Trump überrascht mit Rückzieher: Keine Zusatzzölle für Europa – Grönland im Fokus
Die Welt blickt nach Davos, wo der US-Präsident Donald Trump zunächst die Europäer mit neuen Zollandrohungen verunsicherte, um sie dann spätnachts mit einer versöhnlicheren Ankündigung zu überraschen. Trumps ursprünglich geplante Zusatzzölle von 10 Prozent auf Warenimporte aus Deutschland und anderen europäischen Ländern ab 1. Februar werden vorerst nicht in Kraft treten. Dies gab der US-Präsident nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte bekannt. Zwar bleiben die exakten Details ihrer Gespräche unklar, jedoch verkündete Trump auf der Plattform Truth Social, dass ein Rahmen für eine künftige Übereinkunft über Grönland und die Arktis im Allgemeinen entstanden sei.
Noch am selben Tag hatte das EU-Parlament als Reaktion auf Trumps Zollandrohung ein bereits vorbereitetes Handelsabkommen mit den USA auf Eis gelegt. Weniger als eine Woche zuvor hatte Trump angekündigt, jene Nato-Mitglieder zu bestrafen, die seine Besitzansprüche auf Grönland nicht unterstützen, darunter auch Deutschland. Die angekündigten Zölle sollten ab Juni sogar auf 25 Prozent steigen. Seit dem Sommer liegen die Zollsätze auf EU-Waren bereits bei 15 Prozent.
Welche konkreten Abmachungen Trump und Rutte getroffen haben, bleibt bisher spekulativ. Gerüchten zufolge ist von einer Neubearbeitung eines Verteidigungsabkommens von 1951 zwischen den USA und Dänemark für Grönland die Rede. Zudem könnten die Themen Investitionskontrolle und ein erweitertes Engagement der europäischen Nato-Staaten im arktischen Raum Teil des Gesprächs gewesen sein. Berichte der "New York Times" lassen erste Überlegungen durchblicken, dass Dänemark den USA kleinere Gebiete Grönlands überlassen könnte, um dort Militärstützpunkte einzurichten.
Trumps Ansinnen nach Grönland beherrschte seit Beginn seine öffentliche Rede auf dem Weltwirtschaftsforum, in der er Grönland als Schlüssel zur Sicherheit der USA bezeichnete. Der Machtkampf um das "große, schöne Stück Eis" führte zu Kritik und Verteidigung gleichermaßen. Trump betonte, die Nato sei maßgeblich von den USA abhängig und Grönland auch für die Europäer von sicherheitspolitischem Interesse.
In einer ersten vorsichtigen Reaktion auf Trumps Rückzug zeigten sich Vertreter der Bundesregierung abwartend. Vizekanzler Lars Klingbeil indes ließ verlauten, dass man auf die Details der Vereinbarungen zwischen Trump und Rutte gespannt sei. Mit Blick auf die anstehenden Reden in Davos wird erwartet, dass Bundeskanzler Friedrich Merz sich in Kürze zu den Entwicklungen äußern wird.

