Investmentweek

Trump zettelt nächsten Handelskrieg an – 35 % Zölle für Kanada, EU im Visier

12. Juli 2025, 20:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Trump hat 35% Zölle auf kanadische Waren angekündigt und droht der EU mit pauschalen Strafzöllen. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft sind gravierend.

Zölle aus dem Nichts – mit Ansage

Donald Trump macht wieder, was Donald Trump am besten kann: maximale Konfrontation mit maximaler Bühne. 35 Prozent Strafzoll gegen Kanada – veröffentlicht auf seiner Plattform Truth Social, garniert mit Vorwürfen wegen der Fentanyl-Krise.

Nur Stunden später droht der US-Präsident dann auch der EU mit einem Rundumschlag: Pauschalzölle zwischen 15 und 20 Prozent auf praktisch alle Warenimporte. Die Botschaft: „Die Party ist vorbei, Amerika zahlt nicht mehr.“

Dass der Konflikt mit Kanada eskaliert, war nach Trumps einseitigem Abbruch der Handelsgespräche Ende Juni absehbar. Neu ist der Tonfall – und die Geschwindigkeit.

Die Zölle sollen ab 1. August gelten. Die EU „könnte heute oder morgen einen Brief erhalten“, so Trump gegenüber NBC News. Was wie ein Einschreiben mit Rückschein klingt, ist in Wahrheit eine außenwirtschaftliche Drohung im Wahlkampfformat.

Zielscheibe Kanada – und warum Europa sich warm anziehen muss

Mit seiner Attacke gegen den nördlichen Nachbarn zielt Trump auf ein sensibles Thema: die amerikanische Opioidkrise. Kanada wird vorgeworfen, zu wenig gegen Fentanyl-Schmuggel zu unternehmen.

Dass Zölle auf Industrie- und Konsumgüter in Wahrheit kaum helfen, das Drogennetzwerk zu unterbinden, spielt im Trump’schen Weltbild eine untergeordnete Rolle. Wirtschaftssanktionen als innenpolitisches Signal – diese Strategie ist nicht neu. Neu ist aber die Konsequenz, mit der Trump sie wieder einsetzt.

Der US-Präsident stellt erneut das USMCA-Handelsabkommen infrage – ob die Ausnahmeregelungen mit Kanada und Mexiko ab August noch gelten, ist unklar.

Für Europa bedeutet das: Die Ruhe trügt. Noch liegt kein offizielles Schreiben vor, aber Trumps Ankündigung ist klar: Auch die EU wird zahlen – entweder 15 oder 20 Prozent pauschal. Wer was genau zahlen soll? Das werde man „jetzt ausarbeiten“, so Trump. Es ist die Rückkehr zur Zollpolitik aus dem Bauch heraus – mit dem Risiko, dass komplexe Lieferketten plötzlich in Frage stehen.

Trumps neuer Zollnationalismus – altbekannt, neu aufgelegt

Es wirkt wie ein Déjà-vu: Schon in seiner ersten Amtszeit hatte Trump mit Strafzöllen gegen China, die EU, Mexiko und Kanada für massive Unruhe auf den Märkten gesorgt. Jetzt rollt er die Agenda wieder aus – mit einer Mischung aus wirtschaftlichem Protektionismus und geopolitischer Einschüchterung.

Die EU ist besonders verwundbar. Deutschland exportiert jährlich Waren im Wert von über 125 Milliarden Euro in die USA, darunter Maschinen, Chemikalien und Autos. Ein pauschaler Zoll von 15 bis 20 Prozent würde die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen massiv schwächen – nicht zuletzt in Schlüsselbranchen wie dem Automobilsektor, der ohnehin unter Kostendruck steht.

Wirtschaftlich zweifelhaft, politisch kalkuliert

Trump beruft sich auf die gute Stimmung an den US-Aktienmärkten – als Beweis dafür, dass seine Zollpolitik funktioniere. In Wahrheit profitiert die Wall Street derzeit von Zinssenkungshoffnungen und stabilen Unternehmensgewinnen, nicht von Trumps Eskalationen.

Die Folgen seiner Maßnahmen dürften sich – wie schon 2018 – zeitverzögert zeigen: in Form steigender Verbraucherpreise, höheren Kosten für importierte Zwischenprodukte und wachsenden Unsicherheiten bei internationalen Investoren.

Trump verhängt 35 % Zölle auf kanadische Waren – offiziell wegen Fentanyl-Schmuggel, faktisch trifft es die wirtschaftlich eng verflochtenen Nachbarn.

Besonders betroffen wären deutsche Automobilhersteller wie BMW, Mercedes und Volkswagen, die einen erheblichen Teil ihrer Fahrzeuge in den USA produzieren – aber Komponenten aus Europa importieren. Auch Chemiekonzerne wie BASF oder Bayer exportieren empfindlich viele Vorprodukte in die USA.

EU zwischen Reaktion und Vorsicht

Brüssel hält sich offiziell noch zurück. Die Kommission verweist darauf, dass bisher kein offizielles Zollschreiben eingegangen sei. Doch intern bereitet man sich offenbar bereits auf mehrere Szenarien vor – darunter Gegenmaßnahmen im Rahmen der WTO oder bilaterale Ausgleichszölle.

Das Problem: Eine Eskalation birgt die Gefahr, in einen neuen Handelskrieg gezogen zu werden – zu einem Zeitpunkt, an dem die europäische Wirtschaft ohnehin unter schwachem Wachstum, hohen Energiepreisen und geopolitischen Spannungen leidet.

