Drei Jahre Ukraine-Krieg

Trump-Erfolg im Sicherheitsrat - Schlappe in Vollversammlung

25. Februar 2025, 01:01 Uhr · Quelle: dpa
Vor den 193 UN-Mitgliedsstaaten kann US-Präsident Donald Trump mit seinem Ukraine-Kurs zunächst nicht durchdringen. Im mächtigen Sicherheitsrat aber gibt es nach drei Jahren Krieg eine Premiere.

New York (dpa) - Im Richtungsstreit zwischen den USA und Europa über den Kurs im Ukraine-Krieg hat US-Präsident Donald Trump sich den Rückhalt des UN-Sicherheitsrats gesichert. Das mächtigste UN-Gremium mit 15 Ratsmitgliedern stimmte in New York für eine moskaufreundliche Ukraine-Resolution der US-Regierung. Nach vielen Vetos Russlands war es der erste gemeinsame Beschluss zum Krieg seit dem Einmarsch in die Ukraine vor drei Jahren. In der UN-Vollversammlung vor allen 193 Mitgliedern drang die US-Regierung mit einer wortgleichen Beschlussvorlage dagegen nicht durch.

Trump hatte seine rhetorische Abkehr von der Ukraine und Hinwendung zu Kremlchef Wladimir Putin mit dem diplomatischen Vorstoß bei den Vereinten Nationen untermauert. Der Resolutionsvorschlag mit dem Titel «Der Weg zum Frieden» benennt Moskau nicht als Aggressor des Krieges, fordert keinen russischen Rückzug und erwähnt die territoriale Integrität der Ukraine nicht. Angemahnt wird bloß ein rasches Ende des Krieges, ohne Bedingungen zu nennen.

Großbritannien und Frankreich verzichten auf Veto

Im Sicherheitsrat bekam der Text eine Mehrheit von 10 der 15 Stimmen. Mit den USA stimmten unter anderem Russland und China, während sich alle fünf europäischen Länder des Rates - Großbritannien, Frankreich und die nicht-ständigen Mitglieder Slowenien, Dänemark und Griechenland - enthielten. Resolutionen im UN-Sicherheitsrat sind völkerrechtlich bindend.

Briten und Franzosen haben theoretisch ein Vetorecht, dieses aber seit 1989 nicht genutzt. Eine Änderung dieser Gepflogenheit wäre als bedeutender Bruch mit ihrer diplomatischen Linie interpretierbar gewesen, die beide Länder wohl nicht aufgeben wollten, während sich die Europäer intensiv um Verständigung mit Trump bemühen.

Eine Vertiefung des neu entstandenen Grabens zwischen den transatlantischen Partnern wäre auch zur Unzeit gekommen, da Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei seinem Besuch in Washington am Montag versuchte, gemeinsame Standpunkte mit Trump auszuloten. Diplomatenkreise berichteten der Deutschen Presse-Agentur aber, dass ein Veto bis zuletzt erwogen worden sei.

US-Botschafterin: Resolution kein Friedensabkommen

Die britische UN-Botschafterin Barbara Woodward sprach sich in der Sitzung klar gegen die Resolution aus: «Es kann keine Gleichsetzung zwischen Russland und der Ukraine geben, wenn dieses Gremium über diesen Krieg spricht.» Moskau sei schuld am Angriffskrieg gegen einen souveränen Staat, der Hunderttausende von Menschenleben gekostet habe. Frankreichs Botschafter Nicolas de Rivière erklärte: «Es wird nirgendwo Frieden und Sicherheit geben, wenn Aggressionen belohnt werden.»

Die amtierende US-Botschafterin Dorothy Shea sprach dagegen davon, dass die Welt «am Abgrund der Geschichte» stehe und es einen möglichst schnellen Frieden brauche. Dabei wollte sie die Europäer auch beruhigen: «Wir hören unseren europäischen Kollegen zu, wenn sie sagen, dass sie einen dauerhaften Frieden wollen, aber nicht um jeden Preis», sagte sie. Man wolle ihnen versichern, dass die USA ebenfalls einen «dauerhaften Frieden» anstrebten. Die Resolution sei kein Friedensabkommen und verursache keine Kosten.

