel mit Insiderinformationen“ – nicht das erste Mal, dass Trump durch persönliche Finanzinteressen in politische Konflikte gerät.

Zehn Prozent Basiszoll – Deal oder Ablenkung?

Die neue Übergangsregelung sieht nun für 90 Tage einen Basiszoll von zehn Prozent für die meisten Länder vor. Eine Atempause – mehr nicht. Die ursprüngliche Eskalation hat bereits Milliarden vernichtet. Die Rücknahme beruhigt kurzfristig, lässt aber eine zentrale Frage offen: Was passiert nach Ablauf der Frist?

Verhandelt wird mit 70 Ländern. Das Weiße Haus feiert das als diplomatischen Erfolg. Doch hinter den Kulissen herrscht Misstrauen. Viele Partnerländer dürften sich fragen: Lässt sich mit einem US-Präsidenten überhaupt seriös verhandeln, der seine Strategie vor dem Frühstück über den Haufen wirft?

Ein Plan, der keiner war – aber Wirkung hatte

Trumps Rückzieher ist kein Zeichen von Größe. Es ist ein taktischer Rückzug unter massivem Druck. Die wirtschaftliche Logik hinter den Zöllen war von Anfang an fragwürdig, die politischen Folgen hochriskant. Dass Trump nun innehält, ist weniger einem Masterplan zu verdanken als dem Reflex, seine Umfragewerte und Vermögenslage zu schützen.

Dass sich sein Portfolio dabei parallel zur Wall Street erholt, dürfte für ihn ein willkommener Nebeneffekt sein. Für den Rest der Welt bleibt die Lage fragil. 90 Tage Pause – aber keine Garantie, dass der nächste Sturm nicht schon vorbereitet wird.

Finanzen / Global
[InvestmentWeek] · 10.04.2025 · 08:00 Uhr
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