Trump eskaliert den Handelskonflikt – China antwortet mit Währungssteuerung und Börsenstützung
Mit dem Verstreichen der US-Frist und dem Inkrafttreten neuer Strafzölle am Mittwochmorgen eskaliert der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China in eine neue Phase. Seit sechs Uhr deutscher Zeit gelten zusätzliche US-Zölle in Höhe von bis zu 104 Prozent auf chinesische Waren. Auch für die Europäische Union wurde ein zusätzlicher Satz von 20 Prozent aktiviert.
China hatte das von Washington gesetzte Ultimatum demonstrativ ignoriert. Die Führung in Peking nannte die US-Forderungen „Erpressung“ und kündigte an, dem Druck „bis zum bitteren Ende“ standzuhalten. Die Antwort: Währungsmanipulation, politische Rhetorik – und direkte Markteingriffe.
Die chinesische Zentralbank setzte den Yuan-Referenzkurs am Mittwoch auf 7,2066 je US-Dollar – der fünfte Rückgang in Folge. Damit versucht Peking, die Preisaufschläge durch die US-Zölle für Exporteure abzufedern. US-Präsident Trump warf China daraufhin offen vor, „heute ihre Währung zu manipulieren“.
Während Trump am Dienstag bei einem Auftritt im Weißen Haus behauptete, die USA würden täglich zwei Milliarden Dollar durch die neuen Zölle einnehmen, war von den wirtschaftlichen Folgekosten – insbesondere für US-Verbraucher – keine Rede. Ökonomen warnen seit Tagen vor spürbaren Effekten auf die Lieferketten und das globale Wachstum.
An den Märkten reagierte China schnell. Der staatliche Ölkonzern China National Petroleum kündigte Aktienkäufe im Volumen von 777 Millionen US-Dollar an. Auch die Central Huijin Investment Company griff in den Markt ein. Ziel: Stützung der A-Aktien, also chinesischer Titel an den Festlandbörsen Shanghai und Shenzhen. Analysten wie bei BNP Paribas sehen die dortigen Indizes als stabiler an als die volatileren H-Shares in Hongkong, die am Mittwochvormittag erneut stärker nachgaben.
Parallel sucht China neue Partner. Premierminister Li Qiang telefonierte am Dienstag mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Brüssel fordert eine diplomatische Lösung, befürchtet aber zugleich eine Verlagerung chinesischer Exporte nach Europa – und bereitet protektionistische Maßnahmen vor.
Trump hingegen zeigt sich unbeeindruckt. Der Präsident stellt den Handelskonflikt als nationalen Kraftakt dar. Einlenken? Nur, wenn es der US-Wirtschaft nützt. China bleibt bislang außen vor – obwohl laut US-Finanzministerium fast 70 Länder Gesprächsbereitschaft signalisiert haben.
Die „Global Times“, Sprachrohr der chinesischen Führung, nannte die US-Politik am Mittwoch eine Strategie der „Entamerikanisierung“ der Weltwirtschaft. Die Reaktion zeigt: Es geht längst nicht mehr nur um Zölle – sondern um den globalen Führungsanspruch zweier Systeme.