Russland sprach derweil von einem guten ersten Schritt, während China erklärte, es unterstütze das amerikanisch-russische Bemühen um Frieden. Das Votum des Sicherheitsrats dürfte Trump als Zeichen des Rückhalts für seinen Versuch verstehen, einen Frieden zusammen mit Putin notfalls auch gegen den Willen der Ukraine zu erzwingen.

Vorstoß in UN-Vollversammlung ohne Erfolg

Doch in größerer Runde stieß Trumps Vorstoß bei den Vereinten Nationen auch auf deutlichen Widerstand. Vor der Abstimmung im Sicherheitsrat hatten die USA bereits in der UN-Vollversammlung versucht, mit dem identischen Resolutionsentwurf weltweite Zustimmung zum Kurswechsel im Ukraine-Krieg zu erhalten.

Das größte Gremium der Vereinten Nationen verhinderte aber die kremlfreundliche Resolution: Mehrere Änderungsanträge von EU-Staaten, der Ukraine sowie Großbritanniens bekamen die notwendige Mehrheit der 193 UN-Mitglieder, sodass der US-Text in der Folge Russland klar als Aggressor benannte und an entscheidenden Stellen im ukrainischen Sinne umgedeutet wurde.

Kriegsmüde Staaten wollen Frieden - und Sicherheit

Washington enthielt sich dann letztlich bei der Abstimmung über seine abgeänderte Resolution genau wie China, während Russland mit sieben Staaten dagegen stimmte. 93 Länder, darunter Deutschland und die meisten EU-Staaten, votierten dafür – ein deutlich geringerer Rückhalt für Kiew als bei ähnlichen Resolutionen zuvor. 

Auch eine zweite, von der Ukraine selbst zusammen mit der EU-Vertretung verfasste Resolution für die Vollversammlung, sah viele Enthaltungen, was als Distanzierung dieser Länder vom US-europäischen Streit um den Ukraine-Kurs gewertet wird. Ungarn, dessen Regierung als ausgesprochen Trump-freundlich gilt, scherte dabei aus und stellte sich klar an die Seite Washingtons.

UN-Experte Richard Gowan von der Denkfabrik Crisis Group sprach in Bezug auf die Vollversammlung zwar von einer eher gelungenen europäischen Verteidigung der Ukraine in New York. Doch betonte er auch, dass der Wunsch vieler Länder des sogenannten Globalen Südens nach schnellem Frieden offensichtlich sei. Der US-Ansatz spiegele dieses Verlangen zwar wider, habe aber auch viele UN-Mitglieder nervös gemacht - weil er das Völkerrecht vernachlässige, das kleinere Staaten vor Angriffen schützen soll.

