Investmentweek

Trump startet Tiefsee-Offensive – und bringt die Welt in Zugzwang

06. Mai 2025, 21:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Mit einem Federstrich hebelt der US-Präsident das Völkerrecht aus und entfesselt den globalen Wettlauf um Rohstoffe vom Meeresboden. Jetzt drängt selbst die UN auf klare Regeln – ein geopolitischer Rohstoffkonflikt beginnt.

Ein Erlass – und der Meeresgrund wird politisch

Am 24. April 2025 unterzeichnete Donald Trump einen Erlass, der das Potenzial hat, globale Rohstoffmärkte, internationale Diplomatie und Umweltdebatten gleichermaßen zu erschüttern.

Er erlaubt US-Unternehmen, Mineralien auf dem Meeresboden zu fördern – und das nicht nur in amerikanischen Gewässern, sondern auch in internationalen Zonen, die bislang als tabu galten. Damit überschreitet die US-Regierung eine völkerrechtliche Grenze – bewusst.

Das Regelwerk der UN-Seerechtskonvention (UNCLOS), das die Nutzung der Tiefsee organisiert, hat die USA nie ratifiziert – sich aber jahrzehntelang freiwillig an dessen Prinzipien gehalten.

Trump kippt diese stillschweigende Übereinkunft und zielt auf eine neue Rohstoffordnung, in der Amerika sich nicht mehr an internationale Verfahren bindet, sondern selbst genehmigt, wo und wie gefördert wird.

Ein Tabubruch – getrieben von geopolitischem Kalkül

Trump geht es nicht um wirtschaftliche Effizienz, sondern um geopolitische Unabhängigkeit. Der US-Erlass ist eine Reaktion auf Chinas dominierende Rolle bei der Weiterverarbeitung von Kobalt, Nickel und seltenen Erden.

Die Botschaft: Künftig sollen kritische Rohstoffe „frei von Kontrolle ausländischer Rivalen“ beschafft werden – sprich: nicht aus China. Die Metalle aus der Tiefsee gelten als Schlüsselmaterialien für E-Mobilität, Batterietechnik, Rüstung und saubere Energien.

Die Internationale Energieagentur erwartet, dass sich die Nachfrage bis 2040 vervierfachen könnte.

Tiefseebergbau in 5.500 Metern Tiefe – mit ferngesteuerten Fahrzeugen und ohne vollständige Umweltfolgenabschätzung.

Zugleich kündigte die Trump-Administration an, innerhalb von zehn Jahren rund 100.000 neue Jobs im Rohstoffsektor schaffen zu wollen – und verweist auf eine angeblich saubere Industrie, die weniger Natur zerstört als herkömmlicher Bergbau an Land.

Die Reaktion: Empörung – und plötzlicher Handlungsdruck

Die Antwort auf Trumps Alleingang ließ nicht lange auf sich warten. Europa, China, Pazifikstaaten und Umweltorganisationen kritisieren den US-Vorstoß scharf. Besonders deutlich äußerte sich Frankreichs Meeresbotschafter: „Die Tiefsee ist nicht käuflich.“

Die EU hält die Regelungen der UN-Seerechtskonvention auch für Staaten für bindend, die sie nicht unterzeichnet haben – wie die USA. Und selbst China, sonst oft selbst Ziel internationaler Kritik, gibt sich als Verteidiger der regelbasierten Ordnung.

Das Interessante: Trumps Schritt hat eine Entwicklung in Gang gesetzt, die er möglicherweise gar nicht wollte. Die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA), bisher gelähmt und ohne verbindliche Förderregeln, kündigte nun überraschend an, bis Ende des Jahres ein internationales Regelwerk zu verabschieden.

Damit würde ausgerechnet Trumps Regelbruch zu einem Katalysator für mehr Ordnung in der Tiefsee.

Warum die Tiefsee so umkämpft ist

Im Zentrum des Interesses stehen sogenannte polymetallische Knollen – steinähnliche Gebilde, groß wie Gänseeier, die Kupfer, Kobalt, Mangan, Nickel und seltene Metalle enthalten.

Die Clarion-Clipperton-Zone (CCZ) im Nordpazifik – größer als die gesamte EU – ist besonders reich an diesen Ressourcen. Allein dort lagern laut Schätzungen bis zu 21 Milliarden Tonnen Knollen – das Vierfache aller bekannten Kobaltvorkommen an Land.

Mehr als 20 Länder fordern ein Moratorium, darunter Deutschland, Frankreich und Kanada. Doch rohstoffarme Pazifikstaaten setzen auf Einnahmen aus Tiefsee-Lizenzen – und geraten zwischen die Fronten der Großmächte.

Bisher hatte die ISA nur Lizenzen zur Erkundung vergeben. Nun will etwa die kanadische Metals Company eine Fördergenehmigung – gestützt auf Trumps Erlass. Sie hat bereits Tausende Tonnen Knollen geborgen und steht in Washington ganz vorne in der Warteschlange.

Gefahr für ein Ökosystem, das wir kaum verstehen

Der Widerstand gegen den Tiefseebergbau ist nicht nur juristisch, sondern auch ökologisch motiviert. Der Biologe Douglas McCauley beschreibt die Tiefsee als eines der empfindlichsten Ökosysteme unseres Planeten.

Dort leben Organismen unter extremem Druck, bei völliger Dunkelheit und langsamer Stoffwechselrate. „Das Leben dort tickt langsamer“, sagt McCauley – und Erholungsphasen könnten Jahrhunderte dauern. Forscher befürchten, dass Arten ausgelöscht werden könnten, bevor wir sie überhaupt entdeckt haben.

Dazu kommt: Die Methode der Förderung – große Unterwasserfahrzeuge saugen Knollen samt Sediment vom Meeresboden und pumpen sie nach oben – wirbelt Ablagerungen auf, die über hunderte Kilometer strömen und Fischgründe bedrohen könnten.

Befürworter des Tiefseebergbaus argumentieren dagegen, dass der ökologische Fußabdruck an Land – etwa in Sulawesis Regenwäldern – deutlich größer sei. Das Argument: Wenn schon Bergbau, dann lieber im Wasser.

Industriestaaten gegen Pazifikinseln: Eine neue Rohstoffweltordnung?

Mehr als zwei Dutzend Staaten – darunter Kanada, Frankreich, Neuseeland, Deutschland – fordern inzwischen ein Moratorium oder mindestens ein „Vorsichtsprinzip“ beim Tiefseebergbau.

Besonders kleinere Inselstaaten im Pazifik, deren Küsten an die CCZ grenzen, sind gespalten: Einerseits fürchten sie Umweltfolgen, andererseits lockt die Aussicht auf Einnahmen aus Lizenzen und Beteiligungen.

Beispiel Cookinseln: Premierminister Mark Brown bezeichnet die Knollen als „Batterien in einem Stein“ – und trägt sie öffentlichkeitswirksam in der Tasche.

Im Februar unterzeichnete sein Land eine strategische Partnerschaft mit China. Das zeigt: Der geopolitische Wettlauf um den Meeresboden hat längst begonnen. Und nicht jeder will Zuschauer bleiben.

Das Rennen ist eröffnet – aber wer schreibt die Regeln?

Die entscheidende Frage lautet jetzt: Gelingt es der ISA, noch 2025 ein verbindliches Regelwerk zu verabschieden, das Umwelt, Staaten und Unternehmen gleichermaßen berücksichtigt?

Oder treiben nationale Alleingänge, strategische Interessen und ökonomischer Druck die Fragmentierung weiter voran?

Sollte es zu keiner Einigung kommen, droht eine rechtliche Grauzone auf hoher See – mit unabsehbaren Folgen. Das wäre nicht nur eine Niederlage für die internationale Ordnung, sondern könnte auch Trumps erklärtes Ziel konterkarieren: Amerika im Rohstoffrennen nach vorne zu bringen. Denn ohne globale Anerkennung der Lizenzierungen drohen Investoren, Umweltschützer und Handelspartner auf Distanz zu gehen.

Finanzen / Märkte
[InvestmentWeek] · 06.05.2025 · 21:00 Uhr
[0 Kommentare]
Argentiniens Wirtschaft im Aufwind: Mileis Reformen zeigen erste positive Signale
Argentinien auf dem Weg zur wirtschaftlichen Stabilisierung Nach einer Phase intensiver wirtschaftlicher Herausforderungen zeigt Argentinien unter der Führung von Präsident Javier Milei erste Zeichen der Stabilisierung. Die radikalen Reformmaßnahmen, die seit Amtsantritt des libertären Politikers eingeleitet wurden, beginnen allmählich Früchte zu […] (00)
vor 23 Minuten
Mann stirbt nach Polizeischüssen bei Verfolgungsfahrt
Saarbrücken (dpa) - Bei einer Verfolgungsfahrt in Saarbrücken ist ein 22-Jähriger durch Polizeischüsse verletzt worden und danach gestorben. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein weiterer Mann wurde verletzt. Zuvor hatte die «Bild» berichtet. Der 22-Jährige saß am Steuer des verfolgten Wagens. Auf Anfrage teilte die Staatsanwaltschaft […] (00)
vor 11 Minuten
Kelly Osbourne teilte dieses Foto von Kiinicki auf Instagram
(BANG) - Kelly Osbourne hat neue Liebesspekulationen ausgelöst, nachdem sie einige Schnappschüsse in den sozialen Medien geteilt hat. Wenige Wochen nach ihrer Trennung von ihrem Verlobten Sid Wilson veröffentlichte die Reality-TV-Bekanntheit mehrere Instagram-Schnappschüsse von Kiinicki, einer in Los Angeles ansässigen nichtbinären Person, die als […] (01)
vor 23 Stunden
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 12 Stunden
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind das Spiel gesuchtet und es war einfach großartig, die CD besitze ich heute noch. 2021 wurde es dann auch auf Steam veröffentlicht und war ohne Probleme spielbar. Jetzt wurde aber mit Ghost Master: Resurrection eine erweiterte Neuauflage des Spiels veröffentlicht. Es […] (00)
vor 11 Stunden
Berlin kann gute Anteile in die Sparte ziehen
In der zweiten Fußball-Liga der Männer gings um Aufstiegshoffnungen und Abstiegsängste. Gute Quoten brachte diese Konstellation vor allem in Halbzeit zwei. Diese Woche lief das Samstag-Abend-Spiel der zweiten Liga wegen dem Castingshow-Start nicht im Hauptprogramm bei RTL, sondern in der Nische bei Nitro. Konkret war es innerhalb 2. Bundesliga Live die Begegnung zwischen Dresden und Hertha, […] (00)
vor 1 Stunde
SC Freiburg - Bayern München
Freiburg (dpa) - Mit einem gewaltigen Energieschub reisen der FC Bayern München und seine jungen Matchwinner zum Königsklassen-Knaller bei Real Madrid. «Ich freue mich brutal darauf», sagte Doppeltorschütze Tom Bischof nach dem dramatischen Last-Minute-Sieg beim SC Freiburg (3: 2) in der Fußball-Bundesliga. Das sei das «perfekteste Spiel» als […] (00)
vor 3 Stunden
Diabetes: Wenn der Blutzucker aus dem Gleichgewicht gerät
Höchst i. Odw., 05.04.2026 (lifePR) - Diabetes mellitus gehört zu den großen Volkskrankheiten unserer Zeit. Millionen Menschen in Deutschland und weltweit leben mit der Diagnose Typ-1- oder Typ-2-Diabetes. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch einen gestörten Zuckerstoffwechsel, bei dem der Körper entweder zu wenig Insulin produziert oder die Zellen […] (00)
vor 1 Stunde
 
Positives Momentum im Reisesektor Die jüngste Ankündigung von Trainline, die […] (00)
Einkommenswachstum inmitten von Markt-Herausforderungen Die London Stock Exchange […] (00)
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, banknoten, berlin
Nach einer längeren Phase ohne nennenswerte Kursbewegungen, in der Bitcoin über […] (00)
Frau mit Smartphone (Archiv)
Berlin - Seit der Verordnungsfähigkeit von Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) im […] (00)
Cthulhu: The Cosmic Abyss – Erlebt die Musik im Trailer
NACON  und das Studio  Big Bad Wolf  gewähren einen Blick hinter die Kulissen der […] (00)
Wir lüften das Quotengeheimnis
Allerdings wird nicht nur auf die Dagtekin-Komödie geblickt, sondern auch auf den FC Bayern und […] (00)
iPhone 18 Pro offenbar ohne schwarze Farbvariante
Einem aktuellen Gerücht zufolge wird Apple bei den kommenden iPhone 18 Pro Modellen […] (00)
Bayer Leverkusen - VfL Wolfsburg
Leverkusen (dpa) - Bayer Leverkusen hat mit einem Comeback in einer wilden und […] (01)
 
 
Suchbegriff