Eine Zollspirale zur Unzeit

Trump nutzt den Wahlkampfmodus – und setzt auf einfache Botschaften. „America First“ klingt populär, lässt sich leicht twittern und verschleiert die strukturellen Probleme der US-Industrie. Doch die Rechnung zahlen meist andere: Verbraucher, Unternehmen, Handelspartner.

Für Europa geht es jetzt um mehr als um Reaktion. Es geht um strategische Handlungsfähigkeit in einer Weltordnung, in der alte Verlässlichkeiten bröckeln – und in der selbst enge Verbündete plötzlich zu Adressaten wirtschaftlicher Drohungen werden.

Finanzen / Global / Handelskrieg / Zölle / Trump
[InvestmentWeek] · 12.07.2025 · 20:00 Uhr
[0 Kommentare]
Natur in Argentinien
Buenos Aires (dpa) - Das Parlament in Argentinien hat eine umstrittene Reform des Gesetzes zum Schutz von Gletschern beschlossen. Die Abgeordnetenkammer stimmte nach stundenlanger Debatte mit 137 zu 111 Stimmen für die Vorlage, die den Schutz von Gletscher- und angrenzende Hochgebirgsgebiete einschränkt und neue wirtschaftliche Projekte – vor allem im […] (00)
vor 6 Minuten
Der deutsche Film verliert einen seiner größten Namen: Mario Adorf ist tot.
(BANG) - Der deutsche Film verliert einen seiner größten Namen: Mario Adorf ist tot. Der Schauspieler, der Generationen von Zuschauern prägte, starb im Alter von 95 Jahren nach kurzer Krankheit in seiner Wohnung in Paris – und hinterlässt ein Lebenswerk, das weit über Deutschland hinausstrahlt. Ob als Schurke, Patriarch oder feinsinniger […] (01)
vor 1 Stunde
iPhone 17 Modelle dominieren globale Smartphone Verkäufe im vierten Quartal 2025
Apple hat mit seiner iPhone 17 Serie im vierten Quartal 2025 die Marktführerschaft eindrucksvoll behauptet. Einem aktuellen Bericht von Counterpoint Research zufolge besetzen die neuen iPhone Modelle die Spitzenplätze der globalen Verkaufsstatistiken im genannten Zeitraum. iPhone 17 Pro Max […] (00)
vor 1 Stunde
PS6-Handheld soll stärker als Xbox sein – Leak sorgt für Aufsehen
Die nächste PlayStation ist noch nicht offiziell angekündigt und trotzdem überschlagen sich seit Monaten die Gerüchte. Dieses Mal geht es nicht nur um eine klassische Konsole. Es geht um etwas, das Sony schon einmal versucht hat und vielleicht jetzt völlig neu denkt. Ein Handheld. Und laut Leak könnte dieses Gerät deutlich stärker sein, als viele […] (00)
vor 38 Minuten
Rettungsdoku: VOX bringt «Feuer, Wasser, Erde, Luft» zurück
Vier neue Folgen werden ins Programm genommen, von denen jeweils eine im Wochenrhythmus läuft. Die VOX-Dokusoap Feuer, Wasser, Erde, Luft hatte eine etwas skurrile Geschichte hinter sich. Die Premieren-Staffel im Frühjahr 2023 wurde vorzeitig aus dem Programm genommen, nachdem die ersten Folgen nur schwache Quoten holten. Weil nach Bekanntgabe dieser Maßnahme jedoch nochmal ein Anstieg auf bis […] (00)
vor 4 Stunden
Felix Zwayer
Zürich (dpa) - Schiedsrichter Felix Zwayer ist von der FIFA für die Fußball-Weltmeisterschaft nominiert worden. Der 44-Jährige aus Berlin ist der einzige Deutsche im 52-köpfigen Aufgebot des Weltverbands für die Leitung der WM-Spiele in den USA, Mexiko und Kanada. Für Zwayer ist es eine Premiere. Der Bundesliga-Schiedsrichter pfiff bereits bei der […] (00)
vor 12 Minuten
Coppernico optioniert Schlüsselkonzessionen bei Sombrero
Vancouver, Kanada, 09.04.2026 (PresseBox) - Coppernico Metals Inc. (TSX: COPR, OTCQB: CPPMF, FWB: 9I3)  („Coppernico“ oder das „Unternehmen“) freut sich, bekannt zu geben, dass das Unternehmen eine Option auf Mineralkonzessionen mit einer Gesamtfläche von 600 Hektar („ha“) erworben hat, die an sein Zielgebiet Tipicancha auf seinem Projekt Sombrero in Peru angrenzen. Die unter Option stehenden […] (00)
vor 1 Stunde
 
Finanzielle Bereitschaft bewerten Um mit 55 Jahren komfortabel in den Ruhestand zu […] (00)
Milliardengeschäft mit KI-Chips: Nvidia dominiert, AMD und Intel kämpfen um Marktanteile
Der unstoppbare Aufstieg des KI-Chip-Marktes Die Künstliche Intelligenz hat sich von […] (00)
DAX zeigt sich schwach Nach einer Erholungsphase zur Wochenmitte steht der […] (00)
Bauarbeiter auf einer Baustelle (Archiv)
Berlin - Der Erwerb von Wohneigentum bleibt für viele Erstkäufer in Deutschland trotz […] (01)
George Clooney
(BANG) - George Clooney hat das Weiße Haus aufgefordert, angesichts ernsterer Themen […] (00)
Die Anforderungen im Außendienst steigen stetig. Versorgungsunternehmen sehen sich mit einem […] (00)
FC Barcelona - Atlético Madrid
Barcelona/Paris (dpa) - Hansi Flick droht mit dem FC Barcelona das Aus in der […] (04)
Ein wichtiges Signal für die Schifffahrt Die kürzlich verkündete Waffenruhe zwischen […] (00)
 
 
Suchbegriff