Krieg / Konflikte / UN / Ukraine / Russland / USA / Deutschland / International
25.02.2025 · 01:01 Uhr
[5 Kommentare]
Amtsantritt des neuen BND-Präsidenten Jäger
München (dpa) - Als Reaktion auf die hybride Kriegsführung Russlands spricht sich der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Martin Jäger, künftig für vergleichbare Gegenmaßnahmen aus - auch von Deutschland. Letztlich müsse Russland klargemacht werden, dass es Konsequenzen haben werde, wenn es so weitermache, sagte er bei der Münchner […] (00)
vor 4 Minuten
Holzreste machen aus Wüstensand einen nutzbaren Beton-Rohstoff
Sand ist einer der meistgenutzten Rohstoffe der Welt – und zugleich einer der am wenigsten beachteten. Ohne ihn gäbe es keinen Beton, keine modernen Städte, keine Straßen, Brücken oder Tunnel. Der Bauboom der vergangenen Jahrzehnte hat den Bedarf an geeignetem Bausand in die Höhe getrieben, mit spürbaren Folgen für Flusslandschaften, Küstenregionen und […] (00)
vor 3 Stunden
Neue Siri auf gutem Weg: Start noch in diesem Jahr geplant
Wie CNBC-Reporter Steve Kovach berichtet, hat Apple bestätigt, dass die neue und deutlich verbesserte Version von Siri noch im Laufe dieses Jahres erscheinen wird. Diese Aussage steht im Kontrast zu früheren Berichten von Bloomberg-Experte Mark Gurman. Dieser hatte von internen Verzögerungen gesprochen und vermutet, dass die weitreichenden neuen KI- […] (00)
vor 4 Stunden
State of Play präsentiert Resident Evil Requiem und Pragmata
Heute hat Capcom in der PlayStation State of Play Präsentation brandneue Trailer vorgestellt, die einen aktuellen Einblick in die mit Spannung erwarteten Spiele  Resident Evil Requiem  und  PRAGMATA  geben. Beide actiongeladenen Titel nähern sich mit großen Schritten ihrem Veröffentlichungstermin Anfang 2026. Resident Evil Requiem legt einen Gang zu […] (00)
vor 9 Minuten
«Lord of the Flies»: Netflix sichert sich US-Rechte
Die erste TV-Umsetzung von William Goldings Klassiker geht in den USA zu Netflix. Netflix hat sich die US-Auswertungsrechte an der neuen Serienadaption von Lord of the Flies gesichert. Das gab Sony Pictures Television bekannt. Die vierteilige Miniserie feierte bereits am 8. Februar ihre Premiere bei der BBC im Vereinigten Königreich und steht zudem kurz vor ihrer Präsentation auf der […] (00)
vor 1 Stunde
Olympische Winterspiele 2026
Mailand (dpa) - Im ersten Krisenmoment ihrer Amtszeit sah Kirsty Coventry nicht wie eine Gewinnerin aus. Die Stimme stockte, die Augen waren feucht, als die IOC-Präsidentin die unnachgiebige Position beim Ausschluss des Ukrainers Wladislaw Heraskewytsch von den olympischen Skeleton-Rennen zu erklären versuchte. Am Tag nach dem großen Gefühlschaos hatte sich […] (00)
vor 43 Minuten
Achtung Lebensgefahr: BMW ruft sofort hunderttausende Autos wegen akutem Brandrisiko zurück
Ein verschlissener Magnetschalter zwingt den Konzern zur weltweiten Nachbesserung Der Münchner Automobilhersteller BMW sieht sich mit einem gravierenden technischen Defekt konfrontiert, der einen sofortigen weltweiten Rückruf erforderlich macht. Allein auf dem deutschen Markt müssen 28.582 Fahrzeuge unverzüglich in die Werkstätten beordert werden. […] (00)
vor 33 Minuten
Neues Whitepaper: Verpackungsmaschinen intelligent konfigurieren und anbieten
Stuttgart, 13.02.2026 (PresseBox) - Große Hersteller in der Verpackungsindustrie zeigen bereits, wie moderne CPQ- und KI-gestützte Angebotsprozesse den Vertrieb revolutionieren: Komplexe Maschinen- und Linienkonfigurationen lassen sich heute in Minuten statt Stunden anbieten. MULTIVAC erstellt Angebote inzwischen in nur 30 Minuten, HAVER & BOECKER […] (00)
vor 2 Stunden
 
Ines Claus (Archiv)
Berlin - Die hessische CDU-Politikerin Ines Claus, die sich für das Amt der […] (00)
Markus Söder am 13.02.2026
München - Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder warnt […] (03)
Straßenszene in Neu-Delhi (Archiv)
München - Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sieht die Notwendigkeit […] (00)
Trump-Regierung hebt Einschätzung zu Treibhausgasen auf
Washington (dpa) - Schluss mit Klimakrise: US-Präsident Donald Trump hat […] (13)
Jason Momoa wird Helldiver: Sony kündigt Helldivers-Film für 2027 an
Die nächste große Gaming-Verfilmung steht fest und sie bringt ordentlich Feuerkraft […] (01)
compass, newspaper, finance, direction, business, advisor, west, north, future, numbers
Der Flughafen Köln/Bonn steht aktuell vor signifikanten Herausforderungen, nachdem […] (00)
Olympische Winterspiele 2026
Cortina d'Ampezzo (dpa) - Wütend und enttäuscht packte Wladislaw Heraskewytsch nach […] (08)
Olympia-Schub für «The Tonight Show»: 2,4 Millionen Zuschauer
Die erste Ausgabe nach den Olympischen Spielen bescherte Jimmy Fallon die höchste Reichweite […] (00)
 
 
Suchbegriff