Die Lage im Überblick

Trump nicht begeistert über Israels Angriff in Katar

10. September 2025, 11:40 Uhr · Quelle: dpa
US-Präsident Trump hat Israels Angriff auf Hamas-Führer in Katar scharf kritisiert, da Katar ein enger US-Verbündeter ist. Der UN-Sicherheitsrat tagt zu dem Vorfall, während Verhandlungen um eine Waffenruhe im Nahostkonflikt weiter stocken.

Doha/Tel Aviv/Washington (dpa) - Die USA haben einen Überraschungsangriff Israels auf die Führungsspitze der islamistischen Terrororganisation Hamas in Katar deutlich kritisiert. «Ich bin nicht begeistert davon», sagte US-Präsident Donald Trump in Washington. Das Weiße Haus hatte bereits zuvor mitgeteilt, Trump bedauere, dass der Golfstaat Ort eines israelischen Angriffs auf die Hamas geworden sei. Der Republikaner betrachte Katar als engen Verbündeten und Freund der USA. Derweil will sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen heute (21.00 Uhr MESZ) in einer Dringlichkeitssitzung mit dem Angriff beschäftigen. 

Hamas: Israels Angriff auf Verhandlungsteam in Katar gescheitert

Die Hamas bezeichnete den Angriff in der katarischen Hauptstadt Doha als «gescheitert». Kein Mitglied ihres Verhandlungsteams sei dabei getötet worden, hieß es in einer Mitteilung der Palästinenserorganisation. Bei dem Angriff seien aber sechs Menschen ums Leben gekommen. Darunter seien der Sohn des höchstrangigen Hamas-Anführers im Ausland, Chalil al-Haja, sowie dessen Büroleiter.

Al-Haja ist der höchste Hamas-Führer im Ausland, der auch die Hamas-Delegation bei den indirekten Verhandlungen mit Israel um eine Waffenruhe leitet. Al-Haja hielt sich die meiste Zeit in Katar auf. Andere höhere Hamas-Funktionäre im Ausland leben ebenfalls zumeist in Katar oder in der Türkei. Israel hatte zuletzt mit Angriffen auf Hamas-Führer im Ausland gedroht. 

Netanjahu: Angriff auf Hamas-Spitze «optimal und präzise»

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nannte den Luftangriff, an dem nach Medienberichten mehrere Kampfjets und Drohnen beteiligt waren, «optimal und präzise». Es sei eine Reaktion auf den tödlichen Anschlag zweier Hamas-Mitglieder in Jerusalem, bei dem am Montag sechs Menschen getötet worden waren, und einen tödlichen Hamas-Angriff auf Soldaten im Gazastreifen. 

«Die Tage, an denen Terroranführer an irgendeinem Ort der Welt Immunität genossen haben, sind vorbei», sagte Netanjahu. Israels Feinde müssten wissen, dass Juden seit Einrichtung des Staates Israel nicht mehr schutzlos ausgeliefert seien. Der israelische Armeesender berichtete, der Angriff mit dem Codenamen «Feuergipfel» habe der verbliebenen Führungsriege der Islamistenorganisation gegolten. 

Katar: Wurden über Israels Angriff nicht vorab informiert

Der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, nannte Berichte, Katar sei vor dem Angriff informiert worden, «komplett falsch». Ein US-Regierungsvertreter habe in dem Moment in Katar angerufen, als die Explosionen bereits zu hören waren. Al-Ansari widersprach damit einer ersten US-Darstellung. Die US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt sagte, Trump habe seinen Nahost-Sondergesandten Steve Witkoff angewiesen, Katar über den bevorstehenden Angriff zu informieren. 

Der US-Präsident ergänzte später in einem Post auf seiner Plattform Truth Social, dass Witkoff Katar informiert habe. Es sei aber zu spät gewesen, um den Angriff aufzuhalten. Auf die Frage, wie er von dem Angriff erfahren habe, sagte der Republikaner am Dienstagabend (Ortszeit), er werde an diesem Mittwoch eine vollständige Erklärung abgeben. «Aber ich sage Ihnen Folgendes: Ich war sehr unglücklich darüber. Sehr unglücklich über jeden Aspekt.»

Der katarische Sprecher Al-Ansari sagte, es handle sich bei dem Angriff um einen «eklatanten Verstoß gegen alle internationalen Rechte und Normen» und eine «ernsthafte Gefahr für die Sicherheit» der Bevölkerung in Katar. 

Die «Times of Israel» berichtete unter Berufung auf Diplomaten, dass Katar seine Rolle als Vermittler aussetzen werde. Doha habe die US-Regierung über den Schritt informiert. Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani deutete am Abend aber an, dass Katar an seiner Rolle als Vermittler im Gaza-Krieg festhalten könnte.

Katar vermittelt zusammen mit Ägypten und den USA im Gaza-Krieg zwischen Israel und der Hamas. Die Verhandlungen um eine Waffenruhe kommen aber seit Monaten nicht voran. 

Der Angriff zielte nach katarischen Angaben auf ein Wohnhaus von Hamas-Vertretern. In der Umgebung befinden sich den Angaben zufolge auch mehrere Schulen, Kindergärten, eine Tankstelle, ein Park und etwa die Botschaften Polens, Russlands und der Philippinen.

USA: Bombardierung dient weder Israels noch Amerikas Zielen

In der Stellungnahme, die US-Sprecherin Leavitt vortrug, hieß es, eine «einseitige Bombardierung innerhalb Katars als souveränem Staat und engem Verbündeten der Vereinigten Staaten», diene weder Israels noch Amerikas Zielen. Das Land habe sich gemeinsam mit den USA «engagiert und mutig» für den Frieden eingesetzt. Der Präsident wolle, dass der Krieg ende und alle Geiseln aus dem Gazastreifen freigelassen würden. 

Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, davon sind 20 nach israelischen Informationen noch am Leben. Auch Angehörige äußerten nach dem Angriff in Katar große Sorge über das Schicksal der Geiseln. 

Die Hamas teilte mit, der Angriff auf ihre Verhandlungsdelegation, die gerade über einen Vermittlungsvorschlag Trumps beraten wollte, beweise einmal mehr, dass Netanjahu und seine Regierung nicht die Absicht hätten, ein Abkommen zu erzielen. 

Merz nennt israelischen Angriff «nicht akzeptabel»

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte die Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität Katars in einem Telefonat mit Emir Tamim bin Hamad Al Thani «nicht akzeptabel», wie Regierungssprecher Stefan Kornelius mitteilte. Auch Außenminister Johann Wadephul verurteilte den Angriff. Der britische Premier Keir Starmer bezeichnete Israels Vorgehen als einen «eklatanten Verstoß gegen die Souveränität Katars» und warnte vor einer weiteren Eskalation der Lage.

Provokative Äußerungen des Hamas-Anführers

Al-Haja hatte das Abkommen über eine Waffenruhe zu Jahresbeginn als Triumph über Israel beschrieben. Die im Januar in Kraft getretene Waffenruhe brach nach zwei Monaten zusammen. Israel hatte sich geweigert, im Zuge einer nächsten Phase der Waffenruhe über eine Beendigung des Krieges zu verhandeln, so wie es ursprünglich vereinbart gewesen war. Ziel Israels ist es weiterhin, die Hamas zu zerschlagen. 

Die Massaker an Israelis vom 7. Oktober 2023, bei denen rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 weitere verschleppt worden waren, hatte al-Haja als Wendepunkt in der Geschichte der palästinensischen Sache bezeichnet. Israel sei dabei ins Mark getroffen worden. Ziel der Hamas sei weiter, Israel die Stadt Jerusalem und die Al-Aksa-Moschee zu entreißen, sagte al-Haja.

Nach den Unruhen der arabischen Aufstände in der Region hatte die Hamas 2012 ein politisches Büro in Katar eröffnet. Schon vorher war aus dem Golfemirat viel Geld an die Hamas geflossen, die 2007 die Macht im Gazastreifen gewaltsam an sich gerissen hatte. Nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel wurden Forderungen an die Regierung Katars lauter, das Büro zu schließen.

Israels Armee ruft Einwohner der Stadt Gaza zur Flucht auf

Israels Regierung beabsichtigt, die Stadt Gaza militärisch vollständig einzunehmen. Die Armee rief die Einwohner am Dienstag zur Flucht auf. Die Menschen sollten sich nach Al-Mawasi in den Süden begeben, hieß es in einem in arabischer Sprache veröffentlichten Aufruf. Israels Armee werde in der Stadt Gaza «mit großer Intensität vorgehen», um die Hamas zu besiegen, teilte das Militär weiter mit. Es ist die erste Fluchtaufforderung der Armee für die gesamte Stadt.

Update: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Katar werde seine Rolle als Vermittler nach Angaben von Außenamtssprecher Madschid al-Ansari aussetzen. Die Quelle wurde korrigiert. Über den angeblichen Schritt hatte die «Times of Israel» unter Berufung auf Diplomaten berichtet.
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10.09.2025 · 11:40 Uhr